MV-Werften: Lohn- und Gehaltszahlungen verschoben

Stand: 08.01.2022 07:55 Uhr

Die MV-Werften in Mecklenburg-Vorpommern haben die fällige Lohn- und Gehaltszahlungen verschoben. Geschäftsführer Carsten Haake sagte, das Geld werde in der nächsten Woche ausgezahlt.

Auf einer Belegschaftsversammlung in Wismar hat die Geschäftsführung der MV Werften den Mitarbeitenden verkündet, dass sie ihre Löhne und Gehälter erst nächste Woche bekommen würden. Das Geld sei vorhanden, könne aus bestimmten Gründen aber nicht ausgezahlt werden, sagte Geschäftsführer Carsten Haake bei NDR MV Live. Er sei jedoch zuversichtlich, dass es am Wochenende auf hoher Ebene Gespräche geben werde, unter anderem mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), die zu einer Lösung führen sollen. Auch am Freitag sollten bereits Gespräche geführt werden. Es wäre schade, wenn das Kreuzfahrtschiff "Global One" nicht fertiggestellt werden könnte, so Haake weiter.

Gewerkschaft hofft auf Finanzierungslösung auf Bundesebene

Für die IG Metall sagte Stefan Schad, er wäre zufrieden, wenn die Löhne pünktlich gezahlt worden wären. Nun hoffe er auf eine Finanzierungslösung für die finanziell angeschlagene Werft auf Bundesebene. Die Frage sei, was passiert, wenn keine Lösung gefunden wird. "Das will ich mir gar nicht ausdenken", so Schad. Für weitere Verunsicherung sorgt, dass der Mutterkonzern Genting HongKong am Morgen den Aktienhandel an der Börse von HongKong bis auf Weiteres ausgesetzt hat.

Rechtsstreit um Hilfsgelder

Hintergrund der Krise der MV-Werften ist eine Liquiditätslücke, die durch das Unternehmen angezeigt wurde. Konkret gehe es um 148 Millionen Euro, die durch weitere Darlehen von Land und Bund eingenommen werden sollten. Ob diese erneuten Hilfszahlungen ausgereicht werden ist unklar. Aktuell wird auch vor Gericht um die Auszahlung der anteiligen Landesmittel gestritten.

Bundesregierung fordert finanziellen Beitrag des Eigentümers

Die Bundesregierung ist weiter bereit, die angeschlagenen MV-Werften mit einem neuen Rettungspaket zu unterstützen, fordert aber einen Eigenbeitrag des Eigentümers. "Wir stehen an der Seite des Unternehmens und seiner Beschäftigten, um diese schwere Zeit gemeinsam durchzustehen. Es liegt jetzt einzig an den Eigentümern, ebenfalls einen angemessenen Beitrag zu leisten", sagte Wirtschafts-Staatssekretär Udo Philipp am Freitag. Dazu sei der Eigentümer, der Konzern Genting Hongkong, derzeit aber nicht bereit. Es fehle ein klares Bekenntnis der Eigentümer zu ihrer Werft. "Das ist enttäuschend und gefährdet viele Tausend Arbeitsplätze in der Region", so Philipp.

Finanzminister Geue sieht Genting am Zug

Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Heiko Geue (SPD) sprach im NDR Nordmagazin am Freitagabend von einer "unerträglichen Situation für die Beschäftigten." Eine Insolvenz sei "keine gute Lösung." Auch Geue sieht Genting am Zug: "Es gibt ständig Gespräche, um zu einer Lösung zu kommen. Auch das Land wäre bereit, ein Darlehen auszuzahlen. Wir verhandeln seit Wochen mit dem Konzern und sagen: 'Mensch, sag uns, dass damit die Löhne und die Rechnungen bezahlt werden können.'" Dann würde das Land auch den Kredit auszahlen, so Geue. "Aber Genting Hongkong und der Eigentümer sagen uns: 'Nein. Das können wir nicht. Wir brauchen das Geld für unsere eigene Situation.' Und wir sagen: Deswegen brauchen wir eine Gesamtlösung von Bundesregierung, Genting und dem Land. Dann zahlen wir auch das Darlehen aus."

AfD fordert von Landesregierung "die Wahrheit"

Der Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion, Nikolaus Kramer, sagte, er erwarte, dass die Landesregierung angesichts der "dramatisch zugespitzten Situation" der Werften, "den Werft-Angestellten jetzt endlich die Wahrheit sagt: Genting ist am Ende, die Insolvenz nur noch eine Frage der Zeit". Ministerpräsidentin Schwesig stehe "vor den Trümmern ihrer Politik".

IG Metall: Genting soll Stralsunder Werft verkaufen

Angesichts der Probleme bei den MV Werften hat die IG Metall einen zügigen Verkauf der Werft in Stralsund gefordert. Es gebe Interessenten und Pläne für den Standort, sagte Heiko Messerschmidt von der IG Metall Küste. Dafür sei es aber entscheidend, dass der Mutterkonzern Genting "den Weg dafür freimacht". Im Idealfall kaufe die Stadt die Flächen und bringe zusammen etwa mit dem Unternehmen Nordic Yards und anderen Firmen Arbeit an den Standort. Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) hatte wiederholt angekündigt, die Stadt wolle die Flächen kaufen. Dafür seien im Haushalt bereits 10,5 Millionen Euro eingestellt, sagte er kürzlich bei NDR MV Live. Laut Messerschmidt ist es wichtig, das Gelände nicht zu einem reinen Gewerbepark zu machen, sondern eine arbeitsfähige Werft zu erhalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.01.2022 | 19:30 Uhr

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