Ein Corona-Schnelltest liegt in einer Federmappe. © picture alliance / Eibner-Pressefoto | Weber / Eibner-Pressefoto

Kritik an Corona-Daten für Kitas und Schulen - neuer LAGuS-Bericht

Stand: 22.01.2022 08:57 Uhr

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) in Mecklenburg-Vorpommern wertet die Corona-Fälle bei Kindern und Jugendlichen im Land seit Freitag in einem gesonderten Lagebericht aus. Zuvor waren Kritik und Zweifel an den ursprünglich ausgewiesenen Zahlen laut geworden.

Die Corona-Neuinfektionszahlen in Mecklenburg-Vorpommern haben seit einigen Tagen ein Rekordniveau erreicht. Vor allem Kitas und Schulen verzeichnen einen starken Anstieg der Fallzahlen. Das LAGuS hatte das Infektionsgeschehen an diesen Einrichtungen bislang in einem täglichen Sonderbericht - dem "Bericht zu den Corona-Zahlen in Schulen und Kitas" - ausgewiesen. Seit Freitag veröffentlicht das LAGuS nun einen Lagebericht, der nicht mehr nur die Fallzahlen in Schulen und Kitas, sondern unter anderem die Sieben-Tage-Neuinfektionsinzidenz aufgeteilt nach Altersgruppen darstellt. Zuvor waren Zweifel und Kritik an den veröffentlichten Daten laut geworden.

Lehrerverband fallen Widersprüche auf

Die Kritik kam unter anderem vom Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) in Mecklenburg-Vorpommern. Dessen Landesvorsitzender Michael Blanck ist selbst Mathematik- und Physiklehrer. Blanck hatte sich die Zahlen aus dem Kita- und Schulbericht des LAGuS genauer angesehen und mit den Daten aus dem allgemeinen Tagesbericht der Behörde verglichen, in denen die Sieben-Tages-Inzidenz unterteilt nach Altersgruppen angegeben wird. Blanck fiel auf, dass die Inzidenzen in den klassischen Schüler-Altersgruppen weit höher lagen. Das passte nicht zu den absoluten Fall-Zahlen aus dem Kita- und Schulbericht - und auch nicht zu Angaben des Bildungsministeriums, wonach bis Wochenmitte nur 0,5 Prozent der Schüler im Land infiziert seien.

"Bei dieser Inzidenzzahl würde im öffentlichen Leben fast alles heruntergefahren werden"

Blanck ging schon zur Wochenmitte von einer Inzidenz bei jungen Leuten von "wahrscheinlich zwischen 1.500 und 2.000" aus. "Bei dieser Inzidenzzahl würde im öffentlichen Leben fast alles heruntergefahren werden. Das ist jetzt kein Appell zum Schließen der Schulen, sondern uns muss es nur bewusst sein, über welche Zahlen wir hier in diesen Altersgruppen sprechen", so der VBE-Vorsitzende. "Der Appell bleibt natürlich, Schulen möglichst offen zu halten. Aber wir müssen den Gesundheitsschutz und das Recht auf Bildung beides unter einen Hut bekommen."

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Landeselternrat: Mancherorts mehr Kinder zu Hause als in der Schule

Das entspricht auch der Wahrnehmung vieler Eltern, wie der Sprecher des Landeselternrats, Kay Czerwinski, bestätigte. In vielen Klassen im Land fehlten mittlerweile zahlreiche Kinder und Jugendliche - in manchen Klassen seien sogar mehr Schüler zu Hause als in der Schule, so Czerwinski. Auf NDR Anfrage hieß es vom Bildungsministerium: "Das Landesamt für Gesundheit und Soziales fällt nicht in unseren Zuständigkeitsbereich" - obwohl die täglichen Pressemitteilungen des Ministeriums zur Lage in den Schulen und Kitas auf diesem LAGuS-Bericht beruhten.

LAGuS stellt Bericht um - Inzidenz der bis 17-Jährigen bei fast 1.700

Anders im LAGuS selbst, dort wurde reagiert. Den bisherigen Kita- und Schulbericht werde es nicht mehr geben, sagte eine Sprecherin. Stattdessen wird seit Freitag der Extra-Lagebericht für die Altersgruppen der Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahre sortiert nach Landkreisen und kreisfreien Städten veröffentlicht. Grundlage sind nur noch die elektronisch gemeldeten Daten der Gesundheitsbehörden. Die Zahlen werden differenziert nach den Altersgruppen 0- bis 5-Jährige, 6- bis 11-Jährige sowie 12- bis 17-Jährige. Auf diese Weise lassen sich die Fälle auch Kitas und Schulen zuordnen. Die Pandemie sorge aktuell für besonders viele Infektionen unter jungen Menschen, hieß es vom LAGuS zur Begründung für die Umstellung. Tatsächlich decken sich die Daten in dem neuen Bericht weitgehend mit den Befürchtungen des Lehrerverbandes: Die Sieben-Tages-Inzidenz im Nordosten bei den 0- bis 17-Jährigen wird mit Stand Freitag mit 1.676 angegeben.

Sieben-Tage-Inzidenz bei 6- bis 11-Jährigen in Nordwestmecklenburg bei 4.086

Laut dem neuen Bericht ist derzeit die Gruppe der 6- bis 11-Jährigen besonders von Corona-Infektionen betroffen. In dieser Gruppe liegt die Inzidenz landesweit bei 2.431. Regionaler Spitzenreiter ist der Kreis Nordwestmecklenburg mit einer Sieben-Tages-Inzidenz bei den 6- bis 11-Jährigen von 4.086. Was der Bericht aber auch sagt: Die Hospitalisierungsrate ist bei jungen Menschen im Nordosten vergleichsweise gering. Seit Beginn der Pandemie wurden hierzulande nur 0,2 Prozent der 6- bis 17-jährigen und 0,7 Prozent der 0- bis 5-jährigen Infizierten in Krankenhäusern behandelt. Bei einem Großteil der jungen Infizierten verlief die Erkrankung demnach symptomlos oder mit leichten Symptomen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 22.01.2022 | 08:00 Uhr

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