Stand: 12.07.2018 14:20 Uhr

Prora: Zwei Kaufinteressenten für Block V

Für Block V der NS-Hinterlassenschaft in Prora auf Rügen gibt es zwei Interessenten. Im Bieterverfahren, das am Donnerstagmittag zu Ende gegangen ist, seien zwei Gebote abgegeben worden, teilte ein Sprecher des Landkreises Vorpommern-Rügen mit. Nun würden die Gebote zunächst verglichen und bewertet. Dazu soll sich am 18. Juli eine Arbeitsgruppe des Kreises treffen. Zu den Bietern und Höhe der Gebote machte der Kreis keine Angaben. Landrat Ralf Drescher (CDU) zeigte sich mit dem Ausgang des Verfahrens sehr zufrieden.

Prora: Aufbau, Verfall und Sanierung

Abstimmung über Käufer im Oktober?

Der Kreistag soll möglichst Anfang Oktober über Käufer und Kaufvertrag abstimmen. Im März hatte das Kommunalparlament den Weg für den Verkauf und damit die Sanierung des etwa 300 Meter langen Abschnitts freigemacht. Der insgesamt 450 Meter lange Block V ist der letzte der einst von den Nationalsozialisten als "Seebad der 20.000" geplanten Anlage, der noch in öffentlicher Hand ist.

Bildungsstätte soll über bewegte Geschichte informieren

Auf dem zum Verkauf angebotenen Areal sollen Wohnungen entstehen. Im sanierten Teil des Blockes ist seit 2011 eine Jugendherberge beheimatet. Zwischen Herberge und dem Teil, der für Wohnungen bestimmt ist, soll eine Bildungs- und Dokumentationsstätte entstehen, die über die bewegte NS- und DDR-Geschichte des Gebäudes informiert.

Suche nach einem Träger

Der Bund will ein solches Bildungs- und Dokumentationszentrum Prora mit bis zu 3,4 Millionen Euro fördern. Jedoch fehlt noch ein Träger. Zudem liegen die geschätzten Kosten für das Zentrum bei mehr als 7 Millionen Euro. Der Kreis und die Vereine setzen sowohl bei den Kosten als auch bei der Trägerschaft auf das Land. Landrat Drescher trifft sich noch am Donnerstag mit einem Vertreter aus dem Kultur- und Bildungsministerium treffen. Heute würden die Weichen gestellt, aber im Bahnhof seien man noch lange nicht angekommen, meinte Drescher.

Vier Blöcke bereits verkauft

Fünf Blocks sind in Prora noch komplett erhalten, vier von ihnen wurden bereits verkauft. Privatinvestoren haben dort Hunderte von Wohn- und Ferienwohnungen bauen lassen. Der künftige Eigentümer ist verpflichtet, die von der Jugendherberge benötigte Infrastruktur zu schaffen, wie es hieß. Allein die Kosten für die Verlegung des Campingplatzes werden mit rund 1,5 Millionen Euro beziffert. Ein Kleinspielfeld sowie Sanitärgebäude und Wege gehören auch dazu.

Prora-Entwickler Ulrich Busch ist entgegen früherer Ankündigungen nicht unter den Kaufinteressenten. Wie sein Sprecher sagte, sei Busch - Sohn des Arbeitersängers Ernst Busch (1900-1980) - mit einem anderen Neubauprojekt in Prora befasst. Der Investor hatte 2006 die ersten beiden Blöcke von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben und zur Baureife geführt. Die Anlage war 1936 von den Nationalsozialisten als 4,5 Kilometer lange Ferienanlage konzipiert und im Rohbau errichtet worden. Mit Kriegsausbruch wurden die Arbeiten eingestellt. Die DDR baute Prora zu einem riesigen Militärkomplex aus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.07.2018 | 16:15 Uhr

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