Stand: 25.02.2019 16:43 Uhr

NSU-Mord: Rostock erinnert an Mehmet Turgut

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Fachtagung zum Thema rassistische Gewalt in Rostock: Zum Gedenken an das NSU-Opfer Mehmet Turgut berieten Experten über den Umgang mit rechtem Terror.

In Rostock ist an Mehmet Turgut erinnert worden. Vor 15 Jahren hatten Mitglieder des rechtsterroristischen "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) den 25-Jährigen erschossen. Neben einer Gedenkveranstaltung am Tatort fand in Rostock auch eine Fachtagung statt.

Ritter: Untersuchungsausschuss erst am Anfang

Am Vormittag befassten sich Experten bei der Tagung im Rathaus mit dem Mord und rassistischer Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern. Der Landtagsabgeordnete Peter Ritter (Linke), der auch im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der NSU-Taten in Mecklenburg-Vorpommern sitzt, ärgert sich darüber, dass der Ausschuss im Schweriner Landtag erst spät eingesetzt wurde - die Arbeit hätte laut Ritter schon erledigt sein können. Stattdessen stehe man immer noch am Anfang. Es habe bislang erst ein Expertengespräch mit den Mitgliedern des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses in Thüringen gegeben. "Ich bin froh, dass es den Untersuchungsausschuss gibt, aber mit dem erreichten Arbeitsstand bin ich noch lange nicht zufrieden."

Von Allwörden: Niemals zur Tagesordnung übergehen

Die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses im Landtag, die CDU-Politikerin Ann Christin von Allwörden, erklärt, dass mit großer Ernsthaftigkeit daran gearbeitet werde, die Tätigkeit der Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden sowie ihre Zusammenarbeit mit den Kollegen bundesweit auszuwerten. Man dürfe - wenn es um Terror geht - niemals zur Tagesordnung übergehen. Das funktioniert nach Meinung des Generalsekretärs der Landes-SPD, Julian Barlen, in Rostock schon gut: Das Gedenken an Mehmet Turgut habe im Kalender der Stadt einen festen Platz. "Die Stadtpolitik, Initiativen, Vereine, Verbände und einzelne Personen, die sich für eine weitere Aufarbeitung einsetzen und dafür, dass die Auswirkungen rechtsextremer Gewalt im Bewusstsein bleiben, sie alle stehen zusammen."

Angehörige gedenken Turgut am Tatort

Rund 150 Gäste - darunter Angehörige von Mehmet Turgut und anderen Opfern des NSU - fanden sich am Nachmittag zu einer Gedenkveranstaltung am Tatort im Neudierkower Weg ein. Den NSU-Opfern sei jahrelang die Solidarität vorenthalten worden, die sie verdienten, sagte der Rostocker Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche. Die Vizepräsidentin des Bundestags, Petra Pau, sagte, der NSU sei mitnichten zu dritt gewesen. Das Versprechen der rückhaltlosen Aufklärung sei nicht eingelöst worden. Damals wie heute würden Behörden und politisch Verantwortliche Informationen zurückhalten. "Damit muss Schluss sein!"

Straße soll nach Turgut benannt werden

Hinter dem Gedenken steht auch die Initiative "Mord verjährt nicht". Sprecher Tim Bleis sagte, die Familienangehörigen Turguts seien dankbar für die Aufarbeitung in Rostock, aber es gebe noch immer offene Wünsche: "Die Forderung nach einer Straßenumbenennung ist immer noch ein großes Thema für die Familie. Für sie wäre ein entscheidender Punkt, dass sich die Stadt noch klarer positioniert, indem es einen Mehmet-Turgut-Weg gibt."

Mord in Rostock-Toitenwinkel

Turgut war am 25. Februar 2004 in einem Döner-Imbiss in Rostock-Toitenwinkel mit drei Kopfschüssen ermordet worden. Es war der fünfte von zehn Mordanschlägen, die später der rechtsextremen Terrorzelle zugeordnet wurden. Außerdem verübten NSU-Mitglieder mutmaßlich 2006 und 2007 zwei Sparkassen-Überfälle in Stralsund. Im April 2018 hat der Landtag in Schwerin zur Aufklärung der NSU-Aktivitäten in Mecklenburg-Vorpommern einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss eingesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.02.2018 | 16:00 Uhr

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