Stand: 28.09.2020 12:22 Uhr

Endlagersuche: So geht das Auswahlverfahren weiter

Eine Halle voller Castorbehälter.
Bis 2031 soll die Entscheidung über ein Atommüll-Endlager fallen. (Themenbild)

Insgesamt 90 Gebiete in Deutschland haben günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Das geht aus dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor, der am Montag veröffentlicht wurde. 74 der ausgewiesenen Teilgebiete liegen in Salzgestein, neun in Tongestein und sieben in kristallinem Gestein. Die infrage kommenden Bereiche umfassen eine Gesamtfläche von rund 240.000 Quadratkilometern, das entspricht 54 Prozent der Fläche Deutschlands. Betroffen sind alle Bundesländer bis auf das Saarland.

Vorauswahl nach elf Kriterien

Für den Zwischenbericht wertete die BGE in den vergangenen drei Jahren geologische Daten aus, die vom Bund und den Ländern zur Verfügung gestellt wurden. Zur Festlegung der Teilgebiete wurden die folgenden elf geowissenschaftlichen Abwägungskriterien herangezogen:

  1. Bewertung des Transportes radioaktiver Stoffe durch Grundwasserbewegungen im einschlusswirksamen Gebirgsbereich
  2. Bewertung der Konfiguration der Gesteinskörper
  3. Bewertung der räumlichen Charakterisierbarkeit
  4. Bewertung der langfristigen Stabilität der günstigen Verhältnisse
  5. Bewertung der günstigen gebirgsmechanischen Eigenschaften
  6. Bewertung der Neigung zur Bildung von Fluidwegsamkeiten
  7. Bewertung der Gasbildung
  8. Bewertung der Temperaturverträglichkeit
  9. Bewertung des Rückhaltevermögens im einschlusswirksamen Gebirgsbereich
  10. Bewertung der hydrochemischen Verhältnisse
  11. Bewertung des Schutzes des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs durch das Deckgebirge

Der Salzstock in Gorleben fiel bei den Abwägungskriterien durch. Unter anderem gibt es hier kein ausreichend starkes unterirdisches Deckgebirge, das den Salzstock dauerhaft von Wasserzuflüssen abschirmt.

Auswahl von Standortregionen im nächsten Schritt

Auf Grundlage des Zwischenberichts soll in den kommenden Jahren die Standortsuche weiter eingegrenzt werden. Vorrangig für die Auswahl bleibt die Geologie. Allerdings sollen in künftigen Verfahrensschritten auch Kriterien wie die Bevölkerungsdichte, Naturschutzgebiete und Zugänglichkeit eine Rolle spielen. Aus den Teilgebieten werden sogenannte Standortregionen ausgewählt, die übertägig genauer erkundet werden sollen. Einige davon werden schließlich auch untertägig erforscht.

Entscheidung bis 2031

Bis 2031 soll das Auswahlverfahren abgeschlossen und der Standort gefunden sein. Die Entscheidung über den Endlagerstandort trifft letztlich der Deutsche Bundestag. Ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.09.2020 | 12:00 Uhr

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