Stand: 26.11.2018 13:32 Uhr

Dokumentationszentrum in Prora rückt näher

Ein neues Dokumentationszentrum in der NS-Hinterlassenschaft in Prora auf Rügen ist in greifbare Nähe gerückt. Der Landkreis Vorpommern-Rügen - Eigentümer des Teils von Block 5, in dem das Zentrum entstehen soll - will nun doch die Trägerschaft für die Sanierung übernehmen. Das bestätigte Landrat Stefan Kerth (SPD) am Montag. Die Einigung war am Freitagabend auf der Mitgliederversammlung des Dachvereins bekanntgegeben worden, der das Zentrum später betreiben soll.

Prora: Aufbau, Verfall und Sanierung

Zusage von Bund und Land

Erst im Oktober war die unsanierte südliche Hälfte des letzten, noch in öffentlicher Hand befindlichen Blocks verkauft worden. In der nördlichen Hälfte befindet sich die Jugendherberge Prora - und ein weiterer, ebenfalls noch nicht sanierter Gebäudetrakt, der nach dem Willen des Kreises künftig eine Dauerausstellung über die Geschichte des "Koloss' von Prora" beherbergen soll. Bund und Land hatten für die Sanierung bereits knapp sieben Millionen Euro zugesagt.

Landkreis will keine Kosten durch Betrieb

Der Landkreis werde als Empfänger der Förderung fungieren und zusammen mit dem Land die Bauarbeiten planen, so Kerth, der zugleich betonte, dass der Kreis allein mit dem Projekt überfordert wäre. Es dürfe nach dem Umbau keine Verpflichtungen mehr geben: "Da muss abgesichert werden, dass wir von den Kosten bei der Betreibung frei gehalten werden", so der Landrat weiter.

Ausstellung soll wechselvolle Geschichte zeigen

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Der unsanierte Teil von Block 5 war im Oktober verkauft worden.

Für die Inhalte und den Betrieb der Einrichtung hatten die Museumsvereine des bisherigen Dokumentationszentrums und des Prora-Zentrums einen gemeinsamen Dachverein gegründet. Gemeinsam planen sie in einem Gebäude eine Ausstellung, die an die NS-Vergangenheit und die militärische Nutzung in der DDR erinnern soll. Dazu liegt eine von Museumsexperten erarbeitete Machbarkeitsstudie vor. Die Leiterin des Prora-Zentrums, Susanne Misgajski, zeigte sich erfreut über die Verhandlungsfortschritte: "Das ist wunderbar und eine ganz unerwartete positive Wendung." Sie hoffe auf einen Baubeginn Anfang 2020 und eine Eröffnung im Jahr 2021.

Kreistag muss noch zustimmen

Nach wie vor ist aber nicht geklärt, wie der spätere Betrieb der Einrichtung finanziert werden soll. Konkrete Förderzusagen wollte Bildungsstaatssekretär Steffen Freiberg zwar nicht abgeben, er sagte aber, dass klar sei, dass niemand zusehen werde, wie das Projekt pleite gehe. Nach der Einigung mit den Museumsvereinen muss nun allerdings noch der Kreistag in seiner nächsten Sitzung zustimmen.

Großteil der Anlage an Privatinvestoren verkauft

Der Block 5 ist der letzte Teil der auf etwa 4,5 Kilometer geplanten und auf 2,5 Kilometer erhaltenen Anlage, der noch in öffentlicher Hand ist. Der Bund hatte seit 2004 die Blöcke 1 bis 4 des einst von den Nationalsozialisten als "Seebad der 20.000" konzipierten Areals an Privatinvestoren verkauft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.11.2018 | 13:00 Uhr

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