eine junge Frau sitzt im Sand an einem Zaunpfahl am Strand von Warnemünde. © dpa Foto: Jens Büttner

Vor dem Gipfel: Wirtschaft hofft auf Öffnungsschritte

Stand: 22.03.2021 07:10 Uhr

Vor dem heutigen Bund-Länder-Gipfel haben sich Wirtschaftsverbände für weitere Öffnungsschritte ausgesprochen - trotz steigender Inzidenzwerte.

Die Tourismusbranche Mecklenburg-Vorpommerns verspricht sich vom Bund-Länder-Gipfel Signale für Öffnungsschritte. "Wir hoffen, dass diese Hoffnung dann wirklich mit reellen Vorhaben und Planungen untersetzt werden kann", sagte der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf. Denn bereits in einer Woche beginnen die Osterferien. "Es muss eine klare Öffnungsperspektive mit einer Teststrategie her", sagte auch der Präsident des Dehoga Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz. 20 Eigentümer von Ferienwohnungen und -häusern wollen unterdessen das coronabedingte Beherbergungsverbot in Mecklenburg-Vorpommern gerichtlich kippen. Sie haben einen Antrag beim Oberverwaltungsgericht Greifswald gestellt.

Unternehmensverbände: Infektionstreiber im privaten Umfeld lokalisierbar

Die Vereinigung der Unternehmensverbände Mecklenburg-Vorpommern rief Bund und Land dazu auf, zügige Entscheidungen zur Rettung bedrohter Betriebe zu treffen und wichtige Bereiche vor Ostern zu öffnen. Der Anstieg der Corona-Zahlen sei weder dem Einzelhandel noch dem Tourismus und anderen vom Lockdown betroffenen Branchen anzulasten, erklärte am Sonntag Geschäftsführer Sven Müller. Die Inzidenzen stiegen auch dort, wo der Einzelhandel noch nicht geöffnet wurde. "Die Infektionstreiber scheinen sich nach wie vor im privaten Umfeld lokalisieren zu lassen."

Rostocks OB Madsen wirbt für Pilotprojekte

Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen forderte im Vorfeld des Gipfels vom Bund und vom Land Mecklenburg-Vorpommern mehr Hilfen für alle vom Lockdown Betroffenen. "Öffnungen und Schließungen sind ein schwerer Prozess, aber es darf nicht sein, dass einzelne Unternehmen oder Menschen die Folgen der Pandemie allein tragen müssen", schrieb der parteilose Politiker in einem am Sonntag veröffentlichten Brief an Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Madsen warb zudem für mehr Pilotprojekte in Kommunen, um neue Strategien und neues Wissen zu generieren. "Wir alle können so besser verstehen, wo sich Menschen infizieren, wie sich die Infektionen ausbreiten und welche Alternativen wir im Handeln haben." Madsen schlug vor, dass eine Kommission aus Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen das Rechts- und Verordnungssystem zur Corona-Pandemie entschlacken sollte.

Kommunalverbände befürchten bröckelnden Rückhalt

Der Deutsche Städtetag sowie der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderten eine Abkehr von der starren Fokussierung auf den Inzidenzwert, der die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche beschreibt. "Ich mache mir Sorgen, dass die Corona-Politik von Bund und Ländern die Unterstützung vor Ort verliert - auch bei den Oberbürgermeistern", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er forderte, nicht nur auf die Inzidenzwerte zu schauen. "Wir sollten in Deutschland einen neuen Corona-Indikator einführen, der auch die Impfquote, die Belastung der Intensivstationen und die Fallsterblichkeit berücksichtigt." Auch der Städte- und Gemeindebund mahnte, der Inzidenzwert sollte nicht der einzige Maßstab sein.

Weitere Informationen
Ein Pflaster wird auf den Arm einer Frau geklebt. © PantherMedia Foto: candy18

Corona-News-Ticker: 1,35 Millionen Impfungen an einem Tag

Bundesweit sind laut Robert Koch-Institut nun knapp 36 Prozent der Menschen mindestens einmal geimpft. Mehr News im Ticker. mehr

Umfrage: Ein Drittel für schärfere Corona-Regeln

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich unterdessen 30 Prozent dafür aus, den Lockdown wieder auszuweiten. 23 Prozent sind dagegen für eine Beibehaltung der derzeitigen Maßnahmen, 22 Prozent für eine Lockerung. 15 Prozent befürworten ein Ende aller Einschränkungen der Freiheitsrechte. Zehn Prozent machten keine Angaben. Die repräsentative Umfrage unter 2.059 Personen wurde in der vergangenen Woche durchgeführt

Weitere Informationen
Binz auf Rügen mit einer Projektion des Coronavirus (Montage) © picture alliance / Eibner-Pressefoto, PantherMedia Foto: Augst, Aleksandar Ilic

1 Jahr Corona und wir in MV

Vor einem Jahr haben sich in Mecklenburg-Vorpommern die ersten Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Der NDR blickt auf eine turbulente Zeit zurück. mehr

Türschild mit der Aufschrift "geschlossen" © fotolia.com Foto: Friedberg

Wirtschaft "maximal enttäuscht" von MV-Gipfel

Unternehmensverbände und Gastgewerbe äußerten sich nach der Präsentation der Beschlüsse des MV-Gipfels unzufrieden. mehr

Manuela Schwesig

Corona: Einzelhandel im ganzen Land kann wieder loslegen

Die Geschäfte in Mecklenburg-Vorpommern können am Montag wieder öffnen, solange der Landesinzidenzwert unter 100 liegt. mehr

Service
Smartphone Telefon-Tastatur. © iStockphoto Foto: Krystian Nawrockii

Bürgertelefone zum Coronavirus

Ministerien, Behörden und Verbände in Mecklenburg-Vorpommern haben Bürgertelefone und Hotlines für Fragen zum Coronavirus geschaltet. Hier finden Sie eine Übersicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 21.03.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Ein Schild mit der Aufschrift "Geöffnet" steht vor einem Sportgeschäft. © picture alliance/dpa | Frank Molter Foto: picture alliance/dpa | Frank Molter

Einzelhandel darf öffnen im Landkreis Vorpommern-Rügen

Eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 - stabil seit einer Woche: deshalb darf der Einzelhandel im Landkreis Vorpommern-Rügen vorfristig öffnen. mehr