Stand: 10.03.2020 15:53 Uhr

Lesbisches Paar fordert gemeinsame Mutterschaft

In einer Geburtsstation liegt ein Säugling in einem Bett und hält seine eigenen Füße fest. © NDR Foto: Julius Matuschik
Die lesbischen Frauen aus Schellerten möchten beide als Eltern ihrer Tochter in der Geburtsurkunde eingetragen werden. (Themenbild)

Ein lesbisches Paar aus Schellerten (Landkreis Hildesheim) kämpft weiter um die Anerkennung einer gemeinsamen Mutterschaft ihrer Tochter. Die beiden Frauen hatten nach der Geburt am 13. Februar beantragt, in der Geburtsurkunde beide als Elternteil verzeichnet zu werden. Das Standesamt in Hannover, wo das Kind geboren wurde, habe dies jedoch nicht getan, teilten Gesa Teichert-Akkermann und Verena Akkermann am Dienstag mit. Das entspreche zwar dem geltenden Recht. Dennoch wollen sie die Behörde auffordern, die Urkunde zu korrigieren.

Paar will juristischen Weg gehen

Sollte ihre Bitte abgelehnt werden, will das Paar beim Familiengericht in Hannover beantragen, das Standesamt zu verpflichten, die "richtige Geburtsurkunde" mit zwei Eltern für ihre Tochter Paula auszustellen. Parallel dazu werden sie beim Familiengericht in Hildesheim den bereits vor der Geburt gestellten Antrag auf Anerkennung einer Mitmutterschaft weiterverfolgen, betonten die Akkermanns. Die beiden Frauen gehen aber nach eigenen Worten davon aus, dass sie bis vor das Bundesverfassungsgericht gehen müssen, damit Verena Akkermann rechtlich als zweiter Elternteil anerkannt wird. Unterstützt wird das Paar, das in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, von Anwältinnen und der Gesellschaft für Freiheitsrechte in Berlin.

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Bislang Adoption notwendig

Bei lesbischen Elternpaaren muss in Deutschland bislang die zweite Mutter vor einem Familiengericht beantragen, das Kind als Stiefkind zu adoptieren. Nur dann kann sie als gleichberechtigter Elternteil in die Geburtsurkunde eingetragen werden. Die Bearbeitung dauert in der Regel rund ein Jahr. Die beiden Frauen aus Schellerten empfinden dies als diskriminierend.

Unterstützung vom Juristinnenbund

Auch der Deutsche Juristinnenbund sieht durch die derzeitige Handhabung die Rechte der betroffenen Familien massiv verletzt und das Kindeswohl gefährdet. Der Gesetzgeber habe es versäumt, bei der Öffnung der "Ehe für alle" eine Regelung zu treffen, die mit den Regeln für heterosexuelle Paare vergleichbar sei, sagte Präsidentin Maria Wersig.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 10.03.2020 | 17:00 Uhr

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