Auf einem Glasfenster in Göttingen steht die Aufschrift Amtsgericht, Arbeitsgericht Zentralgericht. © NDR Foto: Julius Matuschik

Serien-Brandstifter aus Einbeck muss fünf Jahre in Haft

Stand: 18.03.2021 21:16 Uhr

Das Landgericht Göttingen hat einen 24 Jahre alten Mann zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Ex-Feuerwehrmann aus dem Landkreis Northeim hat 17 Brände gelegt und mehrere Betrugsdelikte begangen.

Mit dem Urteil blieb das Gericht knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf fünfeinhalb Jahre plädiert hatte. Dem Mann werde zugute gehalten, dass er sich geständig eingelassen habe. Wie der NDR in Niedersachsen berichtet, hat der Täter das Urteil gefasst aufgenommen. Nach dem Richterspruch verzichtete er auf das Angebot, sich abschließend zu äußern. Neben der Haft muss er mehr als 14.000 Euro Strafe und die Kosten des Verfahrens zahlen.

Motiv für Brand- und Betrugsserie: persönliche Krise

Als Motiv nannte der 24-Jährige eine schwere persönliche Krise. Er habe kurz vor seiner ersten Tat eine Trennung erlebt und sei überschuldet gewesen. Aus Frust habe er bei einem Autohaus einen PS-starken Wagen für eine Probefahrt geliehen - und nicht zurückgebracht. Er sei mit dem Fahrzeug mehr als 20.000 Kilometer durch die Republik gefahren, habe Benzin an Tankstellen gestohlen und Hotels um Übernachtungs- und Restaurantkosten geprellt.

Gutachter hält 24-Jährigen für zurechnungsfähig

Am 25. August 2020 habe er sein erstes Feuer gelegt. Bis zum 14. September zündete er ein leer stehendes Wohnhaus, Gartenlauben, Scheunen und Strohballen an. Auf die Spur des mutmaßlichen Täters kamen die Ermittler, weil er während eines Feuers in unmittelbarer Tatortnähe von einer Wildkamera fotografiert worden war. Der Gesamtschaden der ihm zuzurechnenden Taten beläuft sich auf rund eine halbe Million Euro. Die Berichterstattung über die Brände hätte ihm ein Gefühl der Befriedigung gegeben, sagte er vor Gericht aus. Ein Gutachter attestierte dem ehemaligen Feuerwehrmann Zurechnungsfähigkeit. Eine psychiatrische Störung liege nicht vor.

Millionen-Schaden in Salzderhelden ist unaufgeklärt

Den Anfang habe die persönliche Serie des Mannes mit einem Großbrand genommen, den er nicht gelegt hat - dem Millionen-Feuer Anfang Juli 2020 in der historischen Saline in Salzderhelden. Salzderhelden ist der Ortsteil von Einbeck, in dem der Verurteilte bis 2017 unweit der Saline gewohnt hat. Das Feuer verursachte einen Schaden von rund 1,5 Millionen Euro und ist bislang unaufgeklärt. Laut Staatsanwaltschaft habe die Zerstörung des Bohrturms wie ein Trigger gewirkt.

Weitere Brandstifterin in Psychiatrie

Neben dem 24-Jährigen hat die Polizei bereits im Juli 2020 eine mutmaßliche Brandstifterin festgenommen. Sie ist derzeit in einer Psychiatrie untergebracht. Für welche Feuer sie verantwortlich ist, ist unklar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.03.2021 | 16:00 Uhr

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