Stand: 20.03.2020 10:50 Uhr

Fähre bringt fast 500 Balten von Rügen in die Heimat

Eine Sonderfähre hat Hunderte Menschen aus dem Baltikum, die wegen der Cornakrise auf Rügen festsaßen, nach Hause gebracht. Die "Romantika" mit 476 Esten, Letten und Litauern legte laut lettischen Medien in der Nacht zum Freitag in Lettlands Hauptstadt Riga an. Das Schiff hatte am späten Mittwochabend im Fährhafen von Sassnitz auf Rügen abgelegt. In Riga wurden die Passagiere in Zelten auf das Coronavirus untersucht. Reisende aus Estland und Litauen wurden mit ihren Fahrzeugen anschließend von der Polizei zur Grenze eskortiert.

Balten saßen wegen Polens Grenzschließung auf Rügen fest

Organisiert wurde die Fähre von Estlands Außenministerium. Wegen Reisebeschränkungen saßen zahlreiche Esten, Litauer und Letten an der deutsch-polnischen Grenze fest. Die Menschen aus dem Baltikum müssen auf dem Weg in ihre Heimat eigentlich durch Polen. Warschau hatte am Wochenende die Grenze zu Deutschland für Ausländer geschlossen.

68 Bundesbürger aus dem Baltikum nach Deutschland gebracht

"Das Coronavirus ist auch in Lettland Thema Nummer eins", sagte die lettische Botschafterin Inga Skujiņa, die selbst vor Ort war, dem NDR Nordmagazin. "Ich bin dem Sassnitzer Hafen, der deutschen Regierung und dem Sassnitzer Bürgermeister dankbar, dass so kurzfristig eine Fähre zwischen Riga und Sassnitz eingerichtet wurde." Auch der Sassnitzer Bürgermeister, Frank Kracht (Die Linke), zeigte sich "glücklich, dass wir die Menschen in ihre Heimat zurückbringen können." Auf der Hinfahrt nach Rügen hatte die Sonderfähre bereits 68 Bundesbürger aus dem Baltikum nach Deutschland zurückgebracht.

Weitere Informationen
Die Baustelle des Fährhafens Mukran. © Verein 100 Jahre Königslinie Foto: Unger/Dobbert/Schaack

Mukran: Rügens neuer Fährhafen

1986 nahm der Fährhafen Mukran den Betrieb auf. Er sollte die DDR und die Sowjetunion enger verbinden. Der Traum vom Tor zum Osten platzte, heute boomt dafür die Offshore-Industrie. mehr

Neue Fährverbindung für Medizin- und Lebensmitteltransporte

In der Coronakrise wird der Fährhafen Sassnitz-Mukran immer mehr zur wichtigen Nahtstelle zwischen Deutschland und dem Baltikum. Die Fahrt der "Romantika" ist nicht die einzige Maßnahme, um den Auswirkungen der Coronakrise zu begegnen. Die Reederei Tallink Silja setzt seit Donnerstag (19. März) vorübergehend das Schiff "Star" zwischen Deutschland und Estland ein. Das Schiff soll nach Angaben des estnischen Wirtschaftsministeriums zwischen Sassnitz und Paldiski fahren. Die Priorität liege auf dem Transport von Lebensmitteln und Medizin, hieß es weiter. Infolge der Grenzschließungen fürchten die baltischen Staaten Versorgungsengpässe. "Es gibt immer neue dringende Probleme mit medizinischen Fragen. Vielleicht können wir etwas mit Deutschland tauschen", sagte der estnische Botschafter ‎Alar Streimann.

Täglich Überfahrt geplant

Der genaue Fahrplan für die neue Verbindung steht noch nicht endgültig. Voraussichtlich wird die "Star" täglich um 20 Uhr Ortszeit (19 Uhr deutsche Zeit) von Paldiski in Richtung Sassnitz aufbrechen, am jeweils darauffolgenden Tag erfolgt die Rückfahrt aus Sassnitz um 19 Uhr deutscher Zeit. Die Überfahrt dauert rund 20 Stunden. Die Kapazitäten für den Frachtverkehr liegen bei 100 Lkw und zehn Autos. Passagiere ohne Fahrzeug dürfen nicht an Bord. Gestrandete Pendler und Touristen sowohl von Estland nach Deutschland als auch von Deutschland ins Baltikum sollen auch mitgenommen werden.

Weitere Informationen
Ein Schild Bundesrepublik Deutschland an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich an einer Straße. © dpa picture alliance Foto: Ralph Goldmann

Corona-Blog: Neue Regeln für Einreisen nach Deutschland ab Sonntag

Einreisende, die nicht geimpft oder genesen sind, müssen einen Test vorlegen. Dies gilt für alle Länder und Verkehrsmittel. Alle Corona-News von Freitag im Blog. mehr

Die Polizei kontrolliert, ob Fahrzeuge die Berechtigung zum Befahren eines Gebiets haben © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Polizei in MV kontrolliert Corona-Schutzmaßnahmen

Innenminister Caffier hat ab sofort Kontrollen angekündigt, mit denen die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen überprüft werden. Polizeiliche Bewegungsprofile würden aber nicht erstellt. mehr

Garz: Touristen verlassen Polen zu Fuß in Richtung Deutschland am Grenzübergang Garz - Swinemünde. © Tilo Wallrodt Foto: Tilo Wallrodt

Nach Grenzschließung: Chaotische Szenen auf Usedom

Um Mitternacht hat Polen wegen des Coronavirus seine Grenzen für Ausländer geschlossen. Auf Usedom kam es zu chaotischen Szenen, weil Reisegruppen von ihren Bussen nicht abgeholt werden konnten. mehr

Infektionen in Norddeutschland

Coronavirus: Aktuelle Zahlen für den Norden

Wie entwickelt sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen? Und wo im Norden ist die Sieben-Tage-Inzidenz besonders hoch? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.03.2020 | 12:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Ein Mädchen mit bunter OP-Schutzmaske bekommt eine Spritze in den Oberarm ©  Picture Alliance / Laci Perenyi | Laci Perenyi Foto: Laci Perenyi | Laci Perenyi

Politiker und Ärzte diskutieren: Wie sinnvoll sind Impfungen für Kinder?

Kinder sind weniger gefährdet, schwer an Covid-19 zu erkranken. Dennoch stecken sich aktuell vor allem junge Menschen an. mehr