Stand: 08.11.2018 16:48 Uhr

Besitzer glücklich: Affe "Robby" bleibt im Zirkus

Zirkusdirektor Klaus Köhler und Schimpanse "Robby". (Archiv)

"Robby" bleibt im Zirkus und kommt nicht in eine Auffangstation. Das hat das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg am Donnerstag entschieden und das Verfahren eingestellt. Ein gegenteiliges Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburg als Vorinstanz ist damit wirkungslos, eine Revision nicht zugelassen. Damit endet der gerichtliche Streit um die Unterbringung des bundesweit wohl letzten Menschenaffen in einem Zirkus und es steht fest: "Robby" wird - wie in den vergangenen 43 Jahren - weiter bei der Zirkusfamilie leben.

Der Affe Robby sitzt gemeinsam mit einem Hund in einem Käfig

Affe "Robby" bleibt im Zirkus

Hallo Niedersachsen -

Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg hat das Verfahren über die Unterbringung des Zirkusaffen "Robby" eingestellt: Der rund 47 Jahre alte Schimpanse darf im Circus Belly bleiben.

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Besitzer: "Freue mich, dass ich mein Kind behalten kann"

Mit der OVG-Entscheidung wird ein Bescheid des Landkreises Celle aufgehoben, nach dem der 47-jährige männliche Menschenaffe an eine für die Resozialisierung von Schimpansen spezialisierte Haltungseinrichtung abgegeben werden sollte. "Ich freue mich, dass ich mein Kind behalten kann", sagte sein Besitzer, Zirkusdirektor Klaus Köhler am Donnerstag. Er hatte gegen den Beschluss des Landkreises geklagt, das Verwaltungsgericht Lüneburg bestätigte im April 2017 jedoch die Entscheidung der Behörde. Nun gaben die Richter des Oberverwaltungsgerichtes im Berufungsverfahren der Klage von Köhler statt.

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Was ist das Beste für Zirkusaffe "Robby"?

27.06.2018 19:30 Uhr
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Seit 43 Jahren lebt der Schimpanse "Robby" im Circus Belly. Nun soll er in eine Auffangstation kommen. Ob das wirklich das Beste für ihn ist, muss jetzt das Gericht entscheiden. Video (05:38 min)

Experte: Affe "Robby" verhaltensgestört

Für die Entscheidung wurde ein Fachtierarzt angehört. "Robby" habe Mangel an sozialen Kontakten und Kompetenzen, erklärte Experte Pierre Grothmann. Das Schimpansenmännchen weise Entwicklungsstörungen auf und könne typische Verhaltensweisen nicht ausleben, etwa in seinem Sexualleben. Andererseits sei "Robby" in jungen Jahren kastriert worden. Die Richter befanden außerdem: Die Anordnung des Landkreises sei "ermessensfehlerhaft und damit rechtswidrig" gewesen.

Gesundheitszustand des Schimpansen unklar

Auch in einer Spezial-Einrichtung könne der Menschenaffe wahrscheinlich nur zu zweit oder zu dritt und jedenfalls nicht artgerecht in einer Schimpansengruppe gehalten werden, so die Richter des OVG. Zudem habe der Landkreis die mit einem Umzug von "Robby" verbundenen Risiken nicht richtig eingeschätzt: Die Resozialisierung in der Schimpansen-Einrichtung könne sich über Jahre hinziehen, "Robby" ist aber bereits Mitte 40. Nur wenige der in Zoos weltweit erfassten männlichen Schimpansen sind älter. Zudem sei nicht geklärt, ob "Robby" an einer Herzerkrankung leidet.

Zirkusdirektor: "Robby" Teil der Familie

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Tierschützer demonstrieren vor dem OVG Lüneburg gegen die Zirkushaltung von Schimpanse "Robby".

Fast sein gesamtes Leben ist "Robby" ein Zirkusaffe. Er wurde in einem Zoo geboren und in jungen Jahren von seinen Artgenossen getrennt. Dann kam er zum Circus Belly von Klaus Köhler, wo er von Hand aufgezogen wurde und seitdem ausschließlich mit Menschen zusammenlebt. Kontakt zu anderen Affen hatte "Robby" nach Aussage des Zirkusdirektors bisher nicht. Köhler hatte befürchtet, der Schimpanse könnte in einer Auffangstation verkümmern und im schlimmsten Fall sogar sterben. Auch eine Tierärztin und ein anderer Zoodirektor hatten es als "riskant" eingeschätzt, den Affen in seinem hohen Alter noch aus dem Zirkus herauszunehmen: Der Schimpanse sehe die Schausteller als seine Familie an. "Das ist eine Persönlichkeit mit menschlichen Zügen", sagte Köhler.

Der Fall "Robby" hatte eine hitzige Debatte ausgelöst - von Gegnern der Zirkus-Haltung und denen, die für einen Verbleib von "Robby" in seinem gewohnten Umfeld sind. Tierschützer hatten am Donnerstag vor dem Oberverwaltungsgericht dafür demonstriert, "Robby" aus dem Zirkus zu holen.

Weitere Informationen

"Robby"-Urteil: Gericht lässt Berufung zu

Der Schimpanse "Robby" darf vorerst weiter beim Zirkus Belly im Kreis Celle bleiben. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat Berufung gegen ein Verwaltungsgerichtsurteil zugelassen. (24.01.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 08.11.2018 | 06:30 Uhr

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