Stand: 30.04.2020 08:55 Uhr

Corona: Langfristig wird es eng für die Zoos

von Tina Alfes
Eine Metallabsperrung steht vor der Yukon Market Hall des Zoo Hannover. © NDR Foto: Tina Alfes
Sollte der Zoo bald öffnen dürfen, dann nur mit Einschränkungen.

Mit einem dicken Tau werden die Spielplätze im Zoo Hannover abgesperrt. Auf den Boden am Zugang zu den Sambesi-Booten kommen Abstandsmarkierungen. Vor den Eisbuden werden Ordnungsgitter aufgestellt. Der Zoo rüstet sich dafür, vielleicht in der kommenden Woche wieder Besucher empfangen zu können. Die Wiederöffnung wäre bitter nötig. Denn jeder Tag kostet hier etwa 63.000 Euro Betriebs- und Personalkosten. Waren zu Anfang nur die Mitarbeiter an den Kassen und in der Gastronomie in Kurzarbeit, hat es jetzt alle getroffen - auch die Tierpfleger.

VIDEO: Zoo Hannover hofft auf baldige Wiedereröffnung (4 Min)

"Man fährt immer nur auf Sicht"

Geschäftsführer Michael Casdorff vermisst eine klare Richtungsvorgabe der Politik. "Man fährt immer nur auf Sicht. Das heißt, alle bleiben auf ihren Positionen, weil wir für alle Situationen gewappnet sein müssen. Das klingt auf der einen Seite positiv, ist aber auf der anderen Seite unser ganz großes Problem." Der Zoo hänge in der Luft: Sollte er massiv die Kosten senken und praktisch nichts mehr tun - oder doch lieber viel Energie in Öffnungsvorbereitungen stecken?

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Eisbär im Wasserbecken im Zoo Hannover, durch eine Scheibe zu sehen © NDR Foto: Tina Alfes

Zoo Hannover: Wann kommen wieder Gäste?

Wegen der Corona-Krise sind die Zoos geschlossen. Die Kosten laufen jedoch weiter. In Hannover bereitet man jetzt eine mögliche Öffnung unter Auflagen vor. Bildergalerie

Kredite gibt es - aber die müssen zurückgezahlt werden

Einen Vorteil hat der Zoo im Gegensatz zu anderen: Er hat die Region Hannover als Kreditgeberin im Rücken. Die Liquidität sei so für dieses Jahr gesichert. "Aber machen wir uns nichts vor, wir türmen einen großen Berg Schulden auf", so Casdorff. Die Frage sei: "Wie wollen wir das eigentlich zurückzahlen?" Irgendwann komme der Zahltag. Und vor dem habe er großen Respekt. Geplante Großprojekte wie das neue Giraffenhaus müssten wahrscheinlich auf Jahre verschoben werden.

Zoo-Chef glaubt an Disziplin der Besucher

Um wieder öffnen zu können, muss es ein Hygienekonzept geben. Das sieht vor allem vor, dass viel weniger Besucher als sonst in den Zoo dürfen. Maximal 500 Personen pro Stunde werden hereingelassen, so Casdorffs Plan. Da die beliebten Spielplätze nicht geöffnet werden und die Gastronomie zunächst auch geschlossen bleibt, geht er von einer kürzeren Verweildauer aus. Gleichzeitig glaubt er an die Disziplin der Gäste. Die sei auch notwendig: "Am Ende des Tages brauchen wir unsere Besucher, die mitspielen und sagen, das akzeptieren wir und wir verhalten uns entsprechend."

Erfahrungsaustausch mit anderen Zoos

Dass die Öffnung von Geschäften nicht zu einem Massenandrang geführt habe, sieht er als gutes Zeichen, dass auch eine Zoo-Öffnung in Hannover funktionieren könnte. Mit anderen großen Zoos in Deutschland wie Berlin und Leipzig, die beide wieder Besucher hineinlassen, telefoniert Casdorff regelmäßig, um in Sachen Hygienekonzept und Verhalten der Besucher zu lernen.

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NDR Info | 29.04.2020 | 16:00 Uhr

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