Stand: 23.05.2018 07:20 Uhr

Bundesverdienstkreuz für Bad Nenndorfer Protest

Jürgen Uebel sitzt bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Publikum. © NDR Foto: Stefan Schölermann
Der 62-jährige Jürgen Uebel aus Bad Nenndorf hat am Dienstag in Berlin das Bundesverdienstkreuz überreicht bekommen.

Mit lautem, aber stets friedlichem Protest hat sich das Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt" in den vergangenen Jahren erfolgreich gegen rechte Aufmärsche in der Stadt gewehrt. Der Initiator des Bündnisses, Jürgen Uebel, ist dafür am Dienstag in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Zu den insgesamt 24 Geehrten gehört auch die TV-Moderatorin Dunya Hayali, die sich ehrenamtlich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit engagiert.

"Wir sind stolz auf die Ehrung"

Der 62-jährige Apotheker Uebel betonte, die Auszeichnung gelte nicht nur ihm, sondern vor allem den vielen Mitstreitern. "Wir haben gemeinsam dafür gesorgt, dass die Neonazis die Lust verloren haben, nach Bad Nenndorf zu kommen", sagte er gegenüber NDR Info. Dem schloss sich auch der Bürgermeister der Samtgemeinde, Mike Schmidt (CDU), an. "Wir sind stolz auf die Ehrung, aber sie gehört auch den ganzen Bürgern der Stadt und der Samtgemeinde", sagte er.

Pistorius: "Symbol für Zivilcourage und Anstand"

Großes Lob für die Initiative gab es schon im Vorfeld von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Die Bad Nenndorfer hätten "den Nazis auch mit einer ordentlichen Prise Humor gezeigt, dass unsere Demokratie und unser Zusammenhalt stark genug sind, um mit solchen Aufzügen umzugehen und immer wieder gemeinsam dagegen aufzustehen", sagte der Minister am Mittwoch. "Bad Nenndorf ist bunt" sei mehr als nur der Name einer Bewegung gegen rechts: "Das Bündnis ist ein Symbol für die Zivilcourage und Anstand."

Bis zu 1.000 Neonazis in Bad Nenndorf

Jürgen Uebel war 2006 einer der ersten Kurstädter, die sich den sogenannten Trauermärschen der Rechtsextremen entgegenstellten. Er fand Mitstreiter im Sportverein, bei Kirchen, Gewerkschaften und vielen mehr. Das Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt" war geboren. Elf Jahre kamen die Rechtsextremisten an jedem ersten August-Wochenende zu ihrem "Trauermarsch" in die rund 15.000 Einwohner zählende Stadt am Deister. In manchen Jahren waren bis zu 1.000 Neonazis in der Kurstadt aufmarschiert - eine Belastung für viele Einwohner, auch, weil wegen der Demonstrationen das Leben in der Kleinstadt stillstand. Doch die Bad Nenndorfer machten sich in jedem Jahr aufs Neue über den rechten Aufmarsch lustig. Und das zeigte Wirkung: Nach und nach verlor das rechtsextreme Lager den Spaß daran, ausgelacht zu werden. Die Teilnehmerzahlen von Rechtsaußen bröckelten. Im Jahr 2016 zeigte sich dann der Erfolg der Proteste: Erstmals nach Jahren ließ sich kein Rechtsextremist mehr in der Kurstadt blicken.

Auch mit Preis für "Demokratie und Toleranz" ausgezeichnet

Es ist nicht die erste Auszeichnung für die Bad Nenndorfer und ihre friedfertigen, aber erkennbar wirksamen Proteste. Schon im Jahre 2012 war "Bad Nenndorf ist bunt" für sein Engagement mit dem bundesweit vergebenen Preis für "Demokratie und Toleranz" prämiert worden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.05.2018 | 12:00 Uhr

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