Emmanuelle Charpentier, Direktorin der Berliner Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene und Honorarprofessorin an der Humboldt-Universität zu Berlin, posiert bei einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Chemie-Nobelpreisträgerin Charpentier erhält Gauß-Medaille

Stand: 16.10.2020 21:32 Uhr

Die mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnete Emmanuelle Charpentier hat in Braunschweig die Carl-Friedrich-Gauß-Medaille 2020 erhalten. Sie hatte zwei Jahre am Helmholtz-Zentrum geforscht.

von Peter Jagla

Es war ein ganz besonderer Moment im Braunschweiger Altstadtrathaus, als Emmanuelle Charpentier die Gauß-Medaille für hervorragende Wissenschaftliche Leistungen am Freitag in Empfang genommen hat. Schließlich ist die Französin mittlerweile Nobelpreisträgerin. Das bekräftige nur die Entscheidung, eben diese Wissenschaftlerin mit der Auszeichnung zu ehren, sagte Joachim Klein von der Wissenschaftlichen Braunschweigischen Gesellschaft, die die Medaille seit 1949 verleiht.

Revolutionäre Entdeckung

Die Mikrobiologin Charpentier hat die sogenannte Gen-Schere "Crispr Cas9" erfunden, mit der die DNA genau geschnitten und ersetzt werden kann. Die Entdeckung hat die Genmanipulation revolutioniert, da Defekte in Genen einfacher und schneller manuell verändert werden können. Auch Krankheiten wie AIDS oder Krebs könnten eines Tages mithilfe der Entdeckung geheilt werden.

Gauß-Medaille

  • Die Gauß-Medaille wird seit 1949 verliehen.
  • Die undotierte Ehrung würdigt hervorragende wissenschaftliche Leistungen.
  • Frühere Preisträger waren unter anderem der Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing und der ehemalige Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof.

Wissenschaftlerin aus Braunschweig

Charpentier war zwischen 2013 und 2015 am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. "Ich erinnere mich noch gut an die mittelalterliche Altstadt und den Park", sagte die Mikrobiologin, "vor allem aber an die vielen Hasen darin." Die Auszeichnung nehme sie gerne entgegen, denn jeder Preis sei wichtig. "Weil es eine Möglichkeit ist, die Grundlagenforschung einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen." Ihre Arbeit verändert sich durch so viel Anerkennung aber auch. "Ich werde wahrscheinlich noch weniger Zeit für das Labor und die Forschung haben", sagte Charpentier mit einem Lachen auf ihrem Gesicht, "dafür kann ich aber meine Entdeckung weiter präsentieren." Besonders wichtig sei der Französin aber vor allem, dass es ein Preis nicht nur für sie selbst sei: "Durch meine Anerkennung wird auch ein internationales Team hinter mir anerkannt."

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"Nobelpreisglanz auf Braunschweig"

"Wir alle hier sind stolz darauf, dass Emmanuelle Charpentier auch mal in Braunschweig gearbeitet hat", sagte bei der feierlichen Verleihung Braunschweigs Wissenschaftsdezernentin Anja Hesse. Der Wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, Dirk Heinz, fügte in seiner Laudatio hinzu, dass ein "Nobelpreisglanz auf Braunschweig" scheine. Doch für Charpentier war Braunschweig nur ein Punkt auf der wissenschaftlichen Reise: Seit 2015 ist die Französin Direktorin des Berliner Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie. Den Nobelpreis für Chemie bekommt sie in diesem Jahr zusammen mit der amerikanischen Wissenschaftlerin Jennifer Doudna. Die Braunschweiger Gauß-Medaille hingegen ist für sie allein.

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 16.10.2020 | 18:00 Uhr

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