EIn Porträt von Madeleine McCann, die am 03.05.2007 in Praia da Luz verschwunden ist. © Metropolitan Police Service Foto: Metropolitan Police Service

Wie geht es weiter im Fall "Maddie" McCann?

Stand: 03.01.2021 16:03 Uhr

Im Mai 2007 verschwand die dreijährige Madeleine McCann in Portugal. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bleibt dabei: Christian B. hat sie getötet.

von Claudia Gorille

Keine Leiche und noch immer keine Anklage - aber die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist sich trotzdem weiterhin sicher: Christian B. hat Maddie entführt und getötet. Am 3. Juni 2020 ging der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Christian Wolters, mit dieser Information in einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit. Hunderte von Hinweisen seien seitdem eingegangen, sagt Wolters, das BKA arbeite nonstop neue Spuren ab, auch Ermittler in England und Portugal verfolgten Spuren.

Videos
Ein Grundstück ist mit einem Polizei-Absperrband abgesteckt.
3 Min

Fall Maddie: Polizei durchsucht Kleingarten in Seelze

Bei den Ermittlungen im Fall der verschwundenen Maddie haben Beamte einen Kleingarten Seelze durchsucht. Im Fokus der Aktion steht der Hauptverdächtige Christian B. aus Braunschweig. (30.07.2020) 3 Min

Keine entlastenden Hinweise

Viele Hinweise, aber bislang keiner, der Christian B. als Täter überführen könnte. Letztendlich muss ein Gericht über Schuld oder Unschuld urteilen, aber dafür muss es erst einmal zu einer Anklage kommen. Ob damit 2021 zu rechnen sei? Wolters vermag das nicht zu sagen. Dennoch kommt für ihn bislang nur Christian B. infrage. "Wir haben in den vergangenen sechs Monaten nichts gefunden, was uns veranlassen könnte, unseren Tatverdacht neu zu überdenken." Es habe keinen Hinweis gegeben, der für den Beschuldigten entlastend gewesen wäre, so Wolters.

Staatsanwaltschaft von Tod des Mädchens überzeugt

Während die britischen Ermittler im Vermisstenfall Maddie ermitteln, geht Wolters davon aus, dass Maddie nicht mehr lebt. "Wir haben tatsachengestützte Erkenntnisse, keine forensischen Beweise." Und Wolters ergänzt: "Wenn wir uns nicht so sicher wären, dann wären wir mit diesen Informationen auch nicht an die Öffentlichkeit gegangen - auch wir haben keine Lust, uns zu blamieren."

Internationale Fahndung

Die dreijährige Madeleine McCann verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Apartmentanlage in Praja del Luz, Portugal. Die Eltern waren zu diesem Zeitpunkt in einem nahegelegenen Restaurant essen. Eine internationale Fahndung begann, Tausende Hinweise gingen ein, Verdächtige gab es viele, aber nie eine heiße Spur.

Keine Angaben zu möglichen Zeugen

Wie die Braunschweiger Staatsanwaltschaft auf die Spur von Christian B. gekommen ist, dazu will sich der Pressesprecher nicht äußern. Einige Medien schreiben, Helge B., ein ehemaliger Bekannter von Christian B., habe sich 2017 bei Scotland Yard gemeldet und behauptet, Christian B. habe ihm anvertraut, dass er mit dem Verschwinden von Maddie zu tun habe. Darauf angesprochen erklärt Christian Wolters kurz und knapp: "Angaben zu möglichen Zeugen machen wir nicht, und ich werde diese Medienberichte nicht kommentieren."

Siebenjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung

Seit November sitzt Christian B. in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel. Er verbüßt dort den Rest seiner Verurteilung wegen Drogenhandels. Anschließend muss er die siebenjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung einer Frau in Portugal absitzen. Aber wahrscheinlich wird er danach nicht entlassen. Im Zuge der Maddie-Ermittlungen gab es Hinweise auf weiteren sexuellen Missbrauch an Kindern, eine Frau meldete sich und gab an, Christian B. habe sie 2004 in Portugal vergewaltigt. Drei Ermittlungsverfahren, die 2021 zu Anklagen gegen Christian B. führen könnten, so Wolters.

Für Außenstehende sind viele Fragen offen. Wolters weiß das. "Ich würde Ihnen gern mehr Informationen geben, dann würden sich viele Fragen von selbst erklären, nur ist mir das im Moment nicht möglich."

Weitere Informationen
EIn Porträt von Madeleine McCann, die am 03.05.2007 in Praia da Luz verschwunden ist. © Metropolitan Police Service Foto: Metropolitan Police Service

Fall "Maddie": Was ist bekannt - was Spekulation?

Seit bekannt ist, dass die Braunschweiger Staatsanwalt im Fall "Maddie" ermittelt, gibt es eine Menge offener Fragen. (07.12.2020) mehr

Der Verdächtige im Vermisstenfall "Maddie" McCann.

BGH-Urteil: Verdächtiger im Fall Maddie bleibt in Haft

Der Bundesgerichtshof hat den Antrag von Christian B. auf Revision wegen eines Vergewaltigungs-Urteils verworfen. (20.11.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.12.2020 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Martin Winterkorn verlässt eine Sitzung des Abgas-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags. © picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka Foto: Bernd von Jutrczenka

VW: Betrugsprozess gegen Martin Winterkorn verschoben

Die Hauptverhandlung im zentralen "Dieselgate"-Verfahren soll statt am 25. Februar erst am 20. April starten. mehr

Ein Vater sitzt mit seinem Sohn am Tisch und arbeitet währenddessen am Laptop.  Foto: Westend61

Corona-Regeln: Das gilt jetzt in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen wird der Lockdown bis Mitte Februar verlängert. Die neue Verordnung listet die Regeln auf. mehr

Feuerwehrleute löschen mit einer Drehleiter einen Brand in der Altstadt von Hann. Münden. © NDR Foto: Bärbel Wiethoff

Großbrand in Hann. Münden: Jetzt beginnt die Ursachensuche

Ein LKA-Experte unterstützt die Ermittler vor Ort. Drei Fachwerkhäuser waren am Wochenende in der Altstadt abgebrannt. mehr

Blick auf das Impfzentrum der Stadt, welches provisorisch in der Sporthalle am Schlosswall errichtet worden ist. © picture alliance / Friso Gentsch/dpa Foto: Friso Gentsch

Corona in Niedersachsen: Alle warten auf die Impfung

Donnerstag startet die Terminvergabe für Über-80-Jährige. Doch wegen Impfstoff-Mangels verzögert sich der Impfstart. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen