Stand: 30.10.2019 06:54 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

"Polarstern"-Expedition: Lehrerin schwärmt vom Eis

Die Lehrerin Friederike Krüger hat an der Arktis-Expedition "Mosaic" teilgenommen.

Fünf Wochen lang hat die Lehrerin Friederike Krüger aus Hannover die "Mosaic"-Expedition des Forschungsschiffs "Polarstern" in der Arktis begleitet. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts aus Bremerhaven wollen unter anderem mehr über die Folgen des Klimawandels herausfinden. Krüger ist an Bord des Begleitschiffs "Akademik Fedorov" mitgereist. Jetzt hat die 28-jährige Erdkundelehrerin im norwegischen Tromsø wieder festen Boden unter den Füßen. Noch in dieser Woche will sie nach Deutschland zurückkehren. Im Gepäck hat sie einzigartige Erfahrungen, von denen sie im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen berichtet. So hat sie Eisbärenmütter mit ihrem Nachwuchs in freier Wildbahn gesehen und Polarlichter in den verschiedensten Farben. Ganz besonders fasziniert hat sie das Eis - und um das zu erforschen, war sie zusammen mit den Wissenschaftlern aufgebrochen.

Die Farben des Eises

Auf der Expedition habe sie Millimeter dünnes Eis gesehen, das sich unter den Wellen mitbewegt, aber auch mehrere Meter dickes Eis. Auch habe sie gesehen, wie viele verschiedene Farben das Eis haben kann. "Das ist unfassbar spannend, wenn man mit diesem Schiff daran vorbeifährt und sich das Eis permanent verändert", sagte die Lehrerin. Ein sehr beeindruckender Moment sei es gewesen, als sie zum ersten Mal auf eine Eisscholle gestiegen sei.

Forscher nehmen starken Wandel in der Arktis wahr

Schwierig sei es indes gewesen, überhaupt geeignete Schollen für die Messungen zu finden, berichtet Krüger. Erfahrene Polarforscher hätten gesagt, dass dies vor 20 Jahren noch viel leichter gewesen sei. Es habe Tage gedauert, bis das Schiff auf Eisschollen gestoßen sei, die dick genug zum Betreten gewesen seien, sagte die 28-Jährige. Die Forscher hätten von einem "ganz starken Wandel" in der Arktis gesprochen: Das einst meterdicke Eis sei nur noch zentimeterdick. Das Thema Klimawandel sei aber nur ein Teil der Expedition. Es gehe auch darum, verschiedene Zusammenhänge in der Arktis zu verstehen, sagte Krüger.

Auf dem Schiff bildet sich eine Gemeinschaft

Bild vergrößern
Es dauerte Tage, bis die Forscher eine geeignete Eisscholle zum Betreten entdeckten.

An Bord der "Akademik Fedorov" waren neben den Wissenschaftlern auch Journalisten und andere Lehrer. Krüger schwärmt von der Gemeinschaft, die sich auf dem Schiff gebildet habe. "Man wächst wahnsinnig schnell in kurzer Zeit zusammen und erlebt an einem Tag so viel, wie zu Hause in einer Woche oder in einem Monat." Die letzten fünf Wochen seien einerseits schnell vergangen, fühlten sich aber gleichzeitig an wie mehrere Monate.

"Nicht kälter als der Winter in Hannover"

Erstaunt habe sie festgestellt, dass die Kälte ihr gar nicht so viel ausgemacht habe. "Selbst minus 20 Grad fühlen sich nicht kälter an als der Winter in Hannover", sagte die Lehrerin. Was ihr allerdings zugesetzt habe, sie die zunehmende Dunkelheit im arktischen Winter gewesen. "Man merkt schnell, dass der Körper müder wird und man sich nicht mehr lange konzentrieren kann, wenn das Tageslicht fehlt." Die Wissenschaftler, die sich ein Jahr lang auf der "Polarstern" in der Arktis einfrieren lassen wollen, hätten inzwischen so gut wie gar kein Tageslicht mehr.

Krüger erarbeitet Unterrichtsmaterial

Bild vergrößern
Einige Eisbären hat Krüger in den fünf Wochen gesehen.

Aus diesem Grund freut sich Krüger, bald zurück nach Deutschland zu kommen, wo die Tage wieder länger sind als im hohen Norden. Dann beginnt für Krüger der theoretische Teil ihrer Expedition: Sie erstellt Unterrichtsmaterialien. Darin soll es um die Arbeit der Wissenschaftler in der Arktis gehen. Dazu habe sie bereits ein umfassendes Unterrichtskonzept entwickelt, das die Arbeit auf einer Eisscholle abbildet. Veröffentlicht werden soll es auf der Mosaic-Expeditions-Internetseite unter einer eigenen Rubrik - frei verfügbar in verschiedenen Sprachen.

Weitere Informationen

"Polarstern"-Expedition: Hannoveranerin reist mit

Die Hannoveranerin Friederike Krüger hat eine dieser sprichwörtlichen einmaligen Chancen im Leben. Die Lehrerin begleitet die Expedition der "Polarstern" in die Arktis. (21.09.2019) mehr

Eisbrecher "Polarstern" macht an Scholle fest

Wissenschaftler aus 17 Ländern wollen ein Jahr lang durch das Nordpolarmeer driften. Der deutsche Eisbrecher "Polarstern" hat nun an der dafür nötigen Eisscholle festgemacht. (04.10.2019) mehr

"Polarstern" startet Richtung Arktis

Der Forschungseisbrecher "Polarstern" ist zur größten Arktis-Expedition aller Zeiten aufgebrochen. Das Schiff wird ein Jahr lang mit einer Eisscholle durch die Arktis treiben. (20.09.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.10.2019 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:57
Hallo Niedersachsen
06:07
Hallo Niedersachsen
03:18
Hallo Niedersachsen