Das Rohr-Verlegeschiff "Fortuna" im Dezember 2020 auf dem Weg aus dem Hafen von Wismar in die Ostsee. © NDR Foto: Christoph Woest

BSH-Anordnung: Nord Stream 2 kann weitergebaut werden

Stand: 17.05.2021 13:35 Uhr

Trotz Klagen von Umweltschützern kann die Pipeline Nord Stream 2 im deutschen Bereich der Ostsee weiter verlegt werden. Das zuständige Bundesamt hat die Genehmigung für zwei Kilometer reaktiviert.

von Robert Schubert

Die Ostseepipeline Nord Stream 2 darf in deutschen Gewässern weitergebaut werden. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat am Montag die "sofortige Vollziehung" angeordnet. Die BSH-Entscheidung bezieht sich auf zwei Kilometer am Übergang des dänischen in den deutschen Gewässerabschnitt.

Baugenehmigung für deutschen Gewässerabschnitt reaktiviert

Derzeit verlegt das russische Verlegeschiff "Fortuna" einen der beiden Doppelstränge der Ostseepipeline aus Dänemark kommend Richtung Deutschland. In wenigen Tagen wird es die Grenze der Deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) erreichen - und müsste stoppen. Denn gegen die Verlegearbeiten in dem deutschen Gewässerabschnitt noch im Mai hatten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) geklagt. Dadurch wurde die Baugenehmigung in diesem Vogelrastgebiet außer Kraft gesetzt. Mit seiner Entscheidung hat das BSH die Baugenehmigung für den zwei Kilometer langen Abschnitt reaktiviert, sodass Nord Stream 2 voraussichtlich ab Sonnabend grenzüberschreitend weiterbauen kann.

BSH will Umweltschützern entgegenkommen

Insgesamt fehlen im deutschen Abschnitt der Ostseepipeline noch knapp 30 Kilometer Rohrleitung. Davon entfallen auf den ersten Strang etwa 16,5 km und 13,9 km auf den zweiten Strang. Das BSH hat mit Blick auf die Interessen der Umweltschützer darauf verzichtet, den "sofortigen Vollziehung" der Baugenehmigung für den gesamten deutschen Gewässerabschnitt anzuordnen. Stattdessen soll Nord Stream 2 mit dem jetzt genehmigten Teilabschnitt die Möglichkeit gegeben werden, die Ostseepipeline noch im Mai bis in deutsche Gewässer zu führen und dann dort abzulegen. Nach der Vogelrastzeit ab Juni könnte die Pipeline wieder aufgenommen und weitergebaut werden. Dafür hat Nord Stream 2 bereits seit 2018 eine gültige Baugenehmigung.

Bau der Ostseepipeline beschäftigt Gerichte

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geht juristisch gegen beide deutsche Genehmigungsbehörden vor. Zum einen klagt sie vor dem Verwaltungsgericht Hamburg gegen das BSH, das Verlegearbeiten in Vogelschutzgebiet östlich von Rügen genehmigt hatte. Auch gegen den heutigen Bescheid will die DUH Rechtsmittel prüfen. Am Oberverwaltungsgericht Greifswald (OVG) ist eine Klage gegen das Bergamt Stralsund anhängig. Die DUH will erreichen, dass das Bergamt die erteilte Genehmigung für den deutschen Festlandsockel aufgrund aktueller Klimadaten überprüft und daraufhin zurückzieht. Bereits seit Projektbeginn im Jahr 2018 hatten die Umweltschutzverbände WWF und NABU gegen Bau und Betrieb der Ostseepipeline vor dem OVG Greifswald geklagt. Die Verbände halten Erdgaslieferungen wirtschaftlich und ökologisch für unnötig. Eine Entscheidung der Gerichte steht noch aus.

Wasserstoff statt Erdgas?

Den Bedenken der Umweltschützer könnte Nord Stream 2 langfristig mit einer Änderung des Betriebsstoffs entgegenkommen. Statt reinem Erdgas wäre es technisch möglich, auch mit bis zu 70 Prozent Wasserstoff angereichertes Erdgas durch die Ostseepipeline zu transportieren. Damit will Nord Stream 2 auf die Veränderungen auf dem europäischen Gasmarkt reagieren können. Allerdings bleibt derzeit offen, ob und wie es Nord Stream 2 gelingt, sogenannten "grünen" Wasserstoff einzuspeisen, der durch Nutzung von erneuerbaren Energien gewonnen wird. Umweltschützer kritisieren andere Herstellungsverfahren, bei denen Wasserstoff durch Erdgas ("blauer" Wasserstoff), Methan ("türkis") oder Kernenergie ("gelb") gewonnen wird. Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie wäre der Transport eines Erdgas-Wasserstoff-Gemischs laut Genehmigungsbescheid grundsätzlich denkbar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 17.05.2021 | 12:00 Uhr

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