Stand: 29.01.2018 15:16 Uhr

Bilanz: So verheerend war "Friederike"

Dass Orkantief "Friederike" in den niedersächsischen Wäldern schwere Schäden angerichtet hat, war schnell absehbar. Anderthalb Wochen nach dem Sturm liegen nun erste Bilanzen der Landesforsten und des Waldbesitzerverbands Niedersachsen vor. Diese zeigen: "Friederike" hat je nach Region unterschiedliche Zerstörungskraft entfaltet. Während etwa im Nationalpark Harz laut Sprecher Friedhart Knolle die Schäden geringer sind als zunächst befürchtet, hat es private Waldbesitzer in Südniedersachsen besonders heftig erwischt.

"Friederike" trifft vor allem Solling

Waldbesitzerverband: Schäden wie nach "Kyrill"

Der Waldbesitzerverband Niedersachsen spricht von verheerenden Auswirkungen und sieht das Ausmaß der Schäden in einigen Regionen sogar auf Augenhöhe mit Orkan "Kyrill", der 2007 wütete. Vor allem im Raum Osnabrück, im Solling und im Harz seien viele Bäume umgestürzt: Teilweise seien dort ganze Bestände mit einem Vielfachen des normalen Jahreseinschlags umgeworfen worden, heißt es seitens des Verbandes.

Landesforsten: Oft nur einzelne Bäume umgestürzt

Die niedersächsischen Landesforsten sehen in ihrer Bilanz "Friederike" dagegen nicht so folgenschwer wie "Kyrill". Der Sturm habe für etwa 950.000 Festmeter Sturmholz gesorgt und etwa so viele Bäume umgerissen, wie sonst in einem halben Jahr geschlagen werden. "Kyrill" hatte für doppelt so viel Sturmholz gesorgt. Unterschiede stellen die Landesforsten auch in der Art der Zerstörungen heraus. Anders als bei "Kyrill" seien durch "Friederike" oft nur einzelne Bäume umgestürzt, größere Flächenwürfe habe es nur an einigen wenigen Stellen gegeben - etwa im Solling.

Fast nur Fichten betroffen

Laut den Landesforsten hat "Friederike" fast ausschließlich Fichten umgeworfen. Laubbäume und andere Nadelhölzer seien nur in sehr geringem Maße vom Sturm umgeweht worden, heißt es. Die Landesforsten haben darauf entsprechend reagiert: Als Sofortmaßnahme sollen vorerst keine Fichten in den Landesforsten mehr geschlagen werden. Das Holz der umgestürzten Nadelbäume soll verkauft werden. Probleme mit fallenden Preisen erwarten die Landesforsten nicht. "Das Fichtenholz trifft auf einen intakten und aufnahmefähigen Holzmarkt", erklärt Klaus Jänich, Vizepräsident der Landesforsten.

"Betreten der Wälder ist nach wie vor gefährlich"

Folgenschwer ist "Friederike" weiterhin für Wanderer: Im Teutoburger Wald und dem Wiehengebirge warnt etwa das Forstamt Ankum derzeit noch davor, in den Wäldern spazieren zu gehen. Das Räumen der Wege soll sich dort bis in den Februar hinziehen. Im Nationalpark Harz sind zwar zahlreiche Wanderwege mittlerweile wieder passierbar. Dennoch bleiben Einschränkungen: Teile des bekannten Harzer-Hexenstieges sind etwa noch gesperrt. Mitarbeiter des Parks konnten diesen Weg zum Teil noch nicht freiräumen, weil das Gelände schwierig zugänglich ist und Maschinen auf dem angetauten Schnee derzeit keinen Halt finden. "Trotzdem sollen sich die Menschen keine Illusionen machen. Das Betreten der Wälder ist nach wie vor gefährlich", warnt Nationalpark-Sprecher Knolle.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.01.2018 | 08:00 Uhr

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