Stand: 16.04.2018 21:41 Uhr

Nach Beiß-Attacke: Hund "Chico" eingeschläfert

Nach der tödlichen Attacke auf seinen 27-jährigen Besitzer und dessen 52 Jahre alte Mutter in Hannover ist der Staffordshire-Mischling "Chico" eingeschläfert worden. Das teilte die Stadt am Montag mit. Unter Beteiligung der Tierärztlichen Hochschule (TiHo), des Tierschutzvereins Hannover und Umgebung e.V. und des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums sei "unter Betrachtung der Gesamtsituation" von der Veterinärbehörde der Landeshauptstadt Hannover die Entscheidung getroffen worden, den Hund am Montag in der Narkose einzuschläfern.

Hund "Chico".

Nach tödlichen Bissen: "Chico" eingeschläfert

Hallo Niedersachsen -

Staffordshire-Mischling "Chico" ist tot. Das Hund, der seinen Halter und dessen Mutter in Hannover totgebissen hatte, wurde am Montag eingeschläfert.

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Verletzungen im Kieferbereich offenbar frisch

"Chico" sei in einer Kleintierklinik umfassend untersucht worden, so die Stadt weiter. Dabei sei festgestellt worden, dass beide Eckzähne im Oberkiefer gelöst beziehungsweise aus dem Zahnfach herausgebrochen waren. "Die entsprechenden Verletzungen waren frisch und sind vermutlich in der Zeit um den Beißvorfall entstanden", teilte Sprecher Udo Möller mit. Beidseitig habe eine offene Verbindung zur Nasenhöhle bestanden. Die weitere Behandlung und Nachsorge hätte angesichts der Schwere der Verletzungen und wegen der Aggressivität des Hundes jeweils nur unter Vollnarkose erfolgen können, so Möller.

Verständnis für das Vorgehen

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium und der Deutsche Tierschutzbund äußerten Verständnis für das Vorgehen. "Tierärzte sind dafür ausgebildet, solche Situationen zu beurteilen", sagte Dieter Ruhnke vom Landesverband Niedersachsen. "Wenn Schmerzen und Leiden zu groß würden, dann ist es auch gerechtfertigt, ein Tier einzuschläfern."

Stadt: Hund hätte isoliert gehalten werden müssen

Auf Vorschlag des Tierheims hatte die Stadt Hannover zuvor noch erwogen, "Chico" in einer Spezialeinrichtung außerhalb Niedersachsens unterzubringen. Wegen seiner fehlenden Sozialisation hätte das Tier jedoch nur isoliert von anderen Hunden gehalten werden können und sei aufgrund seiner Aggressivität auch für Menschen nicht mehr als Sozialpartner infrage gekommen, sagte Stadtsprecher Möller.

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Tierheim-Leiter: "Ich akzeptiere es"

Heiko Schwarzfeld, Geschäftsführer des Tierheims, war dabei, als der Hund eingeschläfert wurde. "Es ist schade, dass so entschieden wurde, aber ich akzeptiere es", sagte er NDR 1 Niedersachsen. Schwarzfeld meint, weil der Hund ausschließlich auf Menschen geprägt gewesen sei, hätte er auch dauerhaft Kontakt zu Menschen gebraucht. Das wäre aber in keinem Fall möglich gewesen. "Wir wissen nicht, was genau der Auslöser für die Aggression des Hundes war", sagte er. Man hätte ihn dauerhaft einsperren müssen. Generell ist Schwarzfeld aber der Meinung, dass eine Vergesellschaftung mit anderen Tiere in anderen Fällen versucht werden müsse.

Angehörige überrascht von Chicos Ende

Für die Angehörigen der Getöteten kommt "Chicos" Tod überraschend. Das sagte Rechtsanwalt Andreas Hüttl der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die drei hinterbliebenen Schwestern des 27-jährigen Hundehalters hätten von der Einschläferung aus den Medien erfahren. "Das war mit der Stadt anders abgesprochen", zitiert das Blatt den Juristen. Derweil habe Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) den Angehörigen Hilfe angeboten. "Er hat die drei Schwester zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen. Dieses Angebot werden wir annehmen", so Anwalt Hüttl weiter.

Tierheim wird in Sozialen Medien heftig angegriffen

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Heiko Schwarzfeld, Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hannover.

Mit Bekanntwerden von "Chicos" Tod ist der Tierschutzverein Hannover, der auch das Tierheim in Langenhagen betreibt, in dem "Chico" untergebracht worden war, in den sozialen Netzwerken massiv angegriffen worden. Derzeit ist die Facebook-Seite des Vereins nicht mehr im Netz zu finden - offenbar wurde sie deaktiviert. Am Wochenende hatte das Tierheim aufgrund extremer Kommentare bereits alle Beiträge zu "Chico" von seiner Facebook-Seite genommen. Zudem konnten Besucher keine Beiträge mehr auf der Seite hinterlassen oder den Verein bewerten. Unter Beiträgen zu anderen Themen äußerten sich nach "Chicos" Tod nun Hunderte Nutzer des sozialen Netzwerkes auf radikale Art und Weise: Die Vereinsvertreter wurden dort unter anderem als "Heuchler", "Lügner" und "Mörder" bezeichnet. "Ihr seid eine Schande für den Tierschutz", schrieb eine Nutzerin. "Chico musste sterben weil Menschen versagt haben! Und ihr gehört dazu!!!", hieß es in einem anderen Kommentar. Die Kommentare seien nicht mehr zu ertragen gewesen, so Tierheim-Geschäftsführer Schwarzfeld - "nicht sachdienlich und wenig hilfreich".

Stadt: Attacke hätte verhindert werden können

Vor knapp zwei Wochen hatte der Hund seinen Halter und dessen Mutter totgebissen. Offenbar war das Tier jahrelang in einem Käfig in der Wohnung im Stadtteil Groß-Buchholz gehalten worden. Später räumte die Stadt Hannover schwere Versäumnisse ein, wonach die tödliche Beiß-Attacke vermeidbar gewesen wäre. Im Jahr 2011 habe man Hinweise vom Amtsgericht bekommen, dass es Probleme mit der Familie, die unter gesetzlicher Betreuung stand, und dem Hund gebe, so die Stadt. Stellungnahmen von der Familienbetreuerin, einer Hundetrainerin sowie ein psychiatrisches Gutachten gingen demnach an die Veterinärbehörde.

Das Ergebnis: Der Hund zeige eine gesteigerte Aggressivität und der 27-Jährige sei als Halter ungeeignet. Der Halter sei danach aufgefordert worden, das Tier bei der Stadt vorzustellen, erklärte Stadtrat Axel von der Ohe. Der Halter tat das aber nicht. Daraufhin beschloss die Behörde, den Hund als gefährlich einzustufen und aus der Familie zu holen. Doch das geschah nicht.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Geprüft wird, ob vor sieben Jahren jemand einen strafrechtlich relevanten Fehler gemacht hat. Parallel prüft die Stadt arbeitsrechtliche Konsequenzen für beteiligte Mitarbeiter.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 16.04.2018 | 16:00 Uhr

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