Eine Hand greift zu einem vollen Whiskyglas © colourbox

Rauschtrinken: Trauriger Rekord für Niedersachsen

Stand: 16.12.2020 12:03 Uhr

In Niedersachsen ist die Zahl der schweren Trinker im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie in keinem anderen westlichen Bundesland. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Krankenkasse KKH.

Demnach sind 47,7 Prozent mehr Menschen wegen Abhängigkeit, Entzugserscheinungen, eines akuten Rausches oder psychischer Probleme wegen Alkohol behandelt worden als zehn Jahre zuvor, teilte die KKH Kaufmännische Krankenkasse am Mittwoch in Hannover mit.

Pandemie als Suchtverstärker

Die Krankenkasse warnte, dass sich die Lage während der andauernden Corona-Krise noch einmal zugespitzt habe. Eine ebenfalls von der KKH beauftragte Forsa-Umfrage habe bereits gezeigt, dass fast ein Viertel der regelmäßigen Alkoholkonsumenten seit der Pandemie häufiger zur Flasche greift. Auch in der Weihnachtszeit und zu Silvester steige der Alkoholkonsum für gewöhnlich an. Ex-Süchtige hätten zudem ein größeres Risiko von Rückfällen in der Weihnachtszeit, aber auch in Krisenzeiten.

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50.000 Menschen suchten Rat und Hilfe

Laut Suchthilfestatistik der niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen suchten 2019 rund 50.000 Menschen in den Beratungsstellen Rat und Hilfe. Mehrheitlich wurden Männer beraten, ihr Anteil lag bei 69 Prozent. Ursache war vor allem die Abhängigkeit von Alkohol (47 Prozent), gefolgt von Cannabinoiden (19 Prozent), Opioiden (15 Prozent) und Glücksspiel (6 Prozent). Die Zahl der Ratsuchenden in den Beratungsstellen sei im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

136.000 Niedersachsen betroffen

Basis der Untersuchung sind laut KKH die anonymisierten Daten von rund 1,7 Millionen KKH-Versicherten. In ganz Deutschland wurde demnach zuletzt rund 28.000 KKH-Versicherten ein exzessiver Alkoholkonsum bescheinigt - hochgerechnet auf die gesamte Bevölkerung sind das bundesweit 1,3 Millionen Menschen. In Niedersachsen dürften damit etwa 136.000 Frauen und Männer betroffen sein. Die Dunkelziffer liegt laut KKH allerdings wohl weitaus höher, denn die Krankenkassendaten erfassen nur ärztlich diagnostizierte Fälle.

Den größten Anstieg bei den sogenannten Rauschtrinkern registrierte die Krankenkasse in dem Zeitraum mit 68,2 Prozent in Sachsen-Anhalt, das geringste Plus von 18 Prozent in Hamburg. Bundesweit liegt der Anstieg bei durchschnittlich rund 37 Prozent.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.12.2020 | 13:00 Uhr

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