Stand: 03.09.2020 14:54 Uhr

Nawalny und Nord Stream: Reaktionen aus dem Norden

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff lächelt in die Kamera. © SPD Foto: Christian Kiel
Der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Johann Saathoff (SPD), fordert von Moskau eine Aufklärung im Vergiftungsfall Nawalny.

Norddeutsche Bundestagsabgeordnete haben im Fall des mutmaßlich vergifteten russischen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny Konsequenzen gegenüber Russland gefordert. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Wie man sich gegenüber Moskau verhalten will, darüber herrscht jedoch Uneinigkeit. Der Russlandbeauftrage der Bundesregierung und niedersächsische SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff aus Ostfriesland fordert, dass die russische Regierung die Hintergründe der Vergiftung mit einem Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe jetzt aufklären, die Verantwortlichen ermitteln und zur Rechenschaft ziehen müsse. Dann werde Deutschland zusammen mit seinen Partnern abstimmen, wie eine Reaktion aussehen könne. Einen Zusammenhang dieses Falls zum Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 sieht Saathoff, anders als der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, jedoch nicht.

Wadephul: Projekt kann nicht einfach gestoppt werden

Dr. Johann David Wadephul (CDU) steht am Rednerpult und gestikuliert. © picture alliance Foto: Britta Pedersen
Der Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul (CDU) will die Gas-Pipeline Nord Stream 2 wegen des Falls Nawalny nicht infrage stellen.

Auch der Unionsfraktions-Vize Johann Wadephul aus Schleswig-Holstein will die Gas-Pipeline Nord Stream 2 wegen des Falls Nawalny nicht infrage stellen. Das sei ein Projekt von Wirtschaftsunternehmen, das man aus politischen Gründen nicht einfach stoppen könne. Wadephul hält ebenso wie Saathoff die Gas-Pipeline für die deutsche Energieversorgung für wichtig. Ungeachtet dessen müsse der Fall Nawalny auf politischer Ebene Konsequenzen haben, sagt Wadephul.

Trittin fordert gemeinsame europäische Antwort

Für den Grünen-Außenpolitiker und niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin ist vor allem eine gemeinsame europäische Reaktion wichtig, denn nur dann sei sie für Russland unmissverständlich. Und die Konsequenz steht für den Grünen auch schon fest: Die Geldwäsche russischer Oligarchen in der EU müsse unmöglich gemacht werden. Denn die Oligarchen seien diejenigen, die das System Putin stützten und die in Europa Geschäfte machten.

Daten zur Ostsee-Pipeline Nord Stream 2

  • Gesamtinvestitionen: ca. 8 bis 10 Milliarden Euro
  • Bauzeit: 2018 bis 2020 (geplant) Länge: ca. 1.230 Kilometer (weitgehend parallel zu den bestehenden Leitungen)
  • Ausgangspunkt: Narwa-Bucht bei Ust-Luga an der russischen Ostseeküste
  • Endpunkt: Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern
  • Betreiber: Nord Stream 2 AG
  • Kapazität: Durch die zwei Röhren können bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr geliefert werden
  • Die Pipeline liegt größtenteils auf dem Meeresboden auf, 200.000 betonummantelte Rohre (jedes 24 Tonnen schwer) werden verlegt. In Flachwasserbereichen, wie dem Greifswalder Bodden, sind die Rohre eingegraben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.09.2020 | 14:00 Uhr

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