Stand: 28.07.2020 23:40 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Wie startet MV ins neue Schuljahr?

Am Montag, 3. August startet Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland nach den Sommerferien in das neue Schuljahr. Die Corona-Pandemie stellt Schüler, Lehrer und Erzieher in diesem Jahr vor große Herausforderungen. Dank niedriger Infektionszahlen soll nun für die Kinder wieder ein möglichst normaler Unterricht möglich werden. Bildungsministerin Bettina Martin und Sozialministerin Stefanie Drese (beide SPD) haben sich im Livestream Ihren Fragen zum Thema gestellt. Hier sind die Antworten der Ministerinnen für Sie zusammengefasst:

Ist es nicht sehr riskant, die Schulen wieder zu öffnen?

Martin: "Wir haben uns natürlich vorab mit den Gesundheitsexperten, also mit Professor Reisinger von der Uni-Medizin Rostock, mit dem Landesgesundheitsamt und dem Gesundheitsministerium zusammengesetzt und genau abgewogen, was möglich ist. Wir haben von Expertinnen und Experten einen Rahmen bekommen, in dem wir uns bewegen können. Um Sicherheit auf der einen Seite zu gewährleisten, aber andererseits auch so viel Bildung wie möglich. Ich möchte sagen: Wir müssen auch wieder zurück in die Schule mit den Kindern."

Können Sie garantieren, dass mit der Gesundheit der Kinder nicht gespielt wird?

Drese: "Wir haben diese Abwägung genauso vorgenommen. Wir haben schon vor den Ferien rund 85 Prozent der Kinder in den Einrichtungen gehabt und zwar mit gutem Ergebnis. So dass es bei der Frage der Gesundheit der Kinder und der Erzieherinnen und Erzieher darum geht, wie setze ich das möglichst gut unter Pandemie-Bedingungen in der Kita um? Die Kinder brauchen aber auch wieder eine Betreuung, das ist etwas, das uns beide Ministerinnen im Bildungsbereich antreibt."

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Wo liegt der Unterschied zwischen Jahrgangsstufen und Gruppen?

Martin: "Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir feste definierte Gruppen bilden. Das heißt, immer zwei Jahrgangsstufen in den weiterführenden Stufen. Das heißt: Fünfte und sechste Klasse, siebte und achte Klasse und so weiter. In der Grundschule sind die ersten vier Klassen eine definierte Gruppe. Und wenn sich diese definierten Gruppen mit anderen Gruppen treffen, dann müssen sie anderthalb Meter Abstand halten. Die Kinder innerhalb dieser Lerngruppe, die Kinder innerhalb ihrer Klassen müssen keinen Abstand mehr halten im Klassenraum, auf dem Schulhof, auf den Fluren. Eigentlich sollen die Wege auch so gestaltet sein, dass Kinder Kindern aus anderen Gruppen gar nicht erst begegnen."

Muss meine sechsjährige Tochter, die in die Schule kommt, eine Maske haben?

Martin: "Sie muss, wenn sie im Schulbus zur Schule fährt, denn da ist Maskenpflicht. Weil da die Kinder auch enger zusammensitzen und auch mit Kindern aus anderen Gruppen zusammen sind. Wenn sie dann aber in ihrem Klassenraum ist, dann braucht sie keine Maske. Sie kann in den Gängen oder auf dem Schulhof eine Maske tragen, wenn sie das will."

Wie soll verpasster Schulstoff aus dem vergangenen Schuljahr nachgeholt werden?

Martin: "In der Tat gab es ja nicht so viel Unterricht in den vergangenen Wochen. Wir müssen gucken, dass wir das auch nachholen. Am Anfang, in den ersten zwei Wochen der Schule, wird es Lernstandserhebungen geben. Ganz wichtig - die werden nicht benotet, es geht nicht darum, die Kinder zu prüfen. Sondern es geht darum, dass die Lehrkräfte wissen: Wo stehen die Kinder, was ist passiert in den letzten Wochen, was haben sie verpasst, wo müssen wir nacharbeiten, wo müssen wir Schwerpunkte legen? Und wir werden uns das auch bundesweit angucken und natürlich evaluieren, um zu gucken, müssen wir dann auch die Prüfungen gegebenenfalls dementsprechend ausrichten und die Kinder auf Prüfungen vorbereiten - wer zum Beispiel vor dem Abschluss steht."

In den Kitas wird es wieder voll nach dem Ende der Ferien. Wie sind sie vorbereitet?

Drese: "Es wird bei den Kitas keine Notfallbetreuung mehr geben, alle Kitas sind wieder in ihren Einrichtungen im zeitlichen Umfang. Und da heißt es natürlich für Erzieherinnen und Erzieher jetzt auch wieder zu offenen zu teiloffenen pädagogischen Konzepten zu kommen. So viel Normalität wie möglich mit der Sicherheit, die die Hygienebedingungen natürlich vorgeben. Gerade bei den Kleinen in Krippe und Kindergarten ist ein Abstand nicht einzuhalten und soll auch nicht eingehalten werden. Eine Erzieherin muss ein Kind auch umarmen dürfen. Das ist ganz wichtig. Um so mehr kommt es darauf an, dass die Kinder Händewaschen üben, mit solchen Hygienebedingungen betraut werden und dort auch von den Erzieherinnen und Erziehern begleitet werden."

Warum dürfen sich nur Lehrer und Erzieher kostenlos auf Corona testen lassen?

Drese: "Bei den Lehrern und Erziehern ist es so, dass wir symptomlos auch anbieten, getestet zu werden. Alle anderen, die befürchten, dass sie betroffen sein könnten, können nach wie vor auch die Möglichkeit nutzen, sich über ihren Hausarzt testen zu lassen - bei Symptomen ja sowieso. Gleichzeitig begleiten wir noch mit einer wissenschaftlichen Stichprobenprüfung sowohl bei Kindern, als auch bei Schülern, wie nach den Ferien der Einstieg in Kita und Schule wieder gelingt."

Was passiert, wenn ein Kind in einer Kita positiv getestet wird?

Martin: "Da gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern vor Ort, die zum einen darüber entscheiden: Wie ist dieser Ausbruch dort geschehen? Wie groß ist die Kita? Wie bewegt sich das Kind dort in dieser Einrichtung? Man kann nicht generell eine Aussage für alle Kitas im Land treffen, sondern da gibt es mit den Trägern und den Gesundheitsämtern dann Gespräche. Muss nur die Gruppe geschlossen werden oder die gesamte Kita?"

Warum bilden ganze Grundschulen eine Gruppe, worin liegt da der Sinn?

Martin: "Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, die uns vorliegen - übrigens auch eine Studie aus der Uni Rostock - sagen, dass Kinder bis zehn Jahre weniger betroffen sind, dass sie weniger infektiös sind und sich weniger schnell infizieren können. Wir haben das ja erlebt in den Kitas, dort ist fast nichts passiert in den vergangenen Monaten. Insofern wissen wir, dass es die Möglichkeit gibt, dass die Kinder dort auch miteinander spielen können. Bei Grundschulkindern bis zum zehnten Lebensjahr ist das wohl aus wissenschaftlicher Sicht eine geringere Gefahr. (...) Es geht vor allen Dingen darum, dass wir die Nachvollziehbarkeit haben, wenn Infektionen in einer Einrichtung, in einer Schule passieren."

Es gibt Studien, die den Schulbetrieb nicht befürworten - was sagen Sie dazu?

Martin: "Wir in Mecklenburg-Vorpommern haben wirklich sehr niedrige Zahlen zum jetzigen Zeitpunkt. Ich halte es für absolut wichtig, dass wir das Recht auf Bildung der Kinder auch umsetzen, natürlich verantwortungsvoll mit Blick auf die Sicherheit der Kinder. Und wenn etwas passiert, können sich die Eltern natürlich darauf verlassen, dass wir sofort mit den Gesundheitsämtern agieren, und entweder einzelne Gruppen schließen oder wenn es sein muss, eben auch eine ganze Grundschule, damit nicht andere Kinder infiziert werden oder unsere Beschäftigten dort. Wir werden natürlich dort dann auch testen. Insofern ist das eine Abwägung zwischen größtmöglicher Sicherheit und Bildung für die Kinder. Und ich möchte noch einmal betonen: Wir müssen auch den Eltern die Möglichkeit geben, wieder einen planbaren Alltag zu führen. Die Eltern müssen ja auch arbeiten. Wir müssen das Recht auf Bildung umsetzen und das in Abwägung mit den notwendigen Hygienemaßnahmen. Ich halte dieses Konzept für richtig und für durchführbar - nicht nur für möglich, sondern auch für notwendig."

Dürfen Bildungspartner wie etwa Musikpädagogen wieder unterrichten?

Drese: "Ja, das dürfen sie wieder. Es muss aber genau dokumentiert werden in der jeweiligen Einrichtung. Wann ist dort welche Musikpädagogin zu welcher Uhrzeit mit welchen Kindern im Unterricht gewesen - auch das ist wieder eine Frage der Nachverfolgbarkeit. Aber es gibt auch Sportvereine, die beispielsweise in den Kitas Angebote machen und ähnliche Externe, aber auch ganz wichtige Sachen wie Frühförderung. All das darf in den Einrichtungen wieder stattfinden, immer vorausgesetzt, man versucht so viel Abstand wie möglich zu halten - besonders unter den Erwachsenen, die das verstehen."

Sollte in Zeiten von Corona in Kita und Schule gesungen werden?

Drese: "Natürlich gehört auch Singen in der Kita dazu. Aber Singen ist etwas, bei dem uns die Mediziner sagen, dass wir dabei ganz besonders viel Luft im Raum austauschen. Also sollte dafür schon ein größerer Raum in der Kita gewählt werden. Sonst kann man auch gut nach draußen gehen."

Martin: "Ich möchte auch noch was zum Singen sagen, weil es in der Schule gegebenenfalls ein bisschen anders ist. Wir haben landesweit die Regelung für Hobbychöre von Erwachsenen, dass die nur dann singen können, wenn sie zwei Meter Abstand voneinander halten. Und das ist deswegen, weil Singen laut Medizinern ganz besonders gefährlich ist, weil dabei vermehrt Aerosole freigesetzt werden. Und deswegen muss auch in der Schule im Musikunterricht nicht unbedingt gesungen werden. Und wenn, dann draußen und auch da muss man Abstand voneinander halten. Insofern muss man im Musikunterricht gegebenenfalls was anderes tun, zum Biespiel Xylophon spielen."

Wie sind die Regelungen für Kinder und Jugendliche im Bus?

Martin: "Für die Schülerbeförderung sind ja die Kreise und Kommunen zuständig, also die sogenannten Schulträger. Und dort ist, seit die Kinder seit April schon wieder in die Schule gehen, immer schon Maskenpflicht gewesen. Diese Maskenpflicht wird beibehalten, weil es natürlich so ist, dass die Kinder im Bus nicht anderthalb Meter Abstand halten. Die Maskenpflicht ist notwendig und richtig, weil dort ja auch Kinder unterschiedlicher Gruppen zusammen sind - mit Masken."

Können zurzeit überhaupt Klassenfahrten stattfinden?

Martin: "Es ist möglich, Klassenfahrten durchzuführen, im Moment. Es ist natürlich nur dort möglich, wo keine Risikogebiete sind (...) und unter Einhaltung aller Hygienebedingungen. Und ich würde zum Beispiel allen abraten, im Moment ins Ausland zu fahren, weil man nie weiß, wie es dort morgen oder übermorgen aussieht. Innerhalb Deutschlands ist das erlaubt und möglich."

Wie geht es mit Kindern weiter, die zu Risikogruppen zählen?

Drese: "Da ist es so, dass der Kinderarzt zu konsultieren ist, ob der Besuch einer Kita möglich ist. Es gibt ja auch Kinder mit Vorerkrankungen, gerade wenn sie betroffen sind im Bereich der Lunge, wo man noch mal ganz besonders draufgucken muss, also ohne jetzt den Einzelfall im Detail zu kennen, muss das natürlich noch mal mit dem Kinderarzt erörtert werden. Unter welchen Bedingungen können die Kinder dort überhaupt betreut werden?"

Muss ich mein Kitakind zu Hause behalten, wenn es Schnupfensymptome hat?

Drese: "Ich glaube, generell sind wir alle gehalten, sehr sensibel zu sein. Mütter, Väter, Erzieherinnen und Erzieher müssen da ganz genau hingucken und abwägen. Nicht jedes Kind, das mit einer Schnupfnase zwei Tage zu Hause bleibt, ist auch von der Kita auszuschließen. Es geht darum, zu gucken: Kann es sein, dass das Kind mit Fieber, mit Husten, mit ähnlichen Symptomen unterwegs ist? Da muss auch jede Mutter, jeder Vater, ein gutes Gefühl dafür entwickeln - in der jetzigen Zeit, lasse ich da nicht lieber mal den Kinderarzt drüber gucken?! Oder ist das etwas, wo ich sage, gut, es ist Herbst. Alle, die kleine Kinder haben, werden das kennen. Ich habe Zwillinge, die haben sich gegenseitig immer mit Schnupfen und Husten angesteckt. Auch so was wird es in diesem Jahr geben. Abzuwägen, das verlangt uns allen viel ab, genauso wie bei den Masken im Bus. Sorgfalt ist auch dort anzusetzen."

Dürfen Oma und Opa zur Einschulung mitgehen?

Martin: "Es kommt auf die Schulen an und darauf, wie groß die Räume sind. Viele Schulen sind wirklich unheimlich kreativ, was die Einschulungsfeiern angeht. Die gehen raus, die gehen in große Räume, in die Turnhalle - je nachdem, was möglich ist. Die Kinder selbst werden ja dann in ihrer definierten Gruppe sein, die müssen ja zueinander dann gar keinen Abstand halten, aber natürlich die Gäste. Und wenn sie dann reinpassen mit Abstandsregelungen - da haben wir klare Regelungen, wie viele Menschen in einen Raum dürfen im Moment. Wenn das passt, können auch Oma und Opa zur Einschulung kommen."

Wie sieht es künftig mit digitalem Unterricht an den Schulen aus?

Martin: "Wenn man dieser Pandemie etwas Positives abgewinnen kann, dann, dass wir im digitalen Bereich unheimlich vorangekommen sind. Wir haben für alle Schulen ein Lernmanagementsystem eingeführt. Alle Schulen können kostenlos damit arbeiten. Wir sind jetzt dabei, dass auch videobasierter Unterricht darüber eingeführt wird. Wir haben wirklich großartige Möglichkeiten geschaffen. Wir haben Lehrerfortbildungen dazu hochgefahren. Wir haben auch Kinder, die Vorerkrankungen haben - auch für sie muss der digitale Unterricht gesichert werden, sie haben eine Schulpflicht. (...) Das Geld kann jetzt fließen, die Schulträger beschaffen jetzt Endgeräte für benachteiligte Schülerinnen und Schüler."

Können Sie garantieren, dass die Hortplätze wieder zur Verfügung stehen?

Drese: "Ja, also wer vorher einen Anspruch auf Hort hatte - da gibt es ja Teilzeitplätze und Ganztagsplätze - der wird den Hort wieder in Anspruch nehmen können. Auch das Mittagessen findet wieder statt, sodass für die Grundschulkinder mit dem Unterricht am Vormittag, dem Transport nach dem Mittagessen und dem Hort wieder ein ganzes Stück Normalität Einzug gehalten hat."

Kann ich mein Kind befreien lassen, wenn es zur Risikogruppe gehört?

Martin: "Ja. Kinder, die zur Risikogruppe gehören, können sich vom Präsenzunterricht befreien lassen, also von der Pflicht, in die Schule zu kommen. Bei vielen Kindern, die eine Vorerkrankung haben, wissen es ja die Schulen - die müssen dann nicht noch einmal ein Attest bringen. Das sind oft chronische Erkrankungen. Auch diese Kinder brauchen natürlich Bildung und das müssen wir sicherstellen. Die kriegen dann einen Vertrauenslehrer oder eine Vertrauenslehrerin. Und dort wird dann gesehen, wie man bestmöglich auch diese Kinder im Fernunterricht beschulen kann."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.07.2020 | 18:00 Uhr

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