Stand: 05.09.2017 14:55 Uhr

Schwesigs Kind auf Privatschule: Falsches Signal?

Bild vergrößern
Ministerpräsidentin Schwesig steht wegen der Schulwahl für eines ihrer Kinder in der Kritik. (Archivbild)

Zum Schuljahresbeginn in Mecklenburg-Vorpommern hat die Linksfraktion Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ein "fatales Signal" in der Bildungspolitik vorgeworfen. Anlass ist Schwesigs Schulwahl für ihr älteres Kind. Das wird zum Start der fünften Klasse jetzt an einer Privatschule unterrichtet. Die Regierungschefin umgeht damit das eigentlich auch von ihrer Partei unterstützte Konzept vom "längeren gemeinsamen Lernen" an einer staatlichen Regionalschule. Dieses sieht nach der Grundschule einen mindestens zweijährigen gemeinsamen Unterricht eines Jahrgangs vor. Bei vielen Eltern, die für ihre Kinder das Gymnasium und das Abitur anstreben, gilt das als umständlich, weil dabei innerhalb von zwei Jahren zwei Schulwechsel nötig werden.

Linke: Schwesig sieht offenbar Defizite an Regionalschule

Die Fraktionschefin der Linken, Simone Oldenburg, sagte NDR 1 Radio MV auf Anfrage, Schwesig misstraue offenbar dem staatlichen Schulsystem, über das die Ministerpräsidentin aber die Aufsicht habe. Statt öffentliche Regionalschulen nach dem "Kaputt-Sparen" der vergangenen Jahre besser auszustatten, wähle sie den vermeintlich einfachen Weg und versuche den Bildungserfolg ihres Kindes über eine Privatschule sicherzustellen. Offenbar seien die Defizite in der Regionalschule so groß, dass sie diese ihrem Kind nicht zumuten wolle. Hier entscheide das Einkommen der Eltern über die Chancen der Kinder, so Oldenburg.

Schwesigs Entscheidung sei natürlich eine persönliche, erklärte Oldenburg. Die Ministerpräsidentin habe aber in der Vergangenheit immer wieder ihre Kinder als Teil einer politischen Inszenierung eingesetzt - beispielsweise bei ihrer Wahl im Landtag. Deshalb sei es angemessen, wenn jetzt dort genauer hingeschaut werde.

Weitere Informationen
mit Video

Unterrichtsbeginn für 149.200 Schüler in MV

In Mecklenburg-Vorpommern müssen heute alle Schüler wieder zum Unterricht erscheinen. In diesem Schuljahr rechnet das Land mit 2.600 Schülern mehr als im vergangenen Jahr. (04.09.2017) mehr

Schulleitungsvereinigung: "Bitterer Beigeschmack"

Die Vorsitzende der Schulleitungsvereinigung, Heike Walter, sagte, es stelle sich für Lehrer und Eltern die Frage, ob Schwesig doch nicht das Vertrauen in die öffentlichen Schulen habe. Walter, die als Lehrerin selbst eine Schule leitet, sagte: "Ich persönlich hätte das für mich nie gemacht. Das passt nicht zu dem, was ich vertrete - ich vertrete ganz bewusst das staatliche Schulsystem." Schwesigs Entscheidung für die Privatschule habe einen "bitteren Beigeschmack". Außerdem sei nicht sicher, ob Privatschulen Kinder tatsächlich bessere Ausgangsbedingungen für den beruflichen Erfolg bringen würden. Am Ende sei es aber die persönliche Entscheidung der Ministerpräsidentin, so Walter. Die Schulwahl nach der vierten Klasse sei frei.

Schwesig: Schulwahl ist persönliche Entscheidung

Schwesig ließ auf Anfrage des NDR mitteilen, sie kenne alle Schulen in Schwerin und schätze die dort geleistete Arbeit unabhängig davon, ob diese sich in staatlicher oder freier Trägerschaft befänden. Sie halte es für falsch, beide gegeneinander auszuspielen. Die Schulwahl sei eine persönliche Entscheidung. Grund für den Wechsel auf die Privatschule jetzt sei die Nähe dieser Einrichtung zur Wohnung der Familie. Ihre Entscheidung für die Schule stehe nicht im Widerspruch zu ihren politischen Zielen. Schwesig und die SPD werben im Wahlkampf auch unter dem Motto "Bildung darf nichts kosten" für Chancengleichheit.

Unterstützung aus den eigenen Reihen

Unterstützung bekommt Schwesig aus den eigenen Reihen. Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) sagte, die Debatte "sei an den Haaren herbeigezogen". Die Schulen in freier Trägerschaft seien Bestandteil des Schulsystems und eine sinnvolle Ergänzung. Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionschef Thomas Krüger. Die Entscheidung für die eine oder andere Schulart stelle "nicht eine Wertung der Unterrichtungsqualität an der Einrichtung dar".

AfD fordert offene Grundsatzdebatte zum Zustand der Schulen

Für die AfD-Fraktion macht die Entscheidung Schwesigs den "beklagenswerten Zustand des Bildungssystems in Mecklenburg-Vorpommern" deutlich. Wichtig sei jetzt eine offene Grundsatzdebatte über den Zustand der Schulen, so Fraktionschef Leif-Erik Holm. Da sei zu fragen, warum immer mehr Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken würden.

Rund elf Prozent der Schüler in MV gehen auf Privatschulen

Für das neue Schuljahr rechnet das Bildungsministerium in MV mit 149.200 Schüler an allgemeinen bildenden Schulen. 132.300 davon werden an staatlichen Schulen unterrichtet, 16.900 an freien Schulen. Das entspricht einer nahezu unveränderten Privatschülerquote von gut elf Prozent. Von rund 560 Schulen im Land sind 75 in freier Trägerschaft.

Weitere Informationen

Lehrerbedarf in MV größer als vorhergesagt

In Mecklenburg-Vorpommern werden in den kommenden Jahren offenbar deutlich mehr neue Lehrer gebraucht als bisher bekannt. Linksfraktionschefin Oldenburg kritisiert die Untätigkeit der Regierung. (18.08.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.09.2017 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:54

Erwin Sellering ist zurück

11.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
01:58

Zivilcourage ausgezeichnet

11.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
01:59

Kindesmisshandlung: Haftstrafen für Ehepaar

11.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin