Hoher Krankenstand: Angespannte Personallage in Krankenhäusern in MV

Stand: 02.12.2022 15:30 Uhr

Volle Krankenhäuser, hoher Krankenstand beim Pflegepersonal in Kliniken, dazu Ärger wegen der Bonuszahlungen, die nicht alle bekommen und wegen der Bezahlung. Laut Mecklenburg-Vorpommerns Sozial- und Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) ist die Lage angespannt, "aber wir sind noch nicht in der Situation, dass wir sagen, die Krankenhäuser schaffen es nicht mehr."

Es wird derzeit viel geschnieft und gehustet. Manche Erkrankte müssen sogar ins Krankenhaus. Aber es ist gleichzeitig auch viel Krankenhauspersonal krank. In anderen Bundesländern werden in einigen Einrichtungen 40 Prozent Krankenstand aus den Belegschaften gemeldet. Ein Pflegenotstand droht. Gleichzeitig ist die Stimmung schlecht, weil nicht alle Pflegekräfte die von der Bundesregierung angekündigten Bonuszahlungen bekommen. In Mecklenburg-Vorpommern mit seinen rund 40.000 Beschäftigten in Pflegeberufen ist die Situation laut Sozial- und Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) angespannt.

Grippe, Erkältungen und RSV sorgen für volle Krankenäuser

Der hohe Krankenstand könne auch in Mecklenburg-Vorpommern "zum Problem werden", sagte Drese bei NDR MV Live. Deshalb seien auch die in der Pandemie-Zeit eingerichteten Krankenhaus-Cluster beibehalten worden, die drohende Kapazitätsauslastungen einzelner Häuser durch Patientenverlegungen in andere Kliniken verhindern sollen. Neben Corona sorgen laut Drese derzeit insbesondere Grippe- und Erkältungskrankheiten sowie das RS-Virus bei Kindern für volle Krankenhäuser und hohe Krankenstände beim Pflegepersonal.

Weitere Informationen
Ein am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus oder RSV) erkrankter Patient liegt auf einer Kinderstation ©  +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Marijan Murat

RS-Virus: Welche Symptome verursacht die Atemwegsinfektion?

Die Kinderkliniken sind derzeit überfüllt. Ein Grund: das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Was Eltern wissen müssen. mehr

"Es ist Obacht geboten bei uns allen"

Drese warb erneut für die Grippeschutzimpfung und die Einhaltung der Hygieneregeln. "Wir sind noch nicht in der Situation, dass wir sagen, die Krankenhäuser schaffen es nicht mehr, aber es ist Obacht geboten bei uns allen." Die Krankenhäuser sollten sich im Fall der Fälle untereinander aushelfen. "Wir haben uns darauf vorbereitet, dass es eine solche Situation geben kann. Dass Personal dann eben auch von anderen Stationen versetzt wird, um beispielsweise die Kinderstation zu verstärken, um dort zu helfen", so Drese.

Ministerin zeigt Verständnis für Pflegebonus-Frust

Für viel Frust bei Pflegebeschäftigen sorgen derzeit zudem die vom Bund beschlossenen Bonuszahlungen. Denn viele Pflegekräfte gehen leer aus. In Mecklenburg-Vorpommern sind lediglich 21 von 37 Krankenhäusern berechtigt, den Bonus auszuzahlen. Und: Nicht alle Angestellten bekommen das Geld automatisch. Drese sagte, dass sie den Unmut bei einigen verstehen könne. Der Bund habe klare Voraussetzungen festgelegt, an wen der Bonus ausgezahlt werde. Solche Vorgaben führten immer dazu, "dass es jemanden gibt, der sagt: Ich bin aber auch besonders belastet gewesen in der Corona-Zeit", so die Ministerin. Die Bundesländer seien wegen der derzeit angespannten Haushaltssituation nicht in der Lage, solche Hilfen mitzufinanzieren.

Drese gegen Auszahlung des Pflegebonus' an alle Pflegekräfte

Der Forderung der Gewerkschaft ver.di, dass der Bonus schnell für alle Pflegekräfte ausgezahlt werden müsse, damit die Politik verlorenes Vertrauen zurückgewinne, stimmte Drese unter Verweis auf die Finanzlage und andere drängende Probleme nicht zu. "Wir haben viele gemeinsame Dinge zu stemmen - im Moment auch die Frage der Energie. Auch durch diese Zeit müssen die Krankenhäuser kommen, sodass ich Verständnis dafür habe, dass es jetzt keine weiteren Zahlungen dort geben kann."

Auch die aus Sicht vieler ungenügende Bezahlung der Pflegekräfte sorgt für Unmut. Seit 1. September gilt immerhin die Tarifbindung auch für die freien Träger in der Pflege. Mit Blick auf die langfristige Ausbildung von genügend Pflegepersonal verwies Drese auf neue Ansätze. "Wir haben jetzt die generalistische Ausbildung im zweiten Durchgang. Dass wir also mehr Menschen finden, die eine solche Pflegeausbildung machen und da nicht von vornherein festgelegt sind, ob sie in die Altenpflege, in ein Krankenhaus oder in die Kinderkrankenpflege gehen." Das begrüße sie sehr.

Drese: Tariflohn macht Beruf attraktiv

Zudem werde Mecklenburg-Vorpommern weiter Stipendien an Kinderärztinnen und -ärzten in der Ausbildung. "Wir wollen uns auch im Bereich Pflege weiter mit unseren Berufsschulen darauf konzentrieren, möglichst viele helfende Hände in diesem Bereich Pflege zu haben." Das Interesse der jungen Leute an einer solchen Ausbildung sei ungebrochen, so Drese. "Es gibt nach wie vor viele Interessenten für diesen Bereich. Sie müssen eben dann Ausbildungsbedingungen vorfinden und später auch die Bezahlung. Deswegen ist der Tariflohn eine richtige Maßnahme, die den Beruf attraktiv macht."

Weitere Informationen
Eine Intensivpflegerin versorgt auf einer Kinder-Intensivstation einen am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus oder RSV) erkrankten Patienten, der beatmet wird. © picture alliance/dpa | Marijan Murat Foto: picture alliance/dpa | Marijan Murat

Ministerin Drese: Länder unterstützen sich bei RSV-Welle gegenseitig

In MV sei die Lage noch nicht dramatisch. Man könne deshalb derzeit auch Kinder aus Berlin oder Hamburg behandeln, so Drese auf NDR Info. mehr

Ein leeres Krankenbett auf der Covid-19-Station im AMEOS Klinikum Ueckermünde. © NDR

Krankenhäuser in MV: Zwischen Sparzwang und guter Versorgung

Die Energiekosten für die Krankenhäuser in MV können sich verdreifachen, gleichzeitig fehlt Fachpersonal. Drese fordert mehr finanzielle Unterstützung vom Bund. mehr

Asklepios Klinik Parchim

Personalmangel: Asklepios-Klinik Parchim schließt Kinderstation

Die Station schließt bereits Ende September. Die Klinik und eine ehemalige Chefärztin sehen dafür unterschiedliche Gründe. mehr

Hauptgebäude der Unimedizin Greifswald. © dpa Foto: Stefan Sauer

Steigende Kosten: Kliniken in MV fordern Finanzhilfen

Die Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm. Die Energiekosten für die Krankenhäuser in MV würden sich verdreifachen. Das könnten die meisten Häuser nicht stemmen. mehr

Ein Schild mit der Aufschrift "Universitätsmedizin Rostock" weist auf das entsprechende Gebäude im Hintergrund hin. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Gutachter empfehlen mehr Kooperationen der Unikliniken in MV

Unter anderem wird eine Fusion der Universitätsmedizin Rostock mit dem städtischen Klinikum Südstadt vorgeschlagen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 02.12.2022 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Innenminister Christian Pegel (SPD) im Interview. © Screenshot

Flüchtlingsgipfel: Innenminister Pegel hofft auf Hilfe für MV

Ein Katalog mit konkreten Forderungen der Landesregierung ist bislang noch nicht formuliert. Ideen gibt es aber genug. mehr

NDR MV Highlights

Moderator Stefan Kuna steht vor Glücksklee und wirft ein Hufeisen. © Ecki Raff; panthermedia Foto: Ecki Raff

NDR 1 Radio MV Bonuswochen: Jeden Morgen Chance auf 500 Euro

Heizen, Strom, Einkaufen - vieles wird teurer. Bei den Bonuswochen winkt die Chance auf 500 Euro von den VR-Banken. mehr

Heinz Galling und Horst Hennings stehen in einem Angelkeller. © NDR
44 Min

Neu: Rute Raus als Videopodcast bei Youtube

Heinz Galling und Horst Hennings in der Schatzkammer: Horsts Angelkeller. Bei Haken, Mäuseködern & Knicklichtern im Gefrierfach. 44 Min

Lottokugeln fliegen vor blauem Hintergrund. © Fotolia Foto: ag visuell

Spielend gewinnen: Zeit ist Geld beim Quiz 6 in 49

Das schnellste Quiz in Mecklenburg-Vorpommern in der Stefan Kuna Show: Bewerben Sie sich jetzt zum Mitspielen. mehr

Podcast Akte Nord Stream 2 - Eine Pipeline unter Wasser © iStock Foto: golero

Akte Nord Stream 2 - Gas, Geld, Geheimnisse

Wie viel Einfluss übte Russland auf die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern aus? In diesem Podcast öffnen wir die Akte Nord Stream 2. mehr