Karl Lauterbach (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz in Hannover. © NDR

Lauterbach in Hannover: Omikron-Welle wird alles übertreffen

Stand: 18.12.2021 09:44 Uhr

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat bei einem Besuch in Hannover vor der Gefahr der Omikron-Variante des Coronavirus gewarnt. Er gehe von einer massiven fünften Welle aus.

Von Kollegen in England höre er, dass die Ausbreitung der Omikron-Variante "alles übertrifft, was in der gesamten Pandemie beobachtet wurde", sagte Lauterbach auf einer Pressekonferenz mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Er gehe davon aus, dass sich die Welle auch in Deutschland nicht verhindern lasse. Es stehe eine enorme Herausforderung für die Krankenhäuser, für die Intensivstationen und die ganze Gesellschaft bevor.

Genug Moderna-Impfstoff zum Boostern vorhanden

Ziel sei es, die Ausbreitung zu entschleunigen und die Zeit für Booster-Impfungen zu nutzen - insbesondere, um die vulnerablen Gruppen zu schützen, so Lauterbach. "Das einzige, was zuverlässig vor einem schweren Verlauf bei der Omikron-Infektion schützt, ist die Booster-Impfung", betonte er. Vor allem von Moderna sei ausreichend Impfstoff vorhanden. Der Bundesgesundheitsminister appellierte an alle Ärzte, diesen Impfstoff zu bestellen und zu verimpfen. Er stellte klar, dass das Vakzin Spikevax ebenso gut wirke wie der Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer. An der Beschaffung von weiteren Biontech-Dosen werde gearbeitet, so Lauterbach. Für Kinder bis elf Jahren sei aktuell ausreichend Biontech-Impfstoff vorhanden.

Lauterbach impft zwei Kinder im Impfzentrum am Zoo

Den Kinder-Impfstoff hatte Lauterbach zuvor beim Besuch des Impfzentrums am Zoo in Hannover kurzerhand selbst verabreicht. In dem Impfzentrum werden seit Mittwoch auch Kinder ab fünf Jahren gegen Corona geimpft. Angesprochen auf die Demonstrierenden, die ihn vor dem Zoo mit Trillerpfeifen und Buh-Rufen empfangen hatten, sagte Lauterbach: Das gehöre zu seinem Job. Angesichts der Kinder, die mit ihrer Impfung ihren Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leisten wollten, sei es aber bestürzend, dass Menschen davor demonstrierten und Verschwörungs-Mythen verbreiteten.

2G-Regel im Einzelhandel gekippt: Anhörung vor OVG geplant

Mit Blick auf die erwartete Omikron-Welle zeigte sich Lauterbach überrascht von dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg, die 2G-Regel im Einzelhandel zu kippen. Das würde weder epidemiologisch noch gesundheitspolitisch Sinn ergeben, so seine Ansicht. Ministerpräsident Weil merkte an, dass Niedersachsen nun das einzige Land sei, in dem auch Ungeimpfte wieder einkaufen können. Das Sozialministerium werde vor dem OVG eine Anhörung beantragen und anregen, führende Wissenschaftler anzuhören. Er hoffe, dass sie den Richtern "das Risiko, vor dem wir stehen" besser vermitteln können, sagte Weil. Er warnte: "Wenn wir nicht aufpassen, dann ist die Omikron-Variante schneller als wir beim Impfen sein können."

Bundeskrisenstabs-Leiter Breuer: Niedersachsen Blaupause für andere Länder

Der Chef des Bund-Länder-Corona-Krisenstabs im Bundeskanzleramt, Generalmajor Carsten Breuer, gibt zusammen mit Stephan Weil (SPD) und Daniela Behrens (SPD) ein Statement in der Staatskanzlei ab. © dpa-Bildfunk Foto: Michael Matthey
Generalmajor Carsten Breuer ist Leiter des Corona-Krisenstabs der Bundesregierung.

Nach der Pressekonferenz mit Lauterbach trafen sich Weil und Niedersachsens Gesundheits- und Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) mit Generalmajor Carsten Breuer. Breuer ist Leiter des neu gegründeten Corona-Krisenstabs der Bundesregierung. Es komme darauf an, möglichst viel Impfstoff in die Oberarme der deutschen Bevölkerung zu bringen, so Breuer nach dem Treffen. Der Generalmajor lobte die Corona-Politik in Niedersachsen. "Hier gibt es wirklich viele, viele gute Ansätze, wo man sagen kann, vielleicht ist das eine Blaupause für ein anderes Bundesland." Breuer appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, die ruhigeren Weihnachtstage zu nutzen, um sich impfen zu lassen.

Weitere Informationen
Eine Person macht einen Abstrich im Rachenraum bei einer anderen Person. © photocase Foto: rclassen

Corona in Niedersachsen: Inzidenz steigt auf 132,1

Der Wert ist bundesweit der höchste. Eine Übersicht der Zahlen aus Ihrem Landkreis finden Sie hier. mehr

Viren schweben vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia,photocase Foto: rclassen

Corona in Niedersachsen: Aktuelle Zahlen und Hintergründe

Wie viele Neuinfektionen gibt es? Wie ist die Lage in den Kliniken? Wie hoch ist die Impfquote? Welche Regeln gelten? mehr

Logo und das Gebäude des Hauptsitzes der Weltgesundheitsorganisation in Genf © dpa-Bildfunk Foto: Salvatore Di Nolfi, KEYSTONE/dpa

Coronavirus-Blog: WHO berät über internationalen Gesundheitsnotstand

Die Entscheidung selbst wird voraussichtlich frühestens am Montag bekannt gegeben. Der Freitag im Blog. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.12.2021 | 10:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Gesundheitspolitik

Infektion

Coronavirus

Mehr Nachrichten aus der Region

Kerzen, ein Kruzifix und ein Foto des gestorbenem Schülers stehen im Andachtsraum der IGS Wunstorf. In Wunstorf ist ein 14-Jähriger mutmaßlich getötet worden. © Lothar Veit/Landeskirche Hannover Foto: Lothar Veit

Getöteter 14-Jähriger aus Wunstorf: Obduktionsergebnis liegt vor

Laut Staatsanwaltschaft starb der Junge durch stumpfe Gewalt. An der IGS Wunstorf wurde mit einer Andacht an ihn erinnert. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen