Hechtangler im Boddengewässer vor Rügen

Auf Rügen schwelt ein Hecht-Streit zwischen Anglern und Fischern

Stand: 02.02.2021 16:25 Uhr

Ein im Internet kursierendes Video von einem gewaltigen Hechtfang sorgt für Wirbel zwischen Anglern und Fischern auf Rügen. Auslöser ist der "Traumfang" des Hiddenseer Fischers Arno Gau.

Der 71-Jährige, der seinem Beruf seit rund 50 Jahren nachgeht, hatte kürzlich den "Fang seines Lebens" gemacht, wie er dem NDR Nordmagazin sagte, und knapp zwei Tonnen Hecht aus den Boddengewässern gefischt. In dem Internet-Video, das sein Schwiegersohn aufgenommen hatte und das dann irgendwie den Weg ins Internet fand, ist zu sehen, wie Gau kistenweise dickbäuchige Hechte anlandet. Aus dem Off raunt eine Stimme: "Unglaublich! Auch Arno hat noch nie so etwas gesehen."

Traumfang oder skrupelloser Bestands-Kahlschlag?

Der "Traumfang" hat Fischer Gau neben 4.000 Euro, die er für die Hechte von einem polnischen Großhändler bekam, auch jede Menge Ärger eingebracht. Im Internet wurde er beleidigt und beschimpft - und ihm wurde unverhohlen gedroht. Gau erstattete mittlerweile Anzeige. Seine Gegner werfen ihm vor skrupellosen Raubbau zu betreiben und ohne Rücksicht auf Verluste den Hechtbestand in den Laichgewässern zu dezimieren.

Fang gelang außerhalb der Hecht-Schonzeit in MV

Gau versicherte, dass er sich an alle Regeln gehalten habe. Er habe noch nie zuvor so viel gefangen. "Es war einfach Glück." In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwar eine Schonzeit für den Hecht, doch die beginnt erst am 1. März und endet am 30. April. Gaus Fang lag außerhalb dieser Frist. Seine Beteuerungen konnten die Wogen nicht glätten. Erst kürzlich soll einem Fischer in Wieck bei Greifswald fünf Liter Altöl in sein Boot gekippt worden sein, nachdem dieser am Vortag eine Kiste Hecht gefangen hatte.

Küstenfischer: "Jeder Fischer würde den Fang mitnehmen"

Die Küstenfischer in der Region haben es in Zeiten von Herings- und Dorschquoten nicht leicht. Gaus Kollege Thomas Koldevitz aus Gager auf Rügen kann die Aufregung um seinen Kollegen nicht verstehen. "Die Anlandung des Hechtes ist nicht skrupellos. Die sind einfach im Netz gewesen", sagt er. Gau habe keine Bestände ruiniert oder sich falsch verhalten. "Jeder Fischer würde so reagieren und den Fang mitnehmen."

Weitere Informationen
Drei Angler gehen ihrem Hobby nach. © dpa-Bildfunk Foto: Sebastian Gollnow

Landesanglerverband MV: Hunderte neue Mitglieder in der Corona-Krise

Der Landesanglerverband in Mecklenburg-Vorpommern hat im Verlauf der Corona-Pandemie besonders viele neue Mitglieder gewonnen. mehr

Angler blicken kritisch auf die Massenfänge

Mathias Fuhrmann vom Team Bodden-Angeln hat die Interessen der Angler im Blick. Er sieht die Massenfänge der Küstenfischer sehr kritisch, denn letztendlich bedrohen sie auch sein Geschäft als Angelguide. Angeln ist ein Wirtschaftsfaktor auf den Inseln. Sogar aus Japan kommen Angler, um ihren Traumfisch zu fangen. Der Hecht hat auch schon Fußball-Stars wie Zlatan Ibrahimovic und Miroslav Klose in die Gewässer vor Rügen gelockt. "42 Millionen Euro werden zum Beispiel auf Rügen mit Anglern verdient", erklärt Fuhrmann.

Forscher verzeichnen Hecht-Rückgang, der von Bodden zu Bodden variiert

Um den Schutz des Hechtes geht es einer Gruppe von Wissenschaftlern. Im Projekt "Boddenhecht" untersuchen sie, wie Hechte wandern und wie sich die Bestände entwickeln. Es gibt schon erste Ergebnisse. "Wir haben definitiv einen Rückgang der Hechtmenge, die aber auch von Bodden zu Bodden variiert", sagt "Boddenhecht"-Projektleiter Robert Arlinghaus. Besonders starke Rückgänge gebe es im Greifswalder Bodden und in Westrügen. Andere Gebiete stünden etwas besser da. "Aber insgesamt lässt sich die Meinungslage schon bestätigen, dass wir rückgehende Hechtbestände haben", sagt Arlinghaus.

Hechte mit Peilsendern ausgestattet

Für ihr Projekt haben sie bisher 1.700 Hechte markiert, 300 davon sogar mit Peilsendern ausgestattet. Die Wissenschaftler erhoffen sich Rückschlüsse und Ergebnisse, wie der Bestand geschützt und erhalten werden kann. "Es gibt ein ganzes Bündel von Möglichkeiten. Aber das ist wirklich Sache der Leute vor Ort", so Arlinghaus weiter. Dies auszuhandeln, sei nicht Aufgabe der Wissenschaft, sagt er. Was die Forscher dagegen tun könnten: Empfehlungen geben, wie unter Umständen Fischereigesetze geändert werden müssten, um den Hechtbestand in den Boddengewässern zu erhalten.

Weitere Informationen
Ein Angler mit einer gefangene Meerforelle am Ostseestrand. © Dirk Steffen Foto: Dirk Steffen

Traumfang: Angler zieht kapitale Meerforelle aus der Ostsee

Dirk Steffen hat den lachsartigen Fisch beim Angeln in der Ostsee in der Nähe von Boltenhagen gefangen. mehr

Heinz Galling und die Bachforelle – gefangen im Oberharz. © NDR/Mario Jeschke

Dicke Fische: Angeln im Norden

Wo sind die schönsten Angelplätze in Norddeutschland? Welche Fische gehen dort an den Haken? Tipps zu Ausrüstung und lohnenden Zielen für Hobbyfischer. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.02.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Zwei Polizisten gehen einen beleuchteten Weg entlang. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Robert Michael

Ausgangssperren in Vorpommern-Greifswald, Landkreis Rostock und Schwerin

Wegen der hohen Zahl neuer Corona-Infektionen darf nachts die eigene Wohnung nur mit triftigem Grund verlassen werden. mehr