Stand: 20.01.2020 18:50 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Ex-AWO-Funktionär verteidigt sechsstelliges Gehalt

Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Finanzgebaren der Wohlfahrtsverbände hat der frühere Geschäftsführer des AWO-Kreisverbands Müritz, Peter Olijnyk, am Montag drei Stunden lang Rede und Antwort gestanden. Der Auftritt war mit Spannung erwartet worden, denn die Vorkommnisse im AWO-Kreisverband Müritz waren - neben einem Bericht des Landesrechnungshofs über Missmanagement bei den Verbänden - ein Auslöser für die Einsetzung des Gremiums. Bei der AWO Müritz hatten die fragwürdige Beschäftigung des Kreisvorsitzenden und ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Götz-Peter Lohmann bei einem AWO-Unternehmen und die hohen Gehälter Olijnyks von zuletzt rund 150.000 Euro im Jahr hohe Wellen geschlagen.

Mittelverwendung: Ex-AWO-Geschäftsführer sagt aus

Nordmagazin -

Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Mittelverwendung durch Wohlfahrtsverbände hat Ex-Spitzenfunktionär Peter Olijnyk des AWO-Kreisverbandes Müritz ausgesagt.

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Olijnyk: AWO zu Vorzeigeunternehmen entwickelt

Olijnyk erklärte, dass seine Bezahlung nie ein Geheimnis in der Spitze des Kreisvorstands gewesen sei und dass er schließlich ein Unternehmen mit 650 Mitarbeiterin geführt habe, das vor allem im Pflege- und Kita-Bereich aktiv gewesen sei. Olijnyk verteidigte seine Gehälter. Er halte sie nach wie vor für angemessen. "Dafür habe ich all die Jahre gearbeitet, viel geleistet und die AWO letztendlich zu einem Vorzeigeunternehmen entwickelt", so der Ex-Geschäftsführer.

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Kündigung wie Blitz aus heiterem Himmel

Dem heute 71-Jährigen war im Juni 2016 fristlos vom AWO-Kreisverband Müritz gekündigt worden, als die Höhe des Gehalts bekannt geworden war. Einen Zivilrechtsstreit hatte Olijnyk in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Rostock im vergangenen Jahr verloren. Er soll 390.000 Euro an seinen früheren Arbeitgeber zurückzahlen. Seine fristlose Kündigung im Juni 2016 habe ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Er hätte 2014 schon in Rente gehen können, so Olijnyk, aber alle im Kreisverband hätten ihn bekniet weiterzumachen. Und nachher habe dann keiner mehr zu ihm gehalten, so Olijnyk weiter. Auch deshalb sei er aus der SPD ausgetreten. Der Kreisverband Müritz wurde seinerzeit von führenden SPD-Mitgliedern getragen.

Lohmann soll später gehört werden

Der Vertrag mit Olijnyk mit dem laut Gericht überhöhten Einkommen war vom damaligen AWO-Kreisvorsitzenden Lohmann unterschrieben worden. Lohmann war zugleich bei einer gewerblichen Tochtergesellschaft der gemeinnützigen AWO-Gesellschaft als Psychologe angestellt, wie Olijnyk sagte. Das sei in Ordnung gewesen. Jeder im Kreisverband habe davon gewusst - auch der spätere AWO-Landesvorsitzende Ulf Skodda. Der Vertrag mit Lohmann war von Olijnyk unterschrieben worden, wie während des Zivilprozesses bekannt geworden war. Den Verdacht der Mauschelei wies Olijnyk zurück. Lohmann sollte am Montag ebenfalls als Zeuge im Untersuchungsausschuss aussagen. Er erschien jedoch nicht wegen anderer Termine und soll später angehört werden.

Ehlers: Maß und Mitte verloren

Die Ausschussmitglieder nahmen die Ausführungen des Ex-Geschäftsführers unterscheidlich auf. Der CDU-Abgeordnete Sebastian Ehlers meinte, der 71-Jährige kämpfe um sein Lebenswerk. Er habe sicher auch viel aufgebaut, aber zum Ende seiner Zeit habe Olijnyk mit seinen sechsstelligen Jahresgehältern und der Anstellung des eigenen Kreisvorsitzenden wohl Maß und Mitte verloren. Der AfD-Abgeordnete Thomas de Jesus Fernandes meinte, es seien noch viele Fragen offen geblieben - vor allem, wer von den Verträgen gewusst hatte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 20.01.2020 | 18:10 Uhr

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