Schwerin: Geflüchtete aus der Ukraine warten vor der zentralen Erfassungsstelle für Ukraine-Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern. © Jens Büttner/dpa Foto: Jens Büttner/dpa

Nach Bürgerversammlung zu Upahl: Einwohner weiter unzufrieden

Stand: 03.02.2023 22:10 Uhr

Am Freitagabend hat in Grevesmühlen eine Bürgerversammlung zur geplanten Containerunterkunft für Flüchtlinge in Upahl stattgefunden. Viele Einwohner waren gekommen, um unter anderem mit Innenminister Christian Pegel und Nordwestmecklenburgs Landrat Tino Schomann zu diskutieren.

Im 500-Einwohner-Dorf Upahl im Landkreis Nordwestmecklenburg sollen bis zu 400 Flüchtlinge in einer Containersiedlung im Gewerbegebiet des Ortes untergebracht werden. Dies hatte der Kreistag in der vergangenen Woche beschlossen. Auf Seiten der Einwohner gibt es Widerstand. Um den Sorgen der Upahler Bürger zu begegnen, wurde am Freitagabend zur Bürgerversammlung geladen. Gut 400 Einwohner und Gewerbetreibende des Ortes kamen nach Grevesmühlen, um ihre Sorgen zu äußern und Fragen zu stellen. Nur sie waren zur Veranstaltung zugelassen, die unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen stattfand.

Bei einer Kreistagssitzung Ende vergangener Woche kam es teilweise zu Tumulten bei einer Protestdemonstration von 700 Menschen. Die Versammlung, die in der Sporthalle des Gymnasiums am Tannenberg stattfand, war entsprechend geschützt. Rund 120 Polizeibeamte waren in Grevesmühlen im Einsatz.

Weitere Informationen
Voller Saal bei der Bürgerversammlung zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in Upahl. © NDR Foto: NDR

Liveticker: Bürgerversammlung zu Upahl - Einwohner äußern Sorgen

In Grevesmühlen hat eine Info-Veranstaltung zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in Upahl stattgefunden. Der Abend zum Nachlesen im Liveticker. mehr

Seit November 2022 mehr Flüchtlinge

Auf dem Podium in der Sporthalle hatten unter anderem der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Christian Pegel (SPD), und der zuständige Landrat, Tino Schomann (CDU), Platz genommen. Sie erklärten, wie es zu der Entscheidung für Upahl kam und wie die bis zu 400 Flüchtlinge in den Containern in einem Gewerbegebiet unterkommen sollen. Schomann wiederholte an diesem Abend immer wieder, er habe keine andere Chance gehabt. Die Unterbringung sei vor allem deshalb notwendig, weil seit November 2022 deutlich mehr Flüchtlinge zugewiesen werden. Schomann betonte aber auch, dass Upahl nur als "Überbrückung" diene. Es werde weiter nach Alternativen gesucht, um den Ort schnell zu entlasten.

Container werden aufgebaut

Andere Optionen - wie die Unterbringung in Gägelow, Grevesmühlen oder Gadebusch - mussten in der Vergangenheit aber aus unterschiedlichen Gründen verworfen werden. Die Verträge für den Bau der Unterkunft sind unterzeichnet. Da die Zeit dränge, müsse dieser in der kommenden Woche beginnen, so Schomann. Dennoch könnte Upahl noch gekippt werden, wenn sich kurzfristig Grundstücke finden sollten. Am Donnerstag soll es erneut ein Treffen der Verantwortlichen geben. Auch eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge sei noch im Gespräch.

Einwohner der Gemeinde Upahl sitzen in einer Turnhalle bei der Bürgerversammlung des Landkreises Nordwestmecklenburg zur Schaffung einer Gemeinschaftsunterkunft in der Gemeinde Upahl und stellen Fragen zum Aufbau der Containerwohnanlage. © dpa Foto: Jens Büttner
AUDIO: Flüchtlingsunterkunft Upahl: Weitere Proteste angekündigt (5 Min)

Sorgen der Einwohner

In den Augen von Innenminister Pegel ist Upahl keine "günstige Lösung". Die Ängste der Einwohner vor zum Beispiel zunehmender Kriminalität wollte der Minister den Menschen aber nehmen. Es gebe keine gesteigerte Gefahr in anderen Einrichtungen und Sicherheitsvorkehrungen dort vor Ort, so Pegel. Dennoch wurden viele solcher Ängste bei der Fragestunde geäußert. In erster Linie sorgen sich die Bürger wegen der Größe der Unterkunft im Verhältnis zur Einwohnerzahl ihres Dorfes. Der Ort hat etwa 500 Einwohner.

Weitere Informationen
Das Ortseingangsschild von Upahl. © dpa Foto: Bernd Wüstneck

Flüchtlingsunterkunft Upahl - eine Lösung, die keiner will

Im 500-Einwohner-Dorf Upahl wird ein Containerdorf für bis zu 400 Flüchtlinge errichtet. Wie ist es zu dieser Entscheidung gekommen? mehr

Die Dorfbewohner fürchten Auseinandersetzungen mit und unter den Flüchtlingen, Übergriffe vor allem auf Frauen oder ihr Eigentum sowie um ihre wirtschaftliche Existenz. Pegel hielt dagegen: "Der Polizeiinspektionsleiter hat ja ganz ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir aus den vergleichbaren Beispielen, wo entsprechende Gemeinschaftsunterkünfte sind, eben keine Steigerung des Kriminalitätsaufkommens haben. Positiv formuliert: Das sind genauso gute Menschen wie wir", so der Minister.

Auch Einzelheiten zu den Rahmenbedingen für die Unterbringung wollten die Bürger erfahren. So soll es einen Wachdienst vor Ort geben, für die Anbindung an die nächstgrößeren Städte werde der Öffentliche Nahverkehr erweitert und außerdem sei eine medizinische Betreuung gerade in Planung.

Friedliche Demonstration

Die Integrationsbeauftragte des Landes, Jana Michael, betonte am Abend in Grevesmühlen, dass dafür gearbeitet werde, dass Integration gelinge. Die Upahler nahmen die Veranstaltung und das Gesagte mit Resignation auf. Außer einigen hämischen oder ironischen Äußerungen lief die Veranstaltung aber gesittet ab. Vor der Halle demonstrierten zeitweise rund 100 Menschen mit Trillerpfeifen, Tröten und Sprechchören. Auch hier blieb es friedlich.

Weitere Informationen
Muhamed Alahmed im Portrait. © NDR

Muhamed aus Syrien - Integration als Erfolgsgeschichte

Vom syrischen Kriegsflüchtling zur Fachkraft in der IT-Branche und zum aktiven Ehrenamtler in Mecklenburg-Vorpommern. mehr

Bei einem Vor-Ort-Termin wird eine neue Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Rostock-Marienehe vor ihrer Eröffnung vorgestellt. © Bernd Wüstneck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Bernd Wüstneck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Unterbringung von Geflüchteten: Flüchtlingsrat MV warnt vor Rassismus

Allerdings müsse die Zahl der Untergebrachten in angemessenem Verhältnis zur Einwohnerzahl stehen. Die Kreise seien am Limit, so der Landkreistag MV. mehr

In Grevesmühlen demonstrierten vor der Sondersitzung des Kreistags rund 700 Menschen gegen ein geplantes Flüchtlings-Containerdorf in Upahl. © NDR

Proteste gegen Flüchtlingsunterkünfte: Pegel verurteilt "Eskalation"

Meinungs- und Demonstrationsfreiheit seien zentrale Grundrechte, so der Innenminister. Es sei aber nicht hinnehmbar, wenn Rechtsextreme versuchten, solche Veranstaltungen zu okkupieren. mehr

In Grevesmühlen demonstrierten vor der Sondersitzung des Kreistags rund 700 Menschen gegen ein geplantes Flüchtlings-Containerdorf in Upahl. © NDR

Flüchtlingsunterkunft in Upahl kommt - Tumulte vor Kreistag

Der Kreistag von Nordwestmecklenburg hat mit knapper Mehrheit für den Bau eines Containerdorfs für Flüchtlinge in Upahl gestimmt. Demonstranten versuchten, in das Gebäude einzudringen. mehr

Versammlung in Loitz © NDR Foto: NDR

Loitz: Hitzige Diskussion über Flüchtlingsunterkunft

In Loitz haben rund 200 Menschen über eine Flüchtlingsunterkunft diskutiert. Vorausgegangen war ein Brief mit der Forderung nach mehr Sicherheit. mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 03.02.2023 | 20:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Migration

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Der Ploggenseering in Grevesmühlen © NDR Screenshots

Rassistische Attacke in Grevesmühlen: Politiker zeigen sich erschüttert

Jugendliche sollen einer Achtjährigen aus Ghana ins Gesicht getreten und auch deren Vater verletzt haben. Ministerpräsidentin Schwesig spricht von einer abscheulichen Tat. mehr

Die neue NDR MV App

Ein Smartphone zeigt die Startseite der neuen NDR MV App © NDR Foto: IMAGO. / Bihlmayerfotografie

Mecklenburg-Vorpommern immer dabei - die neue NDR MV App

Artikel, Podcasts, Livestreams: Die NDR MV App ist ganz neu: übersichtlich, kompakt, benutzerfreundlich, aktuell. mehr