Weihnachten allein zu Haus - warum das auch schön sein kann

Stand: 21.12.2020 06:46 Uhr

Große Familienrunden darf es dieses Jahr Weihnachten wegen Corona nicht geben. Warum es auch schön sein kann, mal niemanden treffen zu müssen, wissen jene, die das schon seit Jahren so zelebrieren.

von Julia Henke

Einer von ihnen ist Hubertus Golisch. Ganz genau weiß er schon gar nicht mehr, wie lange er Weihnachten schon allein feiert. Mindestens fünf Jahre, vielleicht auch schon sechs, sagte er im Telefongespräch mit NDR.de. Es ist nicht so, dass er allein feiern müsste - auch wenn seine Eltern seit einigen Jahren tot sind und er einige seiner Geschwister als "Graus" empfindet. Er könnte mit seiner Frau und deren Schwester feiern oder im Kreise seiner Geschwister, mit denen er sich gut versteht. Aber er hat sich bewusst dagegen entschieden und sagt: "Ich genieße es, Weihnachten allein zu verbringen." Golisch hatte sich auf einen Aufruf gemeldet, den NDR Niedersachsen über seinen Facebook-Account gestartet hatte.

Perfekter Abend: Baum schmücken, Glühwein trinken, Musik hören

Figuren stehen in einem Wohnzimmer vor einem beleuchteten Weihnachtsbaum. © Hubertus Golisch Foto: Hubertus Golisch
Hubertus Golisch schmückt jedes Jahr an Heiligabend den Weihnachtsbaum - ganz allein.

Was der Vertreter im medizinischen Außendienst, der beruflich täglich mit vielen Menschen zu tun hat, daran schätzt, ist "diese Ruhe". Während seine Frau im Ruhrgebiet bei ihrer Zwillingsschwester feiert, schmückt er an Heiligabend den Weihnachtsbaum zu Hause in Nordhorn (Grafschaft Bentheim). Zwar telefoniert er mit seiner Frau und deren Schwester, aber sonst nutzt er die Zeit zum Abschalten. Der 61-Jährige macht sich Glühwein, hört schöne Musik oder schaut sich Weihnachts-Klassiker wie "Ist das Leben nicht schön?" im Fernsehen an.

Golisch rät: "Einfach mal runterkommen"

Anderen, die in diesem Jahr zum ersten Mal aufgrund der Corona-Pandemie allein feiern, rät Golisch: "Einfach mal runterkommen vom ganzen Stress. Wann hat man sonst schon mal die Chance dazu?" Man könne einfach das tun, worauf man Lust habe. All die ganzen weihnachtlichen Stressfaktoren, wie das Organisieren und Einpacken von Geschenken und Essen vorbereiten, fielen einfach weg.

Janine Bohlken: "Irgendjemand streitet sich doch immer"

Auch Janine Bohlken kann der corona-bedingten Auszeit vom alljährlichen Weihnachtstrubel etwas Positives abgewinnen: "Wer ehrlich ist, hat in den vergangenen Jahren im größeren Kreis doch an Weihnachten immer eine Situation gehabt, die doof war, meist weil Familienmitglieder zu dicht und in zu hoher Anzahl aufeinanderhocken. Irgendjemand streitet sich doch immer", schreibt sie auf Facebook. Dieses Jahr werde das nicht so sein. "Und man braucht nicht mal 'ne Ausrede, um zu Hause zu bleiben", schreibt Bohlken - und spricht damit wohl so manchem Familienfestmuffel aus der Seele.

Weihnachten einfach "abgeschafft"

So schreibt auch Karin Heinen auf Facebook: "Weihnachten und Familie ... Ich habe diese Sitzungen immer gehasst ... Deshalb habe ich es auch abgeschafft ..." Sie sei froh, wenn sie und ihr Mann ihre Ruhe hätten.

Aus Angst vor Corona den Familienbesuch abgesagt

Eine Frau sitzt vor einem Weihnachtsgedeck. © Angela Düffels Foto: Angela Düffels
Angela Düffels hat sich für Heiligabend mit einer Freundin zum Telefonieren verabredet.

Andere Menschen würden Weihnachten dagegen gerne mit Verwandten oder Freunden zusammen feiern, haben sich aber wegen Corona dagegen entschieden. Angela Düffels wollte eigentlich zur Familie ihrer Schwester ins Ruhrgebiet fahren, wie sie NDR.de sagte. Doch nach einem Fernseh-Beitrag über den Zustand auf Intensivstationen habe sie Angst bekommen und sich dazu entschieden, lieber zu Hause in Hannover zu bleiben - "um das Infektionsrisiko für mich und andere so gering wie möglich zu halten". Zwar sei sie anfangs traurig gewesen, allein zu sein. Doch schon früher habe sie oft nur einen Teil der Feiertage mit ihrer Familie verbracht, weil sie als Röntgenassistentin häufig die Feiertagsdienste übernommen habe.

Highlight: Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen

Dieses Jahr wird die 62-Jährige viel lesen, Serien gucken, spazieren gehen und mit einer Freundin telefonieren. Ein klein wenig versüßen wird sich Düffels die Zeit damit, dass sie "mal alles essen und trinken darf, egal wie böse es ist". Weil sie etwas übergewichtig sei, achte sie sonst auf ihre Ernährung und verkneife sich etwa Süßigkeiten. "Das ist an Weihnachten außer Kraft gesetzt." So hat sie bereits einen Eierlikörkuchen und einen Zitronenkuchen gebacken. Ganz besonders freut sie sich aber auf einen Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen, den es am ersten Weihnachtstag geben soll. "Das ist eins meiner Lieblingsessen", sagte Düffels.

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Ein Mann fotografiert mit einem Smartphone seine Familie vor dem Weihnachtsbaum. © fotolia Foto:  luckybusiness

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Erst Familienfest, dann volle Krankenhausbetten?

Nicht ganz allein, aber doch in sehr abgespeckter Form wird Thomas B. dieses Jahr Weihnachten verbringen. Zusammen mit seiner Verlobten will der 30-Jährige damit seinen Teil dazu beitragen, dass die Infektionszahlen nicht noch weiter steigen. "Es ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die im Krankenhaus arbeiten, wenn wir uns Weihnachten alle tummeln und später einige mit Corona im Krankenhaus liegen", sagte er.

Weitgehende Isolation in den Wochen vor dem Fest

Anstatt wie sonst an den Weihnachtstagen von einer Familie zur nächsten zu fahren und zwischendurch noch Freunde zu treffen, besucht er nun lediglich seine künftigen Schwiegereltern am 24. Dezember. "Sie haben sich gewünscht, dass sie Weihnachten nicht allein sind", sagte er NDR.de. Weil er aber kein Risiko eingehen möchte, sie möglicherweise unwissentlich zu infizieren, isoliert sich der 30-Jährige mit seiner Verlobten in den zwei Wochen zuvor. Lediglich zum Einkaufen, Spazieren oder Joggen geht er mal raus. Ohnehin arbeitet der Projekteur für Bahnsicherungsanlagen derzeit im Homeoffice.

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"Dieses Jahr ist alles mal ein bisschen ruhiger und entschleunigter"

Die Weihnachtsfeiertage verbringt das junge Paar dann in der eigenen Wohnung in Braunschweig. Er verstehe die Aufregung mancher Menschen über die Einschränkungen in diesem Jahr nicht. Anstatt Weihnachten unbedingt so feiern zu wollen wie immer, könne man doch einfach Fernsehen gucken, Bücher lesen oder sich mit sich selbst auseinandersetzen, meint . "Dieses Jahr ist alles mal ein bisschen ruhiger und entschleunigter." Es sei ganz schön, mal nirgendwo hinfahren zu müssen - einfach deshalb, weil man es nicht soll.

Von den Schwierigkeiten, die Familie zu überzeugen

Allerdings sei es auch schwierig gewesen, das seiner Mutter zu erklären, die ihre Familie in dieser besonderen Zeit dann doch gerne um sich haben wollte. Er habe das Weihnachtstreffen mit seiner Familie in Barsinghausen eigentlich auf das Frühjahr verschieben wollen, sagte der 30-Jährige. Am Ende hätten sie aber den Kompromiss geschlossen, dass er die Eltern mit seiner Verlobten am 29. Dezember besucht - ohne andere Familienmitglieder und mit einem Abstand von vier Tagen zu dem Besuch bei seinen Schwiegereltern. Danach geht es für das Paar wieder zurück nach Braunschweig. Silvester wollte das junge Paar eigentlich im kleinen Kreis mit Freunden feiern - aber auch das haben sie inzwischen abgesagt. Nun versuchen sie auch dieser Situation das Beste abzugewinnen: "Jetzt feiern wir zu zweit, das kann ja auch schön sein."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.12.2020 | 08:00 Uhr

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