Schweinepest in MV nun auch bei Wildschweinen nachgewiesen

Stand: 26.11.2021 14:19 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern sind erstmals Wildschweine festgestellt worden, die von Afrikanischer Schweinepest (ASP) befallen waren.

Zehn Tage nach dem ersten Auftreten in einem Mastbetrieb im Landkreis Rostock ist die gefährliche Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Mecklenburg-Vorpommern auch bei mehreren Wildschweinen nachgewiesen worden. In den Ruhner Bergen im Landkreis Ludwigslust-Parchim nahe Marnitz wurde zunächst während einer Drückjagd von Treibern ein toter Frischling gefunden. Wie eine Sprecherin des Schweriner Agrarministeriums bestätigte, hat das Nationale Referenzlabor - das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf Riems - die Tierseuche bei dem Kadaver nachgewiesen. Inzwischen wurde die ASP auch bei drei Wildschweinen entdeckt, die während der Drückjagd geschossen wurden, so ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim.

Virusverbreitung soll verhindert werden

Um den Fundort des Kadavers soll mit einem Radius von drei Kilometern ein Zaun gezogen werden. Innerhalb des Zaunes sollen alle Wildschweine erlegt und entsorgt werden, kündigte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) an. Niemand Unbefugtes darf die Sperrzone betreten. Das gilt zum Beispiel für Spaziergänger.

30.000 Hausschweine im Überwachungsgebiet

Neben der Kernschutzzone südwestlich der A24 zwischen Marnitz und Ziegendorf hat der Landkreis ein größeres Überwachungsgebiet ausgewiesen, das über die Stadt Parchim hinausreicht. Dort werden den Angaben zufolge die Hausschweinbestände besonders beobachtet. Die Behörden gehen davon aus, dass es in dem Gebiet 106 Hausschweinbestände mit zusammen 25.000 bis 30.000 Tieren gibt. Acht dieser Betriebe haben den Angaben zufolge mehr als 100 Schweine. Bisher lägen keine Hinweise vor, dass Haustierbestände in der Region von der Afrikanischen Schweinepest betroffen seien. Halter müssen insbesondere sicherstellen, dass Hausschweine nicht mit Wildschweinen in Kontakt kommen können.

Verbandspräsident befürchtet weitere Fälle

Volker Böhning, Präsident des Landes- und des Bundesjagdverbandes, zeigte sich beunruhigt, weil der Fundort des Frischlings mehr als 150 Kilometer entfernt - und nicht in der Nähe - vom nächsten ASP-Fall in Brandenburg liegt. Er gehe davon aus, dass es weitere Fälle geben wird, auch in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, sagte Böhning NDR MV Live.

4.000 Schweine getötet

Mitte November war die Tierseuche erstmals in Mecklenburg-Vorpommern bei einem Schweinezuchtbetrieb in Lalendorf festgestellt worden. Dort waren rund 4.000 Tiere getötet worden. Anfang dieser Woche schätzte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) die Seuchen-Lage in und um Lalendorf als "unter Kontrolle" ein. Von Wildschweinen wurde das Virus offenbar nicht in die Anlage getragen. Lalendorf selbst sowie die Sperr - und Beobachtungszonen im Umkreis von drei und zehn Kilometern seien intensiv mit Spezialdrohnen und Seuchen-Spürhunden abgesucht worden. "Es gibt keine Hinweise auf ein aktives ASP-Geschehen in der Wildschweinpopulation rund um den von ASP betroffenen Betrieb", sagte Backhaus. Das sei ein gutes Zeichen aber kein Anlass zur Entwarnung. "Wir gehen davon aus, dass wir es mit einem Punkteintrag zu tun haben", so der Minister weiter.

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Mindestens bis Februar müssten Schweinehalter im Nordosten mit den strengen Sicherheitsvorkehrungen leben, so Backhaus. Er sicherte zu, dass die großen Schlachthöfe weiter Schweine aus Mecklenburg-Vorpommern verarbeiten. Drückjagden auf Schwarzwild sollten unbedingt auch weiterhin erfolgen - auch im Gebiet um Lalendorf. Dort würden die Jäger für zur Strecke gebrachtes Wild, das nicht verwertet werden darf, mit 100 Euro pro Wildschwein vom Land entschädigt.

Zaun soll vor Einschleppung schützen

Um zu verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) durch Wildschweine aus Polen nach Mecklenburg-Vorpommern eingeschleppt wird, hatte das Land entlang der Grenze zum Nachbarland einen 100 Kilometer langen Zaun aufgebaut. Die Barriere soll durch einen zweiten Zaun verstärkt werden, der parallel zum ersten verlaufen soll. Die Landesregierung bewilligte dafür 5,8 Millionen Euro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 25.11.2021 | 11:00 Uhr

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