Stand: 06.06.2018 11:45 Uhr

Conti: Datenschützerin lobt Verbot von WhatsApp

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Die Landesdatenschutzbeauftragte Barbara Thiel lobte den Vorstoß von Conti. (Archiv)

Künftig soll es kein WhatsApp und kein Snapchat mehr auf den Diensthandys des hannoverschen Automobilzulieferers Continental geben. Denn damit WhatsApp und Snapchat auf Smartphones funktionieren, werden Nutzer aufgefordert, ihre Adressbücher hochzuladen. "Das Nutzungsverbot basiert auf der Tatsache, dass die Einhaltung der Datenschutzgesetze von diesen Anbietern auf die Nutzer abgewälzt wird", sagte Conti-Sprecher Vincent Charles NDR.de. Hintergrund seien die Anforderungen der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO): Um diese einzuhalten, müsste im Fall von WhatsApp jeder Nutzer von jeder einzelnen Person in seinem Adressbuch die Zustimmung für das Teilen ihrer Daten mit diesen Diensten einholen, so Charles weiter. Diese Lösung erscheine im Alltag nicht ausreichend zuverlässig und sei damit praktisch untauglich.

Thiel begrüßt Conti-Entscheidung

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Die niedersächsische Datenschutzbeauftragten Barbara Thiel begrüßte die Entscheidung von Continental. "Datenschutzrechtlich problematisch ist vor allem die Erhebung der Kontaktdaten aus dem Adressbuch der Nutzer ohne deren Einwilligung", sagte Thiel der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch). Dies habe auch schon vor dem 25. Mai unter dem alten Datenschutzrecht gegolten. Bei dem Messengerdienst WhatsApp mussten Nutzer zuletzt mit der Zustimmung zu den aktuellen Nutzungsbedingungen bestätigen, dass sie die Kontakt-Informationen "im Einklang mit geltenden Gesetzen" zur Verfügung stellen. Das lässt sich so verstehen, dass WhatsApp davon ausgeht, dass die Nutzer selbst die Erlaubnis zur Weitergabe der Daten eingeholt haben. "Das erachten wir für wenig praktikabel. Dies setzt nämlich voraus, dass das Einverständnis aller Kontakte eingeholt wird", sagte Unternehmenssprecher Charles.

VW nutzt andere Messenger-App

Auch andere große Unternehmen in Niedersachsen sehen den Umgang mit Whatsapp oder Snapchat offenbar kritisch. "Die dienstliche Nutzung dieser Messenger-Apps ist nicht vorgesehen. Für den dienstlichen Gebrauch haben wir eine separate Messenger-App im Einsatz", sagte VW-Sprecher Markus Schlesag NDR.de. Auch beim Norddeutschen Rundfunk selbst waren "derartige Dienste nie freigeben", sagte der Datenschutzbeauftragte des NDR, Heiko Neuhoff. Eine derartige Nutzung sei auch aufgrund der bekannten mangelnden Sicherheit aus datenschutzrechtlicher Sicht nicht zu empfehlen, so Neuhoff weiter. Der Touristik-Konzern TUI aus Hannover setzt dagegen weiter auf WhatsApp. "Wir beobachten die Diskussion, allerdings glauben wir nicht, dass die EU und die Politik ein sehr beliebtes Kommunikationsinstrument, das von Millionen von Menschen weltweit genutzt wird, verbieten möchten", sagte Martin Riecken, Sprecher von TUI. Es obliege Gerichten und regulierenden Behörden zu entscheiden, ob die Nutzung von WhatsApp den geltenden Vorschriften entspreche, so Riecken weiter.

Beschwerden über Facebook und Google

Schon kurz nach Inkrafttreten der DSGVO Ende Mai waren Beschwerden über Facebook und Google bei Aufsichtsbehörden eingegangen. Die Verordnung soll Verbraucher besser schützen, die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Unternehmen, Vereine oder Behörden wird deutlich strenger geregelt als bisher. Verbraucher müssen darüber informiert werden, wer Daten wie Name, Adresse, E-Mail-Adresse und Ausweisnummer aus welchem Grund sammelt - und dem zustimmen. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen. WhatsApp mit über 1,3 Milliarden Nutzern weltweit war 2014 für rund 22 Milliarden Dollar an Facebook verkauft worden.

Rückkehr zu WhatsApp möglich

Bei Conti geht es um eine Größenordnung von etwa 36.000 Mobiltelefonen. Die Firma will jetzt nach eigenen Angaben auf "sichere Alternativen" setzen. Für immer und ewig muss das Verbot übrigens nicht gelten, lässt Charles durchblicken. "Wir sind offen, diese Regelung aufzuheben, sollten die Anbieter eine unbedenkliche Nutzung ihrer Dienste im Sinne des Datenschutzes schon in der Grundeinstellung ermöglichen", sagte er. Max Wittig, Arbeitsrechtler aus Hannover, sagte, es handele sich hierbei um eine unternehmerische Entscheidung. Eine Firma könne festlegen, wie Diensthandys verwendet werden. Danach müssten die Arbeitnehmer sich richten, selbst wenn etwa bestimmt würde, künftig nur per Post zu kommunizieren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.06.2018 | 18:00 Uhr

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