Stand: 08.12.2017 12:14 Uhr

AKW Grohnde geht, sein Strahlen-Müll bleibt

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Ab 2022 wird das AKW Grohnde zurückgebaut. Dabei müssen wohl mehr Atom-Abfälle auf dem Gelände gelagert werden, als angenommen.

Das Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln hat einmal als das leistungsfähigste der Welt gegolten, in den vergangenen Jahren machte es allerdings eher durch Pannen und Zwischenfälle von sich reden. Seine Zukunft ist in jedem Fall besiegelt: Weil Deutschland aus der Atomenergie aussteigt, wird Grohnde bis spätestens Ende 2021 heruntergefahren. Um die 500 Mitarbeiter zunächst weiter beschäftigen zu können, hat Betreiber Preussen Elektra den Rückbau beantragt. Doch jetzt wurde bekannt: Der Platz für die anfallenden Überreste reicht wohl nicht aus. Der Konzern will deshalb nun neben das bestehende Zwischenlager eine weitere Halle für radioaktive Abfälle bauen.

Zwischenlager beantragt

Ein weiterer Grund: die Ungewissheit, ob das Endlager Schacht Konrad für radioaktiven Müll wie geplant 2022 in Betrieb geht, erklärt Michael Bongartz, Kraftwerksleiter in Grohnde. Es sei deshalb nicht auszuschließen, dass es eine Zwischenlagerung auf dem Gelände geben müsse, sollte Konrad nicht rechtzeitig annahmebereit sein. Beim Niedersächsischen Umweltministerium hat Kraftwerksbetreiber Preussen Elektra deshalb den Bau einer weiteren Halle für schwach- und mittelradioaktives Abbruchmaterial beantragt. Allerdings sollen dort auch Beton und Rohrleitungen aus dem Kraftwerks-Körper gelagert werden. "Wir wollen damit verhindern, dass wir die Rückbauarbeiten unterbrechen müssen", sagt Bongartz.

Reaktor wird unter Wasser zerlegt

Seiner Meinung nach stünden auch die anderen Betreiber von AKW vor dem Problem einer Zwischenlager-Lösung auf dem eigenen Werksgelände, sollte Schacht Konrad nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen. Die Abbrucharbeiten allein für den nuklearen Teil des Atomkraftwerks Grohnde dürften zehn bis 12 Jahre dauern. Herzstück des AKW ist der Reaktordruckbehälter, der momentan noch mehr als 1.300 Megawatt Leistung bringt. Der 560 Tonnen schwere, radioaktive Stahlkoloss soll nach der Abschaltung geflutet und unter Wasser zerlegt werden. Eine vergleichsweise geringe Herausforderung: die Kühltürme des AKW. Beim Abriss anderer Kraftwerke wurde der Turm-Beton zermahlen und im Straßenbau verwendet. Die Grohdne-Türme könnten dieses Schicksal teilen. Laut Betreiber sind sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht radioaktiv verstrahlt.

Perspektive für Mitarbeiter

Bis der Rückbau 2022 beginnt, ist der Weg allerdings noch weit und Grohnde muss weiterhin von qualifiziertem Personal sicher betrieben werden. Doch wer geht in einen Betrieb, der nur noch vier Jahre läuft? "Wir müssen vermeiden, dass uns Leute abspringen", so Kraftwerksleiter Bongartz. Der Rückbau biete da eine gute Möglichkeit. So könne man den Mitarbeitern auch über die Abschaltung hinaus eine Perspektive bieten und deren Jobs möglichst sicher machen.

AKW weg, Strahlen-Müll bleibt

Ingesamt plant Betreiber Preussen Elektra mit Rückbau-Kosten von circa einer Milliarde Euro. Doch selbst wenn nach 18 bis 20 Jahren auch der letzte Rest des Kraftwerks verschwunden sein wird, bleibt das Zwischenlager auf dem AKW-Gelände dort - inklusive dutzender Behälter mit jeder Menge radioaktiven Materials. Der Betreiber ist dann aber längst raus aus der Nummer: Die Verantwortung für das Zwischenlager übernimmt ab 2019 der Bund.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 08.12.2017 | 06:30 Uhr

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