Stand: 26.09.2019 11:49 Uhr

Bioenergiedorf Jühnde: EAM kauft Anlage

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Lokal produzierte und verteilte Bio-Energie - das war die Vision des ersten Bioenenergiedorfs in Jühnde. Nun wird die Anlage verkauft.

Die Bioenergieanlage Jühnde (Landkreis Göttingen) wird an den Energieversorger EAM verkauft. Das haben am Mittwoch die Genossenschafts-Inhaber entschieden, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel kaufe die Anlage zum 1. Oktober. Die Höhe des Kaufpreises ist nicht öffentlich. Die laufenden Kredite sollen mit dem Erlös allerdings nahezu komplett abgelöst werden, hieß es. Mit dem Verkauf der Anlage dürfte der ursprüngliche Gedanke, unabhängig von Konzernen zu sein, verloren gehen. Ob die Bioenergieanlage weiterhin von den Jühnder Landwirten versorgt wird, steht noch nicht fest, berichtet NDR 1 Niedersachsen.

Roswita Brinkmann ist beim einpacken der zahlreichen Geschenke von Gästen des Bioenergie-Dorfes Jühnde angekommen.

Aus für Bioenergiedorf Jühnde

Hallo Niedersachsen -

Lokal produzierte und verteilte Bio-Energie - das war die Vision des ersten Bioenenergiedorfs in Jühnde. Jetzt wird die Anlage verkauft, die Genossenschaft löst sich auf.

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Finanzielle Schwierigkeiten seit 2017

Das einst als Vorzeigeprojekt geltende Bioenergiedorf steckt seit etwa zwei Jahren in finanzieller Schieflage. Neue, strengere Vorgaben für Biogasanlagen machten in Jühnde Investitionen in Höhe von rund 700.000 Euro nötig. Dazu wurde über Jahre ein Teil der Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht ausgezahlt. Zuletzt schien es wieder voranzugehen: Nach einem Urteil des Landgerichts Kassel wurde der Genossenschaft erst vor wenigen Wochen eine Nachzahlung zugestanden. Auch die Anlage selbst soll wieder Profit erwirtschaftet haben. Vielen Mitgliedern war das Risiko aber offenbar doch zu groß - sie haben die Kooperative verlassen.

Ökologische Erfolgsgeschichte

Im Herbst 2005 hatte Jühnde als erstes Dorf in Deutschland seine Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umgestellt. Seitdem beziehen die in einer Genossenschaft zusammengeschlossenen Bewohner des 750-Einwohner-Ortes Strom und Wärme ausschließlich aus Biomasse. Das Pionierprojekt war anfangs nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Erfolgsgeschichte. 2013 konnte die Genossenschaft erstmals eine Dividende an ihre knapp 200 Mitglieder ausschütten. 2017 erwirtschaftete sie jedoch ein Minus von 200.000 Euro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.09.2019 | 12:00 Uhr

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