Stand: 28.04.2020 15:00 Uhr

Kampfmittelräumer bergen 133 Tonnen Munition

Eine Bombe wird entschärft (Montage). © dpa Foto: Roland Weihrauch/Stephanie Pilick
Im vergangenen Jahr musste der Kampfmittelbeseitigungsdienst viele Blindgänger direkt vor Ort entschärfen. (Montage)

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat 2019 in Niedersachsen rund 133 Tonnen gefährliche Sprengkörper aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg geborgen. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, wie das Innenministerium am Dienstag in Hannover mitteilte. Insgesamt mussten die Bombenräumer zu mehr als 900 Einsätzen ausrücken. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr: 2018 waren rund 145 Tonnen Kampfmittel bei knapp 1000 Einsätzen beseitigt worden.

Munition noch immer gefährlich

"Auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden in Niedersachsen nach wie vor Kampfmittel gefunden", sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). Dabei werde die Munition durch Alterungs- und Korrosionsprozesse im Laufe der Zeit sogar gefährlicher. Im vergangenen Jahr hatte ein Kind beim Spielen an einem See in der Region Hannover einen Phosphorklumpen gefunden, für einen Stein gehalten und in die Tasche gesteckt. Dieser entzündete sich wegen der Körperwärme, das Kind erlitt leichte Verbrennungen. "Dieser Vorfall zeigt deutlich, wie gefährlich diese vermeintlich alten Kampfmittel immer noch sind", warnte Pistorius.

Viele Entschärfungen vor Ort

Im vergangenen Jahr fand der Kampfmittelbeseitigungsdienst in 219 Fällen Blindgänger, die direkt vor Ort gesprengt werden mussten. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2018, als es lediglich 138 solcher Einsätze gab. Durch den Bau von Offshore-Windparks und den Ausbau von Kabeltrassen rückt derzeit verstärkt die Nordsee in den Blickpunkt. Im vergangenen Jahr wurden dort knapp 0,8 Tonnen Weltkriegsmunition entdeckt, darunter auch eine Seemine.

Erneut ein Jahr ohne Unfälle

Pistorius dankte allen Kampfmittelbeseitigern für ihren Einsatz. Sie hätten dafür gesorgt, dass die gefährlichen Sprengkörper entschärft und beseitigt werden konnten. Wie schon im Jahr davor habe es auch 2019 keinen Unfall gegeben, und niemand sei verletzt worden.

Corona schränkt Bombensuche ein

Aufgrund der Corona-Krise arbeitet der Kampfmittelbeseitigungsdienst derzeit nur eingeschränkt. Die gezielte Suche nach Bomben ist eingestellt worden. Verdachtspunkte werden lediglich vermessen, die Blindgänger aber nicht geborgen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.04.2020 | 14:00 Uhr

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