Stand: 13.03.2018 14:54 Uhr

Anschlag auf türkische Geschäfte in Garbsen

In Garbsen bei Hannover haben unbekannte Täter Brandsätze auf zwei türkische Geschäfte geworfen. Die Polizei geht von einem politischen Hintergrund aus.

Unbekannte haben in der Nacht zu Dienstag einen Anschlag auf von türkischen Familien betriebene Geschäfte in Garbsen bei Hannover verübt. Nach Angaben der Polizei wurden Brandsätze gegen die Fassaden zweier Geschäfte geworfen. Es handelt sich dabei um einen Handyladen und einen Kiosk. Zuvor hatten nach Zeugenangaben "vier dunkel gekleidete Personen" versucht, mit Steinen die Scheiben der Geschäfte an der Sandstraße einzuschlagen. Weil das Sicherheitsglas der Schaufenster den Steinen jedoch standhielt, warfen die Täter ihre Brandsätze gegen die Hausfassade. Dabei wurden sie von einem Taxifahrer beobachtet. Als dieser hupend auf sich aufmerksam machte, flüchteten die Männer. Die gegen 2.40 Uhr alarmierte Polizei leitete eine Fahndung ein, bei der auch ein Hubschrauber zum Einsatz kam. Die Täter konnten allerdings entkommen.

Einen weiteren Vorfall gab es in Celle. Dort wurden in der Nacht mehrere Fenster eines Bundeswehr-Beratungszentrums und des CDU-Kreisverbandes mit Steinen eingeworfen. Verletzt wurde niemand.

Botschaften weisen auf Afrin hin

Ob es einen Zusammenhang gibt, ist unklar. In allen drei Fällen wurden allerdings ähnliche Botschaften gefunden, die sich vermutlich auf die Militäroffensive der Türkei gegen die überwiegend von Kurden bewohnte nordsyrische Stadt Afrin beziehen. In Celle hinterließen die Täter auf den Wänden der Gebäude jeweils den überdimensionalen Schriftzug "fight 4 Afrin", in Garbsen fand die Polizei in unmittelbarer Nähe zu dem Anschlagsort einen Zettel mit dem handschriftlichen Text "G.L. Afrin". Wofür die Buchstaben "G.L." stehen, sei nicht bekannt. Die Polizei geht - zumindest im Fall der Brandanschläge von Garbsen - "aufgrund der sich darstellenden Gesamtsituation" von einer politischen Motivation aus. Der Staatsschutz ermittelt wegen versuchter schwerer Brandstiftung.

Pistorius verurteilt Anschlag

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat die Anschläge in Garbsen scharf verurteilt. "Jeder, der versucht, einen innertürkischen Konflikt auf deutschen Boden zu tragen, muss mit der Härte des deutschen Gesetzes rechnen", sagte Pistorius NDR 1 Niedersachsen. Dies werde der Staat nicht zulassen, so der Innenminister. Pistorius wies allerdings auch darauf hin, dass nicht alle türkischen Einrichtungen geschützt werden könnten.

Garbsener Ladeninhaber spekulieren über kurdische Täter

In den vergangenen Tagen hatte es mehrere Anschläge auf türkische Einrichtungen in ganz Deutschland gegeben. In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein wurden Brandsätze auf Moscheen und Kulturzentren geworfen. Zumindest in zwei Fällen in Baden-Württemberg und im schleswig-holsteinischen Itzehoe gehen die Ermittler nach eigenen Angaben davon aus, dass die Täter dabei aus den Reihen extremistischer Kurden kommen. Für den heutigen 13. März gab es zudem einen bundesweiten Aufruf, in dem Kurden aufgefordert werden, den militärischen Konflikt in Syrien um die Stadt Afrin mit "radikalen Aktionen" nach Europa zu bringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.03.2018 | 15:00 Uhr

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