Stand: 17.04.2019 14:00 Uhr

Rostock-Sassnitz: ODEG macht der Bahn Konkurrenz

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Bisher fährt auf der Linie noch der Regionalexpress der Deutschen Bahn. Ab Dezember soll die ODEG übernehmen. (Archivbild)

Die Deutsche Bahn zieht im Wettbewerb mit einem Konkurrenten offenbar den Kürzeren. Das Landesverkehrsministerium will den Betrieb auf der Strecke zwischen Rostock und Sassnitz sowie zwischen Rostock und Züssow bei Greifswald überraschend an die Ostdeutsche Eisenbahn Gesellschaft (ODEG) geben. Das geht aus einer Auftragsbekanntmachung hervor, die NDR 1 Radio MV vorliegt.

Auftrag ohne Vergabeverfahren

Bisher fährt auf der Linie RE 9 noch der Regionalexpress der Deutschen Bahn. Ab Dezember soll die ODEG mit Sitz in Parchim übernehmen. Offenbar erfolgt der Zuschlag in einem Hau-Ruck-Verfahren und unter Zeitdruck. Die Verkehrsgesellschaft, die im Auftrag des Ministeriums den Zugverkehr bestellt, hat an diesem Montag eine sogenannte Notmaßnahme angekündigt. Weil der alte Verkehrsauftrag für die Strecke im Dezember ausläuft und ein normales Vergabeverfahren bis dahin nicht mehr abgewickelt werden könne, will die Verkehrsgesellschaft den Auftrag für die Strecke freihändig - ohne Vergabeverfahren - erteilen. Andernfalls drohe eine "unmittelbare Gefahr einer Unterbrechung der Verkehrsdienste". Nach Dezember müsste dann ohne diese Notmaßnahme mit einer vorläufigen Einstellung des Zugverkehrs gerechnet werden.

ODEG mit 1,8 Millionen Zugkilometern in MV

Nutznießer der eiligen Notmaßnahme ist die ODEG. Sie soll die Strecke zunächst für zwei Jahre bedienen. Die Verkehrsgesellschaft will diese Zeit nach eigenen Angaben nutzen, um ein geregeltes Verfahren auf die Beine zu stellen. Die ODEG betreibt im Land bereits die Linie zwischen Wismar und dem brandenburgischen Cottbus, außerdem die Verbindungen von Parchim nach Rehna und Hagenow. Auf dem sogenannten Teilnetz Ostseeküste Ost soll die ODEG jetzt pro Jahr 1,8 Millionen Zugkilometer fahren. Das macht für das Land geschätzte Kosten von 23 Millionen Euro aus. Die Deutsche Bahn reagierte auf Anfrage von NDR 1 Radio MV überrascht. Man werde die Sache prüfen, so eine Sprecherin, die Bahn stehe auch weiter als Betreiber für die Linie zur Verfügung. Die ODEG will das nicht kommentieren.

Ministerium verteidigt Entscheidung

Das Verkehrsministerium in Schwerin hat die fragwürdige Vergabe des Auftrags an die ODEG inzwischen verteidigt. Die Entscheidung für das Unternehmen sei nach einem Abwägungsprozess erfolgt. Dabei habe man auch die Vor- und Nachteile einer Beauftragung des bisherigen Anbieters - der DB Regio - untersucht. Man sei schließlich zu dem Schluss gekommen, dass die Vorteile bei der ODEG überwiegen. Welche konkreten Punkte - beispielsweise Preis oder Service - den Ausschlag für die ODEG erbracht haben, ließ das Ministerium offen. "Es können keine weitere Auskünfte erteilt werden", so eine Sprecherin.

Experten: Laufzeit-Ende "verschlafen"

Das Ministerium bestätigte NDR 1 Radio MV, dass der Vertrag für die Strecke mit der DB Regio bereits Ende November 2005 abgeschlossen wurde und ab Dezember 2007 eine Laufzeit von zwölf Jahren hatte. Die Vermutung von Experten, die Verkehrsgesellschaft habe das Laufzeit-Ende zum kommenden Dezember schlicht "verschlafen", wird damit bestärkt.

Weitere Vergabe ohne Bieterverfahren

Offenbar bleibt diese Notmaßnahme kein Einzelfall. Das Ministerium erklärte, dass auch das "Teilstreckennetz Ostseeküste West" auf diese Weise vergeben wird - also ohne reguläres Bieterverfahren. Es sei beabsichtigt, dabei die DB Regio zum Zug kommen zu lassen - ebenfalls vorerst in einer zweijährigen Übergangszeit. Das Unternehmen befährt die Strecke schon jetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.04.2019 | 15:00 Uhr

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