Bischöfe Wilmer und Bode loben Queer-Kampagne #outinchurch

Stand: 24.01.2022 18:42 Uhr

Nach dem Coming-Out von 125 Mitarbeitenden der katholischen Kirche als nicht heterosexuell haben niedersächsische Bischöfe die Initiative gelobt - und eine Berücksichtigung im Reformprozess gefordert.

Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, spricht auf einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Moritz Frankenberg
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, fordert, dass die Segnung homosexueller Paare nicht tabuisiert werden dürfe.

Die katholische Kirche müsse "auch das kirchliche Arbeitsrecht in den Blick nehmen, damit Mitarbeitende der Kirche eine homosexuelle Orientierung nicht weiter verheimlichen müssen", sagte der Hildesheimer katholische Bischof Heiner Wilmer.

Bode: Einzelfall-Lösungen führen auch immer zu Unsicherheiten

Auch der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat die Bewegung #outinchurch, in der sich die nicht-heterosexuellen Mitarbeitenden zusammenschlossen, als mutigen Schritt gelobt. Er selbst sei mit zwei Mitarbeitenden vor dem Kampagnen-Start im Gespräch gewesen, sagte Bode. "In der Ausgestaltung sind Einzelfallregelungen möglich, diese werden in unserm Bistum sensibel und nach Kräften gesucht." Aber Einzelfall-Lösungen führten auch immer zu Unsicherheiten. "Es ist dringend notwendig, für alle Seiten verlässliche Lösungen zu finden."

Franz-Josef Bode, Bischof des Bistums Osnabrück, steht im Bischofshaus vor einem Kreuz. © picture alliance/dpa | Friso Gentsch Foto: Friso Gentsch
Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode lobt die Kampagne von #outinchurch.
Initiative: Diffamierende Aussagen zu Geschlechtlichkeit revidieren

Zuvor hatte die Initiative #outinchurch gleichzeitig mit ihrem Outing eine Änderung des Arbeitsrechts gefordert. Ein Leben entsprechend der eigenen sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität dürfe nicht dazu führen, dass man von Aufgaben und Ämtern ausgeschlossen oder gar gekündigt werde, hieß es. Weiter forderte die Initiative, dass die kirchliche Lehre diffamierende Aussagen zu Geschlechtlichkeit und Sexualität revidieren solle. In Riten und Sakramenten solle sichtbar werden, "dass LGBTIQ+-Personen und -Paare von Gott gesegnet sind".

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Das Schriftzug der ARD Doku "Wie Gott und schuf" vor einem verschwommenen Hintergrund, einem Mosaik mit Bildern der Interviewpartner. © Eyeopening Media/rbb/SWR/NDR

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Aktivist: Es gibt einen "unseligen Reformstau" in der katholischen Kirche

Einer, der mitmacht bei der Initiative #outinchurch, ist Pierre Stutz. Der 68-jährige Schweizer war früher selbst Priester und lebt seit 2018 mit seinem Mann in Osnabrück. Die katholische Kirche müsse in der Frage der gleichgeschlechtlichen Liebe "mit der Unterdrückung, mit der Angst, mit diesen homophoben, diskriminierenden Verlautbarungen endlich Schluss machen", sagte Stutz in einem Gespräch mit dem epd. Es gebe einen "unseligen Reformstau" in der katholischen Kirche. Immer wieder verlören Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung ihre Arbeitsstelle innerhalb der Kirche. Auf der Ebene der Pfarreien habe sich allerdings durchaus schon einiges getan, sagte Stutz.

Wilmer: Segnung homosexueller Paare nicht tabuisieren

Auch Bischof Wilmer betonte, der wertschätzende Umgang mit homosexuellen Menschen sei "völlig zu Recht ein wichtiges Thema des synodalen Weges". Die Segnung homosexueller Paare sollte nicht tabuisiert, sondern weiter diskutiert werden. Die Kirche müsse die heutigen Lebenswirklichkeiten von gleichgeschlechtlichen Gemeinschaften würdigen, ohne damit das Sakrament der Ehe zwischen Mann und Frau infrage zu stellen.

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Ein buntes Mosaik mit Bildern der Interviewpartner der Doku "Wie Gott uns Schuf", in der Mitte ein bilden diese ein Kreuz. © Eyeopening Media/rbb/SWR/NDR

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.01.2022 | 18:00 Uhr

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