Stand: 30.08.2016 09:48 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Niedersachsens Lehrer schlagen Alarm

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Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hat am Montag das Ergebnis einer Lehrerbefragung vorgestellt. (Archiv)

Die Rückläuferquote ist nicht besonders hoch, doch das Ergebnis ist eindeutig: Vor allem in den Bereichen Sprachförderung und Inklusion fühlen sich Niedersachsens Lehrer im Stich gelassen. Das ist das Resultat einer Online-Befragung des Kultusministeriums, an der etwa 10.000 Schulleiter, Lehrer und pädagogische Mitarbeiter teilgenommen haben. Die Studie wird vom Zentrum für angewandte Geisteswissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg geleitet - die Wissenschaftler hatten dafür etwa 90.000 Pädagogen angeschrieben. Nachdem das Ergebnis am Montag vorgestellt worden ist, wird nun erste Kritik laut. Die Opposition im Landtag sieht die Studie "aktionistisch" und "überflüssig".

Kritik von CDU, FDP und Philologenverband

Der Schulexperte der CDU-Landtagsfraktion, Kai Seefried, sagte, die Ergebnisse spiegelten wider, was lange bekannt sei. Spannend wäre es gewesen, wenn die Ministerin auch die freien Antworten der Lehrkräfte vorgestellt hätte, sagte FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling. Der niedersächsische Philologenverband forderte als Konsequenz aus der Befragung, die Lehrerarbeitszeit zu senken. Nach einer kürzlich vorgestellten Studie der Bildungsgewerkschaft GEW arbeiten niedersächsische Gymnasiallehrer pro Woche im Durchschnitt drei Stunden zu viel. Von der GEW gab es eine positive Bewertung der Befragung. Die Gewerkschaft bemängelte dagegen ein Versagen der derzeitigen autoritären Strukturen der Landesschulbehörde.

Schul-TÜV sinnlos - Vergleichsarbeiten praxisfern

In der Befragung hatten Lehrer unter anderem die sogenannte Schulinspektion, auch bekannt als Schul-TÜV, kritisiert. Diese Kontrollbesuche sind eigentlich als Hilfe gedacht, damit die Schulen besser werden. Eingeführt wurden sie noch unter der schwarz-gelben Regierungskoalition vom damaligen Kultusminister Bernd Busemann (CDU). In der Studie bewerten die Lehrer die Schulinspektion als sinnlos, aufwendig und kaum zu schaffen. Auch die länderübergreifenden Vergleichsarbeiten (Vera) kommen nicht gut weg, Lehrer halten sie für überflüssig und praxisfern. Heiligenstadt kündigte Veränderungen an: "Bei keiner Tätigkeit wird die Unterstützung durch die Behörden als gut eingeschätzt - da müssen wir besser werden, das ist ein klarer Auftrag."

Der Abschlussbericht der Lüneburger Forscher wird im März 2017 erwartet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.08.2016 | 18:00 Uhr

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