Stand: 30.09.2019 20:21 Uhr

Endlos-Jagd auf Wolf? Derzeit "keine Alternative"

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Ein einziger Wolf hält das Umweltministerium seit Januar auf Trab. Und das könnte auch noch eine Weile so bleiben. (Themenbild)

Das mit dem Abschuss des Rodewalder Leitwolfs hatte sich Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) etwas anders vorgestellt. Etwa 40 Schafe, Ponys und andere Nutztiere soll der Rüde gerissen haben, deshalb wurde Ende Januar eine Abschussgenehmigung erteilt, gültig für einen Monat. Damals habe man im Ministerium gedacht, "das müsste eigentlich relativ zügig gelingen", sagte Lies dem NDR am Montag. Jetzt, gut acht Monate später, habe sich seine Einschätzung "erheblich geändert". Noch immer läuft der Rüde frei herum, ein Abschuss ist nicht gelungen, die Kosten steigen und die Genehmigung wird Monat für Monat erneut verlängert. Soll das endlos so weitergehen?

Der Leitwolf muss weg, daran hat sich nichts geändert

Ja, es müsse weitergehen, sagt Lies. Der Handlungsbedarf bestehe nach wie vor. Nach einer etwas ruhigeren Phase im Sommer habe der Wolf jetzt wieder Schafe und Rinder gerissen. "Das heißt, der Druck, diesen Wolf zu entnehmen", also zu töten, "ist weiterhin da." Allerdings, so räumt Lies ein, sei bei Rissen der vergangenen Wochen noch nicht geklärt, ob tatsächlich der gesuchte Leitwolf des Rudels aus Rodewald im Landkreis Nienburg der Verantwortliche war. Dies werde noch untersucht. Hat ein anderer Wolf die Tiere gerissen, macht das die Sache aus Sicht des Ministers nicht besser. Dann sei eingetreten, "was wir auch immer befürchtet haben, dass auch andere Wölfe aus dem Rudel zum Beispiel Rinder reißen". Gelernt hätten sie das dann wohl von ihrem Leitwolf - der muss daher weg, daran gibt es nach Auffassung des Ministeriums nichts zu rütteln.

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Jagd auf Wolf geht auch im Oktober weiter

27.09.2019 12:00 Uhr

Die Abschussgenehmigung für den Wolf aus dem Rodewalder Rudel ist bis zum 31. Oktober verlängert worden. Seit Januar wird nach dem Tier gesucht, das 40 Nutztiere getötet haben soll. mehr

Die Jäger müssen ran - aber wie?

Und so wurde die Abschussgenehmigung jetzt für einen neunten Monat verlängert, die Suche geht im Oktober weiter. Aber vielleicht nicht genauso wie bisher, sondern mit mehr Aussicht auf Erfolg, hofft Lies. Das Problem aus seiner Sicht: Das Land hat "Dritte", externe Dienstleister, mit der Entnahme des Wolfs beauftragt. Und die sind mit dem Suchgebiet nicht ausreichend vertraut. Die Jäger hingegen kennen sich in ihren Revieren bestens aus. Lies will dringend die Jäger ins Boot holen - das klingt naheliegend, ist aber ausgesprochen schwierig. Denn ein Jäger, der sich dazu bereiterklärt, würde sich selbst keinen Gefallen tun.

Jäger könnten selbst in die Schusslinie geraten

Wer Jagd auf einen Wolf macht und diesen erschießt, könnte möglicherweise in Gefahr geraten, so die Einschätzung des Ministeriums. Wer die beauftragten Dienstleister sind, wird deshalb nicht mitgeteilt. Wölfe an sich und insbesondere ihre Tötung wird hochemotional diskutiert und bewegt manche so sehr, dass aus Sicht des Umweltministeriums Angriffe auf Beteiligte zu befürchten sind. Einer der Gründe hierfür sei eine "in den sozialen Medien geschürte Missachtung der staatlichen Entnahmeentscheidung", hieß es kürzlich. Jäger würden sich also sozusagen selber in die Schusslinie begeben. Aber ohne sie, da ist Lies sicher, wird die Jagd auf den Wolf höchstens dank eines großen Zufalls Erfolg haben.

Faust © Andreas Garrels Foto: Andreas Garrels

Rodewald und der Wolf

NDR 1 Niedersachsen - Jetzt reicht's -

Der Rodewalder Wolf, auch GW717m genannt, hat zahlreiche Nutztiere gerissen. Seit Monaten ist sein Abschuss genehmigt. In der Sendung diskutieren Befürworter und Gegner.

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Toter Wolf bedeutet womöglich Angst im Alltag

Nun sei die Frage, wie die Jäger abgesichert werden könnten. Zum einen rechtlich: Sollte ein Jäger versehentlich den falschen Wolf erschießen, dürfe er dafür nicht haftbar gemacht werden. Zum zweiten persönlich: Man müsse dafür sorgen, dass diejenigen, die sich engagieren wollen, "sich nicht öffentlich denunzieren lassen oder Repressalien in der Öffentlichkeit aushalten oder sich Sorgen um ihre Familie oder Kinder machen müssen", so Lies. Angesichts der Aufregung um Wölfe, die die Gesellschaft geradezu spaltet und die in harten Diskussionen in- und außerhalb des Internets ausgetragen wird, sind das schwer zu lösende Aufgaben.

"Lies hat sich verrannt" - Opposition spricht von Versagen

Aufregung verursacht das Thema auch in der Landespolitik. Harte Worte findet etwa Jörg Bode (FDP): Die Landesregierung und Lies im Besonderen seien mit dem Vorgehen beim Rodewalder Rüden gescheitert. Lies habe versagt. Die monatlich zu verlängernden Einzelgenehmigungen seien ein Fehler gewesen. "Täglich grüßt das Murmeltier", schimpfte Christian Meyer (Grüne) Mitte September. "Umweltminister Olaf Lies hat sich mit der ständigen Wiederholung der Abschussgenehmigung für den Rodewalder Wolf verrannt." Die Kosten der Jagd auf das Einzeltier übersteigen laut Meyer "alle Schäden durch Wölfe im ganzen Land". Das Geld solle lieber in Prävention, also Schutzmaßnahmen der Nutztierhalter, investiert werden.

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12.09.2019 16:00 Uhr

Für die Suche nach dem Rodewalder Wolf sind im laufenden Haushaltsjahr 150.000 Euro allein für einen Dienstleister eingeplant. Kritik der Grünen weist das Umweltministerium zurück. mehr

Entnahme und Prävention: Lies will beides

Lies widerspricht im Gespräch mit dem NDR: Bislang habe die Jagd an die 100.000 Euro gekostet. "Aber das ist die Summe, die wir verausgaben, weil wir mit Dritten arbeiten." Parallel dazu sei in der Region inzwischen eine Million Euro oder mehr in Prävention gesteckt worden. Der Abschuss werde ja gerade deshalb angestrebt, weil der Wolf Schutzzäune überwunden habe. "Aber das, was wir an Prävention machen, ist ein Vielfaches von dem, was wir bisher für diese Entnahme ausgegeben haben."

Bode plädiert für Dauer-Regelung

Für den FDP-Abgeordneten Bode sind die Kosten an sich nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass trotz dieser Investition kein Erfolg zu verzeichnen ist. Er forderte am Montag im NDR eine gänzlich andere Regelung. "Man definiert einfach, wo ein Wolf sich nicht aufhalten darf, und wenn sich ein Wolf dort nähert, einen Zaun überspringt, darf er von den Jagdausübungsberechtigten vergrämt oder entnommen werden." Er verstehe zudem nicht, warum auffällige Wölfe nicht besendert werden, obwohl das schon lange geplant sei. Die angewandten Verfahren seien anscheinend nicht geeignet. "Selbst Stefan Wenzel", früherer grüner Umweltminister, "hat Wölfe besendert, von daher kann es kein Hexenwerk sein", so Bode.

"Keine Alternative dazu, die Genehmigungen fortzusetzen"

Wünsche, Ideen und Vorschläge sind also da, sowohl auf Ministeriums- als auch auf Oppositionsseite. Ob sich hier in absehbarer Zeit etwas substanziell bewegt, ist jedoch fraglich. Im Oktober suchen die Dienstleister nun erst mal weiter nach dem Rodewalder Leitwolf. Für den Umweltminister ist die Lage klar: "So lange die Voraussetzungen erfüllt sind, es zu Rissen kommt und der Rüde noch nicht entnommen wurde, gibt es für mich keine Alternative dazu, diese Genehmigungen fortzusetzen."

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31.05.2019 21:15 Uhr
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Neue Stufe im Streit um den Abschuss des Rodewalder Problemwolfs: Wolfsschützer fotografieren offenbar die Wolfsjäger und versuchen, deren bewusst geschützte Identität öffentlich zu machen. mehr

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 30.09.2019 | 19:30 Uhr

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