Stand: 27.11.2018 18:06 Uhr

Liberaler Islamverband steht vor Gründung

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Ein neuer liberaler Islamverband will allen Muslimen und Moscheegemeinden in Niedersachsen offenstehen.

Erst gab es Streit um Einflussversuche der Türkei auf die Moscheeverbände, nun steht in Niedersachsen die Gründung eines neuen liberalen Islamverbandes bevor. Der ehemalige Vorsitzende des Landesverbandes der Muslime (Schura), Avni Altiner, bestätigte entsprechende Vorbereitungen am Dienstag in Hannover. Der neue unabhängige Verband solle allen Muslimen und Moscheegemeinden offenstehen. Ziel sei es, dass die in langjähriger Arbeit erzielten Erfolge und Absprachen zur Integration der Muslime in Niedersachsen "nicht den Bach heruntergingen", sagte Altiner, der die Integrationsbemühungen und Vorbereitungen zum islamischen Religionsunterricht maßgeblich vorangetrieben hatte.

Verband soll unabhängig von der Türkei sein

Der Vorstoß zur Gründung eines neuen Verbandes folgt auf den Eklat beim türkischen Moscheeverand Ditib. Dessen langjähriger Landeschef Yilmaz Kilic sowie der gesamte Vorstand waren am Wochenende aus Protest gegen Versuche der Einflussnahme durch die Türkei zurückgetreten. Landespolitiker regten danach die Gründung eines neuen unabhängigen Verbandes an. Sie forderten zudem eine Prüfung der weiteren Zusammenarbeit mit dem Ditib-Landesverband. "Das werden wir sehr genau zu überprüfen haben", hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gesagt.

Ditib: "Schichtwechsel am Steuer, derselbe Kurs"

Ditib pocht derweil weiter auf seinen Hauptvertretungsanspruch der Muslime in Niedersachsen. Wie der neue Ditib-Landesvorsitzende Ihsan Ünlü am Dienstag erklärte, sei der Landesverband die größte islamische Religionsgemeinschaft und werde sich auch zukünftig für die Interessen und Belange der Muslime in Niedersachsen und Bremen einsetzen und diese vertreten. "Es gibt lediglich einen Schichtwechsel am Steuer, der Kurs bleibt derselbe."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 27.11.2018 | 16:30 Uhr

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