Stand: 25.06.2019 17:45 Uhr

Nach Eurofighter-Absturz: Flugdatenschreiber gefunden

Beide Flugdatenschreiber der am Montag in Mecklenburg-Vorpommern abgestürzten Eurofighter sind nach Angaben der Luftwaffe gefunden worden, einer sei bereits geborgen. Das teilte die Luftwaffe per Twitter mit. Nun müsse die Vielzahl der Daten ausgewertet werden, so der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz. Das sei äußerst komplex. Seit gestern hatten 300 Bundeswehrsoldaten die Unglücksstellen abgesichert und nach den Datenschreibern gesucht.

Ein Soldat steht an einer Straßensperre nahe eines Waldgebietes. © dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Ursachensuche nach Unglück mit Eurofightern

Nordmagazin -

Die Piloten von Eurofightern müssen bei Trainingsflügen bis an ihre Belastungsgrenze gehen. Nach dem Unglück mit zwei Kampfjets in Laage fordern Kritiker erneut mehr Einheiten im Simulator.

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Eurofighter-Flüge vorerst eingestellt

Nach dem Absturz sind die Starts der Kampfjets am Standort des Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff" in Laage bei Rostock vorerst eingestellt worden. Von dort aus waren die beiden verunglückten Maschinen gestartet. Die Fahnen wehen am Standort auf Halbmast, Soldatinnen und Soldaten trauern um einen der beiden Piloten, der bei dem Zusammenstoß ums Leben gekommen ist. Der 27-Jährige war zur Ausbildung in Laage. Sein Ausbilder, ein nach Angaben der Luftwaffe sehr erfahrener Pilot, konnte sich retten. Er liegt weiter im Krankenhaus in Rostock.

Ende der Flugmanöver gefordert

Die Kollision entfachte eine Debatte über Luftkampfübungen über Urlaubsgebieten. Unter anderem fordert die Linksfraktion im Landtag in Schwerin ein Ende der Luftkampfmanöver. Der parlamentarische Geschäftsführer Peter Ritter sagte, die Übungen seien unnötig. Auch die Grünen sehen die Überflüge kritisch. "Generell müssen solche Flug-Manöver kritisch hinterfragt werden - nicht nur bei erhöhter Waldbrandgefahr, sondern auch, da Emissionen, Lärm und auch die Gefahren für die Bevölkerung nicht unerheblich sind", sagte die Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern Claudia Schulz. "Es muss geprüft werden, in welchen Regionen und in welchem Ausmaß Eurofighter fliegen dürfen, und inwiefern man die Flüge über Urlaubsregionen einschränken kann."

Norbert Möller, Bürgermeister von Waren an der Müritz, äußerte sich ähnlich. Die Flüge würden Lärm verursachen und die Umwelt schädigen. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2.500 Kilometer pro Stunde seien die Eurofighter und deren simulierte Einsätze nicht ungefährlich. Es hätte nur wenige Sekunden gebraucht und die Flugzeuge wären über Waren oder Malchow abgestürzt, so der SPD-Politiker. Die Region befindet sich derzeit mitten in der Urlaubssaison. Pro Jahr zählt die Seenplatte über vier Millionen Übernachtungen und ist damit ein touristisches Schwergewicht in Mecklenburg-Vorpommern.

Überblick in Bildern: Eurofighter-Absturz in MV

Auch Almuth Köhler (CDU), Bürgermeisterin von Silz und Nossentin, wo eines der verunglückten Flugzeuge abstürzte, forderte eine Prüfung der Tiefflüge. "Unser Campingplatz und eine Ferienhaussiedlung am Fleesensee sind gerade voll besetzt", sagte sie. Im Ort Nossentiner Hütte ging ein Trümmerteil neben einem Kindergarten nieder.

CDU-Politiker Otte hält dagegen

Gegenwind gab es aus der Bundespolitik. Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion Henning Otte erklärte: "Die Bundeswehr muss dort üben, wo sie im Bedarfsfall auch verteidigt." In Laage starten die Kampfjets etwa 20 Mal pro Tag, so der Presseoffizier des Geschwaders, das auf dem Luftwaffenstützpunkt bei Rostock stationiert ist. Das Übungsgebiet könne mitunter täglich wechseln, es werde von der Deutschen Flugsicherung zugewiesen. Festgelegt werden dabei auch Details wie der Zeittraum und die Höhe der Übungen. Tiefflüge sind nach Angaben der Bundeswehr Flüge unter 1.500 Fuß (etwa 500 Meter), wobei die Mindesthöhe bei 300 Metern über Null liegt. Ausgenommen sind nach Angaben von Verteidigungsexperten Tiefflüge über Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern, in Flugkontrollzonen, über Kernkraftwerken und bestimmten Industrieanlagen. Neben dem Luftraum von Mecklenburg-Vorpommern sind die Eurofighter auch über Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Brandenburg unterwegs, so der Sprecher der Deutschen Luftwaffe.

Suche nach Wrackteilen dauert wohl länger

Seit gestern hatten 300 Bundeswehrsoldaten die Unglücksstellen abgesichert und nach den Datenschreiber gesucht. Sie werden auch noch in den kommenden Tagen in der Region bleiben um Trümmerteile zu bergen. Die Menschen in der Region müssen sich länger als zunächst gedacht auf Sperrungen einstellen. Wie ein Sprecher der Bundeswehr am Dienstag nach einer Lageberatung in Nossentin sagte, könnte die Suche nach Wrackteilen noch über das kommende Wochenende hinaus andauern. Das mehrere Quadratkilometer große Gebiet, in dem Teile der zwei abgestürzten Maschinen vermutet werden, sei zum Teil unwegsam und soll mit zusätzlichen Kräften systematisch durchkämmt werden. Zum Suchgebiet gehören auch Wasserflächen.

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Vorsicht vor Wrackteilen

Soldaten sollen das Gebiet weiträumig über 24 Stunden absperren und die Sperrpunkte bewachen. Der Sprecher rief die Einwohner auf, ihre Gäste bei den Wachleuten registrieren zu lassen, damit sie in die Sperrgebiete hineinkommen und auch wieder hinauskommen. Man wolle verhindern, dass Wrackteile von Unbekannten gefunden und mitgenommen würden. Die Bundeswehr warnt davor, Wrackteile anzufassen. Die Flugzeuge bestehen aus Kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, der, wenn er brennt oder bricht gesundheitlich bedenkliche Stoffe freisetzen kann. Hinzu kommen Treibstoffe, Öle und Kühlmittel, die zu giftigen Gasen verdampfen können, so ein Sprecher der Deutschen Luftwaffe. Wer Wrackteile findet, soll sich umgehend bei der Polizei melden.

"Es geht darum, den Vorgang lückenlos aufzuklären."

Im Luftraum nordöstlich von Malchow waren am Montag zwei Eurofighter der Bundeswehr während einer Luftkampfübung zusammengestoßen und abgestürzt. Ein Pilot kam ums Leben, ein zweiter konnte gerettet werden. Es war das schwerste Unglück der Bundeswehr in Deutschland seit vielen Jahren. Am Montagabend war der General Flugsicherheit der Bundeswehr, Peter Klement, in Nossentin beim Kommandostand eingetroffen und hatte die Leitung der Flugunfalluntersuchung übernommen. "Jetzt geht es darum, den ganzen Vorgang lückenlos aufzuklären, um eine Erklärung für den Unfallhergang zu finden", sagte ein Sprecher der Luftwaffe.

Luftwaffe sagt Familientag in Wittmund ab

Die Luftwaffe sagte wegen des Unglücks den Familientag beim Richthofengeschwader im ostfriesischen Wittmund ab. Das sei aus Anteilnahme und Verbundenheit mit den Angehörigen des tödlich verunglückten Kameraden geschehen, sagte ein Sprecher des Geschwaders am Dienstag. Auf dem Stützpunkt in Wittmund sollte am Sonnabend die Gründung des Jagdgeschwaders 71 vor 60 Jahren gefeiert werden. Dabei waren auch Flugvorführungen von Eurofightern geplant. In Wittmund ist eine Alarmrotte mit diesen Jagdflugzeugen zur Überwachung des norddeutschen Luftraumes stationiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.06.2019 | 17:00 Uhr

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