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Corona: Weihnachtsbesuch im Pflegeheim mit negativem Test

Stand: 25.12.2020 08:17 Uhr

Die Angehörigen im Pflegeheim zu Weihnachten nicht zu sehen, ist für viele Niedersachsen unerträglich. Besuche müssen stattfinden, da sind sich alle einig. Doch es bedarf guter Planung.

Dass die Zusammentreffen mit Großeltern oder Eltern in den Einrichtungen zu diesen Festtagen nicht ungezwungen und spontan stattfinden können und Vorsicht höchstes Gebot sein sollte, das liegt auf der Hand. Grundsätzlich sollten Angehörige möglichst im Vorfeld klären, wann ein Besuch möglich ist. Vor wenigen Tagen wies Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch einmal eindrücklich auf die Gefahren ihn: "Wenn das Virus einmal in der Einrichtung ist, schlägt es brutal zu." Es gilt, die alten Menschen, die verletzlichste Gruppe, vor einer Corona-Infektion zu schützen. Doch es geht auch darum, dass Familien an den Festtagen für sie da sein können.

"Sie arbeiten über das Mögliche hinaus"

Das zu ermöglichen, liegt und lastet zu Weihnachten schwer auf den Schultern der Einrichtungen, der Pflegekräfte. "Sie tun alles, um den Bewohnerinnen und Bewohner eine gute Zeit zu ermöglichen", sagt Dagmar Schmidt, Referentin für Qualitätssicherung bei der Diakonie Niedersachsen. Doch die Lage in den Heimen sei alles andere als entspannt. "Die Beschäftigten arbeiten schon weit über ihre Grenzen hinaus", sagt sie im Gespräch mit NDR.de.

Besucher brauchen negativen Corona-Test

Seit Beginn der Pandemie beschränke sich deren Arbeit nicht mehr nur auf die Pflege. Mit der aktualisierten niedersächsischen Corona-Verordnung muss das Pflegepersonal nun wöchentlich zwei Tests machen, hinzu kommen die Tests der Bewohner und jetzt auch die Abstriche bei Besuchern, wenn diese nicht selbst mit einem negativen Test-Ergebnis kommen. Dieses Prozedere gilt für alle Regionen, die über einem Inzidenzwert von 50 liegen. Und das ist in den allermeisten Landkreisen Niedersachsens der Fall.

"Zusätzliche Herausforderung"

Wenn nun also zu Weihnachten die Angehörigen kommen, dann kann es wegen der Schnelltests durchaus voll werden vor den Eingängen. Auch Diakonie-Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke spricht von einer "zusätzlichen Herausforderung": "Wir werden uns bemühen, diese Aufgabe auch noch zu bewältigen, denn wir wollen es den Bewohnerinnen und Bewohnern ermöglichen, wo es möglich ist, an den Festtagen Besuche zu bekommen."

Regelungen ermöglichen Besuche

"Die allermeisten Pflegeeinrichtungen haben sich für die Weihnachtsfeiertage spezielle Regelungen überlegt, um Besuche in möglichst sicherer Form zu ermöglichen", sagt Sven Schumacher aus Hildesheim. Er ist im Vorstand des Niedersächsischen Evangelischen Verbandes für Altenhilfe und Pflege (Nevap). Der Fachverband der Diakonie vertritt etwa 300 von insgesamt rund 1.400 Pflegeheimen in Niedersachsen.

So kann das Risiko minimiert werden

Eine Pflegekraft begleitet die Bewohnerin eines Altenheims mit Rollator beim Gang durch den Flur. © picture alliance/Oliver Berg/dpa Foto: Oliver Berg
Weihnachtsbesuche stellen Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige vor Herausforderungen.

Schumacher rät: Bei Besuchen in den Zimmern sollte neben den grundlegenden Hygiene- und Abstandsregeln auf die Größe des Raumes und auf gutes Lüften geachtet werden. "Auch, wenn zum Beispiel alle Beteiligten während des Besuches eine FFP2-Schutzmaske tragen, kann in einem kleineren Zimmer das Übertragungsrisiko gesenkt werden." Innerhalb der Heime böten bauliche und personelle Gegebenheiten ganz unterschiedliche Möglichkeiten. "Natürlich kann es hilfreich sein, wenn nicht alle Besucher auf einmal kommen."

Nicht zu Spitzenzeiten kommen

Hilfreich für das Personal sei es, wenn insbesondere auf die Spitzenzeiten wie zu den Mahlzeiten Rücksicht genommen werde. Zudem könnten auch Gesprächswünsche, deren Inhalt nicht wirklich dringlich sei, auf andere Zeiten verschoben werden. Und wer ganz auf den Besuch verzichten wolle, könne dennoch mit seinen Angehörigen in Kontakt kommen, ergänze Schumacher. So gebe es mittlerweile auch andere Möglichkeiten der Kommunikation. Etwa per Video-Schalte oder über Bild-Chats per Handy oder Tablet.

Angehörige holen - Test bei Rückkehr

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, Bewohner zum Fest nach Hause zu holen, wie Diakonie-Mitarbeiterin Schmidt erklärt. Dafür sei aber eine Aufklärung der Einrichtungen gegenüber der Angehörigen wichtig. Zudem werde ein Schnelltest der Bewohner bei Rückkehr empfohlen, spätestens aber am Morgen danach. Wie lange ein solcher Besuch zu Weihnachten dauern soll, müssten die Einrichtungen entscheiden. Schmidt sagt: "Eher ein Nachmittag als mehrere Tage." Fakt sei aber: "Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr dürfen die Bewohner die Einrichtungen verlassen."

"Den Pflegesektor würdigen"

"Insbesondere die Weihnachtsfeiertage können emotional aufgeladen sein. Damit können wir umgehen", sagt Pflege-Experte Schumacher. Gleichzeitig hätten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Heimen den Wunsch, auch unter den für alle ungewöhnlichen und belastenden Umständen den Bewohnern eine möglichst schöne Zeit zu Weihnachten zu bieten. "Da fließen auch mal die Tränen." Von den Besuchern und der Gesellschaft erhoffe er sich, dass sie den Arbeitseinsatz und das Engagement im Gesundheits- und Pflegesektor würdigten. "Auch das kann Motivation sein."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.12.2020 | 12:00 Uhr

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