SPD genießt, CDU hofft: Nord-Reaktionen zur Bundestagswahl

Stand: 27.09.2021 06:06 Uhr

Wie bewerten die Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg den Ausgang der Bundestagswahl? Was sagen Vertreter der Oppositionsparteien in den norddeutschen Bundesländern?

Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist das Ergebnis klar, auch wenn der Abstand der beiden großen Parteilager relativ knapp ist: Es sei "ein grandioser Erfolg" für die Sozialdemokraten und ihren Spitzenkandidaten Olaf Scholz. "Ich genieße diesen Abend in vollen Zügen", sagt Weil am Sonntagabend im Interview bei NDR Info. "Wenn wir dieses Gespräch vor zwei Monaten geführt hätten, wäre es völlig anders gelaufen." Das Vertrauen in Scholz sei wahlentscheidend gewesen. Scholz sei nun der designierte Bundeskanzler und werde das weitere Vorgehen bestimmen. Eine Fortführung der Großen Koalition halte er für unwahrscheinlich, sagt Weil.

Günther wirbt für schwarz-grün-gelbes Bündnis

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wirbt auf NDR Info trotz der offensichtlichen Wahlniederlage der Union für eine Regierungsbeteiligung seiner Partei. Er sei für ein Bündnis aus Union, Grünen und FDP - auch, weil er in seinem Land gezeigt habe, dass sich eine "Jamaika-Koalition" sehr wohl um die großen Themen der Zukunft kümmern könne, sagt Günther. "Ich glaube, dass das auch auf Bundesebene möglich ist."

Schwesig: "Scholz wäre der beste Bundeskanzler"

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) freut sich am Wahlabend gleich doppelt - über den eigenen Sieg bei der Landtagswahl in MV und über den Erfolg von Scholz bei der Bundestagswahl. "Scholz wäre der beste Bundeskanzler für Deutschland", befindet Schwesig. Es gelte nun, das genaue Ergebnis abzuwarten und dann zu entscheiden, wer mit wem über mögliche Koalitionen spricht. "Wichtig ist eine stabile Regierung, die Deutschland wirtschaftlich stark und sozial gerechter macht und die mehr für die Umwelt und Natur tut." Sie selbst hege keine Ambitionen, Teil der neuen Bundesregierung zu werden: "Ich möchte gerne Ministerpräsidentin des Landes bleiben", so Schwesig.

Tschentscher: "Stimmung ist blendend"

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher äußert sich am Sonntagabend direkt von der Wahlparty der Soialdemokraten in Berlin. Die Stimmung sei "blendend", sagt er dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen. Die SPD habe "große Schritte nach vorn gemacht". Die Menschen wollten einen Politikwechsel. Er hoffe auf eine SPD-geführte Bundesregierung, die "die Dinge voranbringt". Scholz habe schon als Hamburgs Bürgermeister gezeigt, dass er vernünftig, zuverlässig, ruhig, aber ambitioniert regieren könne. Gefragt, ob auch er bundespolitische Ambitionen hege, antwortet Tschentscher, er sei gerade als Erster Bürgermeister wiedergewählt worden und es gebe noch viel zu tun in der Hansestadt.

Hamburger AfD-Kandidat: "Alle Wirte wurden bedroht und mussten absagen"

Der Spitzenkandidat der Hamburger AfD für die Bundestagswahl, Bernd Baumann, sieht im Abschneiden seiner Partei ein "solides Ergebnis". Trotz heftigen Gegenwindes lägen die Zahlen "in der Nähe der Daten, die wir beim letztes Mal hatten". Baumann kritisiert: In Hamburg sei Wahlkampf für seine Partei nicht möglich gewesen, man habe keine Großveranstaltungen abhalten können. "Alle Wirte wurden bedroht und mussten absagen." Dafür habe die AfD ein "recht gutes Ergebnis", meint Baumann, der auch Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion seiner Partei ist. In der Hansestadt kommt die AfD laut vorläufigem Ergebnis nach Auszählung aller Gebiete auf 5,0 Prozent.

Linke: "Herbe Niederlage für uns"

Die in Oldenburg lebende Co-Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Amira Mohamed Ali, spricht auf NDR Info von einer "herben Niederlage" für ihre Partei. Denn die Linke schafft es erst nach einer Zitterpartie wieder den Einzug ins Parlament. "Wir müssen uns kritisch hinterfragen, welche Fehler wir da gemacht haben." Dabei müsse nicht nur der aktuelle Wahlkampf betrachtet werden, sondern "wo wir in den letzten Jahren falsche Weichen gestellt haben", meint Mohamed Ali.

Niedersächsische Opposition: Grüne und FDP hoffen auf Regierungsbeteiligung

Niedersachsens Grünen-Vorsitzende Anne Kura sieht nach der Bundestagswahl nach eigenen Worten mehr Chancen für eine Ampel-Koalition mit SPD und FDP als für eine "Jamaika"-Regierung mit Union und FDP. "Es ist unser Auftrag jetzt, für starken Klimaschutz zu sorgen und für soziale Gerechtigkeit. Und da sind wir der SPD deutlich näher als der Union", so Kura. Bei der niedersächsischen FDP ist man zufrieden. "Wir freuen uns über ein zweistelliges Ergebnis. Das ist eine gute Bestätigung unserer Politik und ein Auftrag, diese Politik entsprechend fortzusetzen und auch umzusetzen", sagt Stefan Birkner am Sonntagabend in Hannover. Zu einer möglichen Koalition im Bund erklärt Birkner, er habe noch keine Präferenz.

Niedersachsens AfD-Landeschef Jens Kestner sieht seine Partei als politische Größe bestätigt. "Für uns ist das ein ganz herausragendes Ergebnis", so Kestner. "Wir sind stabil geblieben, wir haben eine Stammwählerschaft."

"Sensationell": SSW offenbar im Bundestag

Der in Schleswig-Holstein beheimatete Südschleswigsche Wählerverband (SSW) hat nach über 60 Jahren offenbar erneut den Einzug in den Bundestag geschafft. "Sensationell" sei das, sagt Spitzenkandidat Stefan Seidler auf der Wahlparty in Flensburg, wo bei jeder Nennung in den Hochrechnungen Jubel aufbrandet. Seidler hatte zuvor angekündigt, dass er mit allen demokratischen Parteien zusammenarbeiten würde. Er werde "aber auch die Stimme erheben und auf den Tisch hauen, wenn der Norden zu kurz kommt".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 27.09.2021 | 06:00 Uhr

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