Jemand zündet mit einem Feuerzeug einen Knallkörper an. © picture alliance/dpa Foto: Marc Müller

"Schlag ins Gesicht": Ärger über aufgeweichtes Böllerverbot

Stand: 23.12.2020 14:48 Uhr

Ein komplettes Verbot von Feuerwerk zu Silvester hatte das Land verhängt. Das Oberverwaltungsgericht setzte es außer Kraft - ein Fehler, heißt es in der Region Hannover.

Nachdem das Lüneburger Gericht ein allgemeines Böllerverbot für Niedersachsen gekippt hatte, passte das Land seine Verordnung an. Feuerwerk ist nun nur noch an belebten öffentlichen Orten untersagt, die jeweils die Kommunen festlegen. Die Entscheidung des Gerichts halte er "für nachhaltig falsch", teilte Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) am Mittwoch mit. "Sie ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die versuchen, in Krankenhäusern und andernorts die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern."

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Ein Feuerwerkskörper zündet. © picture alliance / Andreas Franke | Andreas Franke Foto: Andreas Franke

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Kliniken appellieren: Verordnung rigoros umsetzen

Jagau reagierte damit auf einen Appell der Kliniken. Diese hatten sich mit der Bitte an die Region gewandt, das Böllerverbot in seiner jetzigen Form "möglichst rigoros zu beschließen und anzuordnen", wie es in einer Mitteilung heißt. Unterzeichner des Schreibens sind demnach das Klinikum Region Hannover (KRH), die Medizinische Hochschule (MHH), Diakovere, das Vinzenzkrankenhaus, das Clementinenhaus, die Paracelsus Kliniken, das Kinderkrankenhaus Auf der Bult und die Sophienklinik.

Krankenhäuser bereits sehr stark ausgelastet

Den Kliniken geht es sowohl um das hohe Verletzungsrisiko durch Feuerwerkskörper als auch um die Corona-Ansteckungsgefahr. "Selbstverständlich stellen wir uns als Krankenhäuser auch jedes Jahr auf dieses leider 'planbare' Geschehen von alkoholisierten Patienten mit Brandverletzungen, Traumata etc. ein", heißt es. In diesem Jahr müsse diese zusätzliche Belastung aber unbedingt vermieden werden. Die Häuser seien durch Covid-19-Patienten bereits jetzt sehr stark ausgelastet. Und Silvester hielten sich Menschen nach Alkoholkonsum häufig weniger an Anweisungen - wie etwa die Hygieneregeln.

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Ausweich-Böller noch gefährlicher?

Hand- und Unfallchirurgen warnen derweil vor noch gravierenderen Verletzungen als üblich. Feuerwerkskörper dürfen in diesem Jahr nicht verkauft werden - dies könnte dazu führen, dass Menschen auf illegale Ware oder auf alte Böller aus dem vergangenen Jahr zurückgreifen, so die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. "Bei Unfällen mit selbstgebauten oder nicht-zertifizierten Sprengkörpern kann es zu noch schwereren Verletzungen kommen", so die Warnung. "Auch veraltete Sprengkörper aus den Vorjahren sollten nicht gezündet werden."

Jagau: Böllerverbot "im Rahmen des Möglichen"

Dass man Feuerwehren, Rettungsdiensten und Klinik-Beschäftigten das Risiko zumute, "nur damit einige Menschen ihren Spaß haben", verstehe er nicht, betonte Regionspräsident Jagau. Die Mitarbeitenden der Krankenhäuser stünden "schon jetzt an der absoluten Belastungsgrenze" und seien täglich dem Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Er versprach: "Die Region Hannover wird im Rahmen des Möglichen unter Nennung der Straßenzüge ein Böllerverbot erlassen."

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Nachrichten aus dem Studio Hannover

Was in Ihrer Region wichtig ist, hören Sie in dem Mitschnitt der 15:00 Uhr Regional-Nachrichten auf NDR 1 Niedersachsen. 8 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 23.12.2020 | 13:30 Uhr

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