Polizisten stehen vor einem abgesperrten Gebäude.

Celle: Polizei lieferte Messerstecher bei späterem Opfer ab

Stand: 30.09.2020 17:30 Uhr

Die Polizei hat einen 45-Jährigen zu einer Wohnung in Celle gebracht, in der der Mann später seinen Onkel erstochen haben soll. Der Verdächtige hatte keinen festen Wohnsitz.

Eine Polizeisprecherin sagte, die Beamten hätten zuvor zwar erwogen, den Mann in Gewahrsam zu nehmen. Da der 45-Jährige sich aber noch äußern konnte und auch noch orientiert gewirkt habe, sei es das verhältnismäßigere Mittel gewesen, den Mann in sein familiäres Umfeld anstatt in eine Gewahrsamszelle zu bringen.

Keine Überprüfung des Falls seitens der Polizei

Es habe sich dabei um eine gefahrenabwehrrechtliche Maßnahme der Polizei gehandelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg. "Wir müssen uns bei der Gefahrenabwehr für das mildere Mittel entscheiden", so die Polizeisprecherin. Eine Überprüfung der Vorgehensweise der Beamten sei derzeit nicht geplant, hieß es von der Polizei Celle. "Von uns aus sehen wir hierfür keinen Anhaltspunkt", sagte ein Sprecher NDR.de am Mittwochabend.

Auffällig wegen Diebstahls, Beleidigung, Körperverletzung

Laut der "Celleschen Zeitung" war der 45-Jährige am Montagnachmittag in der Celler Innenstadt wegen Diebstahls, Beleidigung und Körperverletzung aufgefallen. Da keine Haftgründe vorlagen und der Mann keinen festen Wohnsitz hat, sollen die Beamten entschieden haben, ihn zu seinem Onkel zu bringen. Dort soll er unter Alkoholeinfluss den 54-Jährigen mit einem Messerstich getötet haben.

"Der ist doch gar nicht hier gemeldet"

"Der ist Intensivstraftäter - warum die Polizei den bei meinem Vater vorbeigebracht hat, verstehe ich überhaupt nicht. Der ist hier doch gar nicht gemeldet", sagte der Sohn des Opfers der Zeitung. Der mutmaßliche Täter war nach Polizeiangaben erst wenige Tage zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden. Nun wird gegen ihn wegen Totschlags, Körperverletzung und Diebstahls ermittelt.

Notruf zwei Stunden später

Dem Bericht zufolge hatten die Beamten ihn gegen 18 Uhr bei seinem Onkel abgeliefert, gegen 20.10 Uhr ging bei der Polizei Celle ein Notruf ein, gemeldet wurde zunächst ein Überfall. Der 45-Jährige wurde noch am Tatort festgenommen. Am Dienstagabend wurde gegen den Mann Haftbefehl wegen Totschlags erlassen. Eine Atemalkoholmessung bei dem mutmaßlichen Täter ergab eine Alkoholisierung, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte.

Weiterer Fall - kein Zusammenhang

Parallel ereignete sich am Montag in einem anderen Stadtteil von Celle ebenfalls ein Messerangriff. Dort hatte ein 20-Jähriger vom Fahrrad aus einen 59 Jahre alten Fußgänger attackiert. Der 59-Jährige wurde notoperiert und ist inzwischen außer Lebensgefahr. Erkenntnisse zum Tatmotiv liegen der Sprecherin zufolge noch nicht vor. Es gebe aber auch hier Hinweise auf eine Beeinflussung durch Alkohol beziehungsweise Drogen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 30.09.2020 | 17:00 Uhr

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