Hände auf einer Computertastatur. © picture alliance / dpa Foto: Jochen Lübke

55-Jähriger verliert 90.000 Euro an "Liebesbetrüger"

Stand: 07.09.2022 14:14 Uhr

Ein Mann aus der Nähe von Neustrelitz hat 90.000 Euro an sogenannte Liebesbetrüger verloren. Er nahm dafür sogar einen Kredit auf.

90.000 Euro hat ein Mann aus dem Bereich Neustrelitz durch sogenanntes "love scamming" an Betrüger verloren. Am Dienstag zeigte er den Fall bei der Polizei an. Die Chancen sind gering, dass er sein Geld zurückbekommt. Der 55-Jährige hatte nach Angaben der Ermittler über ein Internet-Portal mit Kontaktanzeigen eine Frau kennengelernt, die vorgab, als Amerikanerin gerade in Deutschland zu leben. Angeblich hatte sie in ihrer Heimat eine Millionen-Erbschaft gemacht. Damit das Geld nach Deutschland transferiert werden könne, sollte der Mann für sie die Transaktionsgebühren und andere Vorabkosten auslegen. Ihm wurden laut Polizei die Rückzahlung und ein Anteil an dem Millionen-Erbe als Gegenleistung versprochen.

Skype-Anrufe von einer Strohfrau

Die Polizei warnt immer wieder vor solchen "love-scamming"-Betrugsmaschen, bei denen sich Betrüger als angeblich in Not geratene Menschen ausgeben oder Erbschaften nicht ohne die finanzielle Hilfe des späteren Opfers transferiert werden können. Die Methoden seien sehr ausgefeilt. Auch im Fall des 55-Jährigen gingen die Betrüger sehr geduldig vor und bauten über Monate hinweg eine Art Beziehung zu dem Opfer über Chats auf. Eine Strohfrau, die offenbar für die Betrüger arbeitete, versetzte über Skype-Anrufe das Opfer in den Glauben, dass das Profil der Betrüger der Wahrheit entspricht. So fasste er noch mehr Vertrauen.

Außergewöhnlich hohe Summe

In vielen Fällen nehmen Opfer Kredite auf, um den Betrügern "helfen" zu können - so auch der 55-Jährige. Die Polizei rät, bei Geldforderungen sofort sämtliche Kontakte abzubrechen und die Polizei zu informieren. Sollte bereits Geld überwiesen worden sein, dann sollten schnellstmöglich Polizei und Hausbank angerufen werden, um die Summe gegebenenfalls noch zurückholen zu können. In Mecklenburg-Vorpommern wurden in den vergangenen Jahren Männer und Frauen fast jeden Alters Opfer von Liebesbetrügern, die meist als gut organisierte Banden operieren. Die Summe von 90.000 Euro, die das Opfer aus der Region Neustrelitz verloren hat, ist allerdings außergewöhnlich hoch. Ein 90-Jähriger hatte 2020 rund 70.000 Euro an eine "junge Frau aus Russland" überwiesen und eingebüßt.

Polizei warnt vor falschen Polizisten

Die Polizei warnte zudem erneut vor einer weiteren Masche der Trickbetrüger. Sie geben sich als Polizisten aus, rufen ältere Leute an und warnen vor Einbrecherbanden, die angeblich in der Region unterwegs sind. Dann schlagen die Anrufer vor, Wertsachen und Bargeld der älteren Bürger zum Schutz für einige Zeit verwahren zu wollen. "Die echte Polizei macht so etwas nicht", betonte eine Polizeisprecherin. Zuletzt fiel demnach eine 82-jährige Frau in Pasewalk auf die Masche herein. Sie ließ Geld, Schmuck und Bankkarten im Wert von 3.000 Euro von einem angeblichen Polizisten abholen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 07.09.2022 | 16:00 Uhr

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