Stand: 03.07.2018 14:55 Uhr

Burgwedel: Anklage gegen Messerstecher erhoben

Im März sorgte eine Gewalttat in Burgwedel (Region Hannover) für Schlagzeilen: Ein 17-jähriger Flüchtling hatte eine 24 Jahre alte Frau in einem Supermarkt mit einem Messer attackiert und sie lebensgefährlich verletzt. Nun hat die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage gegen den mutmaßlichen Messerstecher erhoben. Dem Jugendlichen wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Dem 17-Jährigen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die Hintergründe der Tat sind dennoch weiter unklar. Es könnte sein, dass sich die Frau, die mit ihrem 25-jährigen Lebensgefährten unterwegs war, über das Verhalten des 14 Jahren alten Bruders des mutmaßlichen Messerstechers geärgert habe, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker.

24-Jährige wollte schlichten

Zunächst sei der Partner der Frau mit dem 14-Jährigen und einem weiteren, 13 Jahre alten Bruder, aneinander geraten, hieß es. Daraufhin wurde der Mann mit Schlägen angegriffen. Als die 24-Jährige schlichtend eingreifen wollte, soll der "17-Jährige ihr mit einem Messer einen Stich in den Bauch versetzt haben", sagte Söfker. Die Frau kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus.

Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Der 14-jährige Bruder ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Verhandelt wird ab Ende August vor einer Jugendkammer des Landgerichts Hannover. Wegen des Alters der Beschuldigten wird der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Diskussion um Familiennachzug

Nach der Tat hatte es heftige Diskussionen um den sogenannten Familiennachzug von Flüchtlingen gegeben. "Der schwerwiegende Angriff auf offener Straße sollte allen zu denken geben, die den Familiennachzug als liebgewonnenes Allheilmittel für die Integration ansehen", hatte CDU-Politiker Dirk Toepffer gesagt. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte dies zurückgewiesen. Man solle "die Kirche im Dorf lassen", sagte er. Die Tat habe mit dem Nachzug in erster Linie nichts zu tun.

Messerangriffe künftig in Statistik aufgenommen

Außerdem hatte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Tat zum Anlass für die Forderung genommen, Messerangriffe in die Polizeistatistik aufzunehmen. Zuvor war es nur möglich, Schusswaffen zu erfassen. Daraufhin hatte das Innenministerium bekannt gegeben, dass die Polizeibeamten künftig auch Messer als Tatwaffe angeben können.

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 03.07.2018 | 18:00 Uhr

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