Stand: 06.05.2019 16:12 Uhr

Lügde: Hamelner Jugendamt im Kreuzfeuer der Kritik

Im Missbrauchsskandal von Lügde wächst nach neuerlichen Vorwürfen die Kritik am Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Behörde nicht auf die Hinweise des leiblichen Vaters eines betroffenen Pflegekindes reagiert habe, sagte die sozialpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Sylvia Bruns. Dass der Vater weder kontaktiert, noch über den sexuellen Missbrauch seiner Tochter informiert wurde, sei eine Bankrotterklärung.

CDU fordert Sonderermittler

"Es ist unglaublich und nicht nachvollziehbar, was im Jugendamt von Hameln-Pyrmont vorgeht", kritisierte auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Dirk Toepffer. Er machte sich für die Einsetzung eines unabhängigen Sonderermittlers stark. Diesen Wunsch bekräftigte auch die CDU- Kreistagsabgeordnete Ursula Körtner. Wenn Landrat Tjark Bartels (SPD) mit seiner Ein-Stimmen-Mehrheit dies verhindere, müsse das Land den Sonderermittler einsetzen. Bartels Parteikollege Ulrich Watermann hält dies für überflüssig. "Was soll ein Sonderermittler feststellen, was nicht schon feststeht", sagte er im Interview mit dem NDR. "Den Sonderermittler brauchen wir nicht, weil wir alle rechtlichen Möglichkeiten haben."

Landkreis rechtfertigt Auskunftsverweigerung

Der Mann, der zum Schutz seiner Tochter in der Öffentlichkeit anonym bleiben möchte, hatte seine Vorwürfe im NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen erhoben. Der Landkreis habe nicht auf seine wiederholten telefonischen Proteste gegen den Aufenthalt seiner Tochter auf einem Campingplatz reagiert, beklagte er. Er habe nur zufällig erfahren habe, dass das damals sechsjährige Mädchen 2016 in die Obhut des 56-jährigen Hauptverdächtigen gegeben worden war. Der Landkreis rechtfertigte das Vorgehen in einer Stellungnahme: Demnach sei der Vater des Mädchens nicht informiert worden, weil er kein Sorgerecht und deshalb auch kein Auskunftsrecht habe, so eine Sprecherin.

Drei Verdächtige in Untersuchungshaft

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Detmold (Nordrhein-Westfalen) wurden auf dem Campingplatz in Lügde an der niedersächsischen Landesgrenze 41 Mädchen und Jungen zum Opfer schweren sexuellen Missbrauchs. Der 56-Jährige soll mit einem 33-jährigen Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Männer sowie ein 48-Jähriger aus Stade sitzen in Untersuchungshaft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 06.05.2019 | 14:00 Uhr

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