Stand: 03.03.2020 17:14 Uhr

GEW klagt mit Lehrern gegen das Land

Lehrerin an einer Tafel.  Foto: Justin Horrocks
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft will vor Gericht eine Entlastung von Lehrkräften erkämpfen. (Themenbild)

Seit Jahren streiten Lehrer in Niedersachsen mit dem Land über ihre Arbeitszeit. Die Pädagogen fühlen sich überlastet und gestresst – und werfen dem Kultusminister vor, die Probleme nicht zu lösen. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, soll es sich um mehr als sechseinhalb Millionen Überstunden handeln. Jetzt kommt neuer Schwung in die Sache: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Verfahren angestrengt, die am 26. März vor dem Verwaltungsgericht Hannover und am 12. Mai vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück verhandelt werden.

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GEW-Chefin Pooth fordert Kultusminister Tonne zum Handeln auf

"Aus unserer Sicht muss das Kultusministerium dringend handeln", sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Hannover. "Minister Tonne hat einen Stufenplan für Entlastung vorgelegt. Allerdings scheint das, was wirklich wichtig ist, auf den Sankt-Nimmerleinstag verlegt zu werden. Das lassen wir nicht durchgehen." Daher werde man parallel zum politischen auch einen juristischen Weg beschreiten, sagte Pooth, "damit die Lehrerinnen und Lehrer gesund bleiben und die Schüler in Niedersachsen gute Bildung bekommen".

GEW fordert zeitliche Entlastung für Lehrer

Von den beiden Verfahren erwartet die Gewerkschaft eine Signalwirkung. Nach Angaben eines Sprechers gehe es dabei nicht darum, dass in der Vergangenheit geleistete Überstunden bezahlt werden, sondern um eine zeitliche Entlastung der Lehrkräfte in der Zukunft. Diese sei wegen des derzeitigen Lehrermangels womöglich nicht sofort, aber perspektivisch möglich. Auch eine Studie im Auftrag des Kultusministeriums war vor zwei Jahren zu dem Ergebnis gekommen, dass Lehrer mehr arbeiten als erlaubt. Seitdem lägen Empfehlungen für Entlastungen auf dem Tisch, sagte Pooth. "Das heißt, Minister Tonne könnte sich jetzt in Niedersachsen bundesweit an die Spitze setzen."

Gleiche Bezahlung an allen Schulen gefordert

Die GEW kritisierte darüber hinaus, dass der Landtag sich in der vergangenen Woche nicht mit einer Petition beschäftigt hatte, die zum Ziel hat, dass Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Realschulen genauso bezahlt werden wie an den anderen Schulformen. Der Unterschied mache rund 450 Euro brutto aus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.03.2020 | 06:00 Uhr

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