Schärfere Regeln: So reagiert Niedersachsen auf Corona-Lage

Stand: 10.10.2020 08:32 Uhr

In Niedersachsen gilt nun ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus Risikogebieten. Eine Liste, welche Regionen davon betroffen sind, stellt die Landesregierung ins Internet.

Ziel des Beherbergungsverbots sei es, den touristischen Reiseverkehr einzuschränken, um die Infektionslage besser steuern zu können. Das hat Claudia Schröder, die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, am Freitag auf einer Pressekonferenz erklärt. Um das Beherbergungsverbot zu umgehen, können Menschen aus den betroffenen Gebieten einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Die Kosten für den Test müssen sie selbst tragen. Das Beherbergungsverbot gelte lediglich für alle touristischen Übernachtungen in Hotels, Ferienhäusern und Pensionen, so Schröder. Berufliche Reisen, Besuche von Lebens- und Ehepartnern sowie Kindern seien nicht betroffen. Auch Ferienwohnungsbesitzer und Dauercamper dürften weiterhin ihr Eigentum nutzen. Ebenso könnten Tagestouristen weiterhin nach Niedersachsen kommen.

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Strandkorb auf Spiekeroog © NDR Foto: Christian Scheper

Niedersächsische Corona-Beherbergungs-Verordnung

Die "Niedersächsische Verordnung über Beherbergungsverbote zur Eindämmung des Corona-Virus SARS-CoV-2" zum Download. Download (12 KB)

Hoteliers und Ferienhausbesitzer für Umsetzung verantwortlich

Verantwortlich dafür, dass keine Urlauber aus Risikogebieten in Niedersachsen übernachten, sind laut Schröder die Betreiber der Unterkünfte. Beherbergen sie Gäste aus einem betroffenen Gebiet, begehen sie eine Ordnungswidrigkeit. Wie hoch das Bußgeld im Falle eines Vergehens sein wird, sei noch nicht entschieden. Schröder geht aber nach eigenen Angaben davon aus, dass es im eigenen Interesse der Betreiber von Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen ist, kein Infektionsgeschehen in ihrer Unterkunft zu haben. Bisher verhielten sich die Betreiber sehr verantwortungsvoll, so Schröder. Sie müssten nun Buchungslisten durchgehen, Urlauber aus Risikogebieten informieren und sie davon überzeugen, die Reise besser nicht anzutreten.

Jeden Tag neue Liste mit Risikogebieten

Die Landesregierung wird laut Schröder jeden Tag die Lage neu bewerten und jeweils mittags eine entsprechende Liste von Risikogebieten auf ihrer Internetseite veröffentlichen. Übersteigt eine Region den kritischen Grenzwert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, werde geprüft, ob diese auf die Liste kommt. Die Grundlage für die Entscheidung sei das Infektionsgeschehen vor Ort, so Schröder. Handelt es sich um einen eingrenzbaren Ausbruch, wie es etwa vor einigen Monaten in einem Göttinger Hochhaus der Fall war, könnten möglicherweise trotzdem Urlauber aus der betreffenden Stadt oder dem Landkreis in Niedersachsen übernachten. Verteile sich das Infektionsgeschehen dagegen auf die ganze Stadt oder einen ganzen Landkreis, wäre eine Übernachtung in Niedersachsen nicht möglich. Die Ausweisung der Risikogebiete gilt laut Schröder, sobald sie veröffentlicht sind. Wer bereits im Land Urlaub mache, müsse aber nicht abreisen.

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Neue Corona-Verordnung seit Freitag gültig

Eine weitere Maßnahme der Landesregierung, um das jüngst wieder stark entfachte Infektionsgeschehen einzudämmen, ist eine neue Corona-Verordnung, die am Freitag in Kraft getreten ist. Darin werden zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie auch Treffen im Privaten beschränkt. Private Feiern seien leider ein sehr intensiver Infektionsherd, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Freitag in der Landespressekonferenz. "Deshalb halten wir diese Regel für notwendig und gut vertretbar." Innerhalb der eigenen Wohnung oder des eigenen Hauses dürfen sich ab sofort maximal 25 Menschen treffen. Nach der neuen Verordnung müssen künftig Gruppen von elf oder mehr Personen, die nicht zum selben Hausstand gehören, auch in Privaträumen den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten. Deshalb sei die Zahl von 25 Gästen bei Feiern in privaten Haushalten "realistisch", so Pörksen. Lockerungen gibt es auf der anderen Seite für Feiern in Gaststätten und Restaurants.

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Eine Schutzmaske fliegt über einen Deich mit Leuchtturm. (Symbolbild) © photocase.de/panthermedia Foto: ts-fotografik.de,  Gemini13

Niedersächsische Corona-Verordnung vom 7. Oktober 2020

Die "Niedersächsische Verordnung über Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus SARS-CoV-2" zum Download. Download (438 KB)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.10.2020 | 12:00 Uhr

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